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rbbonline | Archiv

Als der Berliner Schauspieler und Regisseur Sergej Moya und seine Frau feststellten, dass sie noch nie gemeinsam einen Pornofilm angeschaut hatten, beschlossen sie, einen Film zu drehen, in dem Sex auf hohem Niveau zu sehen ist. Jetzt ist "Hotel Desire" fertig.
Eine zufällige Begegnung endet in leidenschaftlichem Sex. In "Hotel Desire" ist alles zu sehen, was hier aus Jugendschutzgründen nicht gezeigt werden darf.
Hauptdarsteller Clemens Schick ärgert die Prüderie in vielen Filmen. Für ihn ist es nicht anstößig, explizite Sexszenen zu zeigen oder gar selbst zu spielen.
Clemens Schick, Schauspieler
"Für mich ist das ein erregender Moment, ich finde das gut, das ist nicht immer sexy, muss nicht immer sexy sein, kann auch brutal sein, welche Filme man auch immer nimmt. Aber ich finde das gut, wenn´s dargestellt wird, wenn s gezeigt wird."
Aber in "Hotel Desire" geht es nicht nur um Sex. Erzählt wird die Geschichte von Toni, einer alleinerziehenden Mutter, in deren Leben Sex und Zärtlichkeit schon lange keine Rolle mehr spielen. Sie arbeitet als Zimmermädchen im Hotel und begegnet dort dem blinden Maler Julius, der ihre Sehnsucht weckt.
Saralisa Volm, Schauspielerin
"Ich fand Toni super, ich mochte sie, ich hab mich beim ersten Lesen über sie geärgert, ich hab mit ihr geheult, ich kannte die auch irgendwie, und dachte, ich möchte die spielen."
Die ausführliche Sexszene nimmt dann knapp die Hälfte des 40-minütigen Films ein.
Mit einem Mann zu schlafen – vor laufender Kamera, mit einem Filmteam direkt am Bett – Saralisa Volm hat sich darauf eingelassen: Sie wollte ausprobieren, ob sie das kann.
Saralisa Volm, Schauspielerin
"Bei der Sexszene war es so, es war wahnsinnig witzig, weil man sich natürlich sehr viele Gedanken darüber machen muss, wie sieht das eigentlich aus, wie guckt man da eigentlich, spielt man ja auch nicht jeden Tag und macht sich da auch nicht immer Gedanken drüber. Es war auch sehr witzig."
Sergej Moya, Regisseur
"Das war eine ganz komische Art und Weise von einem Dreier, also ich war natürlich nicht insofern involviert, dass ich involviert war, aber es war eine Verabredung zwischen uns dreien."
Der Regisseur hatte auch die Idee für das Drehbuch zu "Hotel Desire". Der 23jährige glaubt, dass man Sex auch jenseits aller Pornoklischées zeigen kann.
Sergej Moya, Regisseur
"Ich glaub, ganz viele Menschen haben nicht das Glück, in sexueller Erfüllung zu leben oder sich da komplett drüber zu entfalten oder ausdrücken zu können und deswegen wollten wir eine Geschichte erzählen, die das, was in der Realität so oft nicht funktioniert, weiter erzählt, dass es da gelingt, dass man da erfüllt, wonach man sich sehnt."
Die Aussicht, prominenten Schauspielern beim Geschlechtsverkehr zuzusehen, sorgte schon während der Dreharbeiten für reichlich Presse. Schnell wurde "Hotel Desire" als Porno abgestempelt. Ein schlauer Marketingcoup, auch wenn Clemens Schick unter einem Porno etwas anderes versteht.
Clemens Schick, Schauspieler
"Porno ist für mich, um ein sexuelles Bedürfnis zu befriedigen, und ich glaube nicht, dass die erste Motivation, diesen Film zu gucken, ein sexuelles Bedürfnis ist, es gibt sicher auch Leute, ist auch okay, wenn es die gibt, ist auch okay, wenn es für viele Leute ein Porno ist oder wenn Leute das auch abfällig meinen, keine Ahnung, ich will jetzt gar nichts vorweg nehmen."
Der Film ist der Versuch, Sex in all seiner Schönheit zu zeigen, so Clemens Schick. Und dieser Versuch gelingt, auch weil sich die Macher selbst nicht zu ernst nehmen. Sie spielen mit dem Genre Sexfilm – und so fehlt in "Hotel Desire" auch nicht die bei Liebesszenen obligatorische „Zigarette danach“ – die hier allerdings für ein romantisches Ende sorgt.
Autorin: Katharina Wenzel
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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