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Die Filmstudios in Babelsberg sind die ältesten der Welt. Und die einzigen, die für fünf politische Systeme produziert haben. Die neue Ausstellung im Filmmuseum ist jetzt den Menschen gewidmet, die an den mehr als 3000 Filmen mitgewirkt haben
Einfach gigantisch - Shakespeare in Babelsberg. Hollywoodregisseur Roland Emmerich war ganz begeistert von den Bedingungen. Er drehte für 28 Millionen Dollar einen glamourösen Blockbuster. In Hollywood hätte ihn das locker das Fünffache gekostet. Die trickreiche Illusion gelang - dank amerikanischem Design, deutscher Filmförderung und günstig-solidem Filmhandwerk. Ist Babelsberg noch immer die traditionsreichste Filmfabrik der Welt?
Bärbel Dalichow
"Ach wo, die traditionsreichste in Deutschland. Wir sind zwar Weltmeister in jeder Hinsicht, aber auch in solchen Ländern wie Russland, Amerika und solchen Ländern wie Indien gibt’s ne traditionsreiche Filmindustrie. Aber für Deutschland ist es ein Wunder, dass Babelsberg 100 Jahre durchgehalten hat."
Doch wie nähert man sich dieser Traumfabrik? Mit Geschichten hinter der Geschichte. Zum Beispiel der, warum die Filmbranche 1911 aus Berlin nach Babelsberg zog. Man drehte damals im Zentrum Berlins unter Glasdächern mit hoch entzündbarem Filmmaterial. Die Feuerwehr kam nie schnell genug unters Dach…und forderte: Die Filmleute müssen weg.
Bärbel Dalichow
"Und zwar haben die gedacht: Gut, wenn die uns von den Dächern in Berlins Mitte vertreiben, dann versuchen wir jetzt nicht nur rum zu jammern, sondern versuchen gleich was zu machen, was toller ist als alles, was wir vorher hatten. Sie haben also investiert und zwar richtig. Und man brauchte viel Licht, weil man mit Tageslicht drehte, nicht wie heute und ein ungestörtes Terrain, wo man viele große Außenkulissen bauen konnte. Und das haben die dann getan. Z.B. im ersten Jahr ihres Bestehens eine Kulisse für über 1000 Mann - ein halber Zirkus. Und den haben sie dann zehn Jahre lang genutzt. Gar nicht so dumm unsere Vorfahren."
Richtig clever war Fritz Lang. Für seinen ersten Science Fiction Film ließ er aus 40 Wagonladungen Ostseesand eine Mondlandschaft aufschütten. Und er baute mit frühen Raketenforschern eine echte Rakete. Die Masse jubelte, als das Unikat 1928 zur Premiere des Films tatsächlich startete.
Bärbel Dalichow
"Aus der ganzen Welt guckte man nach Babelsberg, weil dort unglaubliche Kameratricks erfunden worden sind und Großbauten, die die Welt staunen ließen. Dafür war Babelsberg berühmt. Auch für seine disziplinierten Kleindarsteller, sehr schön und für seine, sehr sorgfältig gemachten Kostüme."
In der Ausstellung werden die Stars hinter den Stars gezeigt - die Szenen-, Kostüm- und Maskenbildner. Das goldene Handwerk ist in allen Jahrzehnten ein Markenzeichen von UFA bis DEFA. Geschätzt auch für seine Filmarchitekten, wie z.B. Otto Hunte. Ein genialer Diener vieler Herren. Er schuf die Kulissen für Nazi- und DEFA-Filme, aber auch für Meisterwerke der Weimarer Zeit wie "Die Nibelungen". Für Fritz Lang baute er eine Kulisse, die alle Produktionskosten sprengte. Und die UFA fast in den Wahnsinn und in den Ruin trieb. Über 100 Handwerker bauten über Monate den Nibelungenwald aus Stuck und Schilfrohr. Der Film wurde zum Publikumsrenner.
Eine Illusionskünstlerin ist auch Gisela Schultze. Die DEFA-Filmarchitektin hat an über 100 Kulissen für die Ewigkeit mitgewirkt. Ihr letztes Modell steht heute noch.
Gisela Schultze
"Ich hab eine Berliner Straße gebaut, eine große. Und die Berliner Straße wird bei jedem Film umgebaut. Das ist ja Sinn und Zweck der Geschichte. Jeder Film kann jetzt die Fassaden verändern, dazu bauen oder so."
Aus dieser Berliner Straße in Babelsberg wurde in Roman Polańskis oscargekrönten Film "Der Pianist" das Warschauer Ghetto. Gisela Schultze hat dazu die Skizzen und Zeichnungen nach den Vorgaben des Szenenbildners Ken Adams geliefert. Auch jede Straßenszene in Leander Haußmanns "Sonnenallee" ist ein Spiel mit der perfekten Illusion. Nichts ist hier echt - außer der Blick auf ein Miniaturmodell mit Wachturm.
Babelsberg als Traumfabrik. Wann hat das am besten funktioniert? Immer dann, wenn die Sehnsucht am größten war nach einem glücklichen Leben. Und was bleibt?
Bärbel Dalichow
"Was bleibt? Da bleiben Gesichter, es bleiben die Filme und immer wieder wechselnde Moden können dafür sorgen, das immer mal wieder einer hochgespült wird oder eine ganze Gruppe."
Ob wir uns an den Shakespeare-Film von Roland Emmerich als Highlight aus Babelsberg noch in fünf, zehn oder fünfzig Jahren erinnern ist schwer zu sagen. Aber es reicht ja erstmal, wenn er einen Oscar kriegt…
Autorin Marina Farschid
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_03_11/babelsberg.html