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rbbonline | Archiv

Noch 7 Wochen bis Weihnachten - die Shopping-Center werden wieder knackig voll sein. Doch es gibt auch ganz andere Wege um an neue Dinge zu kommen und Menschen, die sich dem ständigen Konsum verweigern. Ihr Motto: Tauschen statt shoppen
Er hat die Menschen einander näher gebracht, hier in der Steinstraße in Mitte: Andreas, der Softwareprogrammierer wollte ein paar überflüssige Dinge loswerden. Deshalb erfand er die "Givebox" Eine kleine Kiste, in die jeder Dinge hineinstellen kann, die er verschenken will. Auch die Gutbetuchten stöbern inzwischen hier, denn die Box ist liebevoll gestaltet. Die Idee boomt, inzwischen gibt es schon neun "Giveboxes" in Deutschland. Denn was für den einen überflüssig ist, ist für den anderen noch lange nicht wertlos.
Andreas, Softwareprogrammierer
"Das Teuerste war vielleicht mal ein Surfbrett, was ich mal gefunden hab, ansonsten sind auch immer sehr verrückte Sachen da. Man muss nur ein bisschen schauen - wir haben auch mal ein Gerät gefunden, wo wir gar nicht wussten, was das war. Ansonsten war auch mal ein Pool drin, so ein Aufblaspool und immer sehr viel verrückte Sachen, wie diese Hello-Kitty-Boxen, wo man noch gar nicht genau weiß, was das bringt - weil irgendwie ist da noch eine Batterie unten drinne."
Solche Fundstücke lieben die Kinder der Schule nebenan. Aber einfach so was nehmen? Nee, da passt die große Schwester gut auf:
"Möchtest Du das? Das sind 'fantastische Bilder'. Morgen bringst Du du dafür was mit, ok?"
Die nächste "Givebox" steht in der Kollwitzstraße. Die Israelin Inbal kommt täglich vorbei. Sie hat schon eine Puppe für ihre Tochter gefunden, dafür gibt sie Kinderkleidung ab. Heute jedoch: nichts dabei!
Inbal, Mutter
"Ich finde das sehr hilfreich - irgendwie sozial. Besonders in dieser Yuppie-Gegend hier."
Ragnar Willer hat in der Steinstraße schon eine Luis-Vuitton-Tasche gesehen. Er wohnt gegenüber und schaut oft vorbei. Er braucht nichts, aber er untersucht solche Konsumtrends beruflich, berät junge Existenzgründer, die etwas eigenes aufbauen wollen und sieht gerade im Tauschen und Schenken etwas, das zu der Zeit passt.
Ragnar Willer, Existenzgründungsberater
"Wenn wir jetzt Modeblogs, Trendblogs anschauen, die natürlich auch darüber berichtet haben, dann ist eher dort das Thema, dass wir als Konsument natürlich auf der Jagd nach Neuem sind, nach authentischen Gegenständen sind, nach Gegenständen, die eine Patina zeigen, die "Traces of Life", die Spuren des Lebens. Also dort überwiegt dieser Jagdsinn und der Konsumcharakter."
Ein Einzelstück, das die Phantasie anregt. Solche Originale locken: ganz normale Passanten, und natürlich auch Profi-Verkäufer.
Andreas
"Sie kommen auf jeden Fall bestimmt vorbei, ob sie was rausnehmen – bestimmt. Aber das ist explizit nicht erwünscht, das steht in den Regeln und ich denke, dass sie das auf die Dauer nicht machen, weil sie ja wissen, dass sie andere Menschen da ausnützen. Dann können sie ja gleich in nem Laden Sachen klauen und weiterverkaufen."
Auch in diesem Laden kann man nichts klauen - im "Schenkladen" ist alles umsonst. Eine ur-linke Idee wird hier konsequent umgesetzt - um dem kapitalistischen Geldfluss etwas entgegenzusetzen. Viele können es kaum glauben: all das: geschenkt?
Katja
"Ja, am Anfang ist es eigenartig, ich kann mich noch erinnern, am Anfang hat man das Gefühl - man hat nicht geklaut… aber: das kann doch nicht sein! Das geht doch nicht. Diese Freiheit auch, dass man sich was aussuchen darf."
So richtig beglückt verlassen viele den Schenkladen. Und das ist mehr wert als jede harte Währung. Man kann es hier beobachten und vor jeder "Givebox“ in Berlin.
Autorin Petra Dorrmann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_03_11/geschenkbox.html