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rbbonline | Archiv

Sie ist einer der großen Stars des DDR-Fernsehens, der jedes Jahr zu Weihnachten über den Bildschirm watschelt: die Weihnachtsgans Auguste. Gerade hat die Diva ihren 25ten Geburtstag gefeiert, in ihrem Dorf in Brandenburg.
Sie sehen eine Gans? Irrtum: Sie sehen einen Star! Einen wirklichen Star! Der Catwalk – als Weihnachtsgans Auguste - ohne Federn, im Strickpullover – ging sie in die Filmgeschichte ein.
Filmszene
"Ick bin wat ick bin… "
So selbstbewusst ging noch kein Star an der Leine: Mit dieser Rolle wurde Auguste - unsterblich.
Seit 25 Jahren lebt sie hier - Im Stall von Michael Schweuneke. Er ist ihr Manager und spürte - da lag sie quasi noch im Ei: Sie wird etwas ganz Großes:
Michael Schweuneke, Filmtiertrainer
"Nee, vorm Ei noch nicht. Das hat man erst gesehen nach drei, vier Wochen, das sie folgsam ist und futterfest. Und dann haben wir uns für Auguste entschieden."
Auguste war also folgsam und futterfest. Das ist eine Tugend, die geht vielen Schauspielern einfach ab. Auguste nicht. Die alte Diva hört - mit 25 Jahren – noch immer - "Kopf hoch!" - - fast aufs Wort.
Auguste verlieh Filmszenen wie diesen symbolkräftig Tiefe: Wer sonst verfolgt so aufmerksam, wie sich Dinge im Kreis drehen? Und Auguste mit Winkelement! Doch ohne ihren Coach – man muss es so sagen – wäre sie heute nicht das, was sie ist.
Michael Schweuneke, Filmtiertrainer
"Sie ist wie ein Kind, das nichts kann, da muss man einem kleinen Kind auch alles beibringen, genauso ist es mit der Gans."
Ja, gute Dressur ist das halbe Leben. Und ein Weg zum Ruhm. Auguste wurde 1986 mit zarten sechs Wochen ein Jahr lang auf die Rolle ihres Lebens vorbereitet – auf die Rolle der Weihnachtsgans Auguste. Das Drehbuch kannte sie nur in groben Zügen. Kammersänger Ludwig Löwenhaupt holt sie ins Haus, als künftigen Weihnachtsbraten.
Filmszene
"Tu ihr nichts! Papa… "
Und Sohn Peterle will ihr Ende unbedingt verhindern, denn diese Gans ist - einzigartig:
Filmszene
"Lat mi ma fiedeln, die doofen Liedeln … na nimm mal."
Diese Gans spricht nicht nur. Sie spielt Cello, Schlagzeug sowieso und stürzt Pädagogen in Existenzkrisen…
Filmszene
"Kick mal hin, kick mal hin, Ick bin wat ick bin, Frau Lehrerin.- Es gibt keine sprechenden Gänse."
Schnee von gestern. Sie redet nicht gern über vergangene Zeiten. Schon gar nicht auf Bestellung. Da helfen auch keine Tricks und gutes Zureden. Auguste hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Sie erinnert sich noch gut… an die Strapazen ihrer Rolle.
Als Weihnachtsgans auf der Flucht. Kein DDR-Film hat dieses Thema so subtil in Szene gesetzt. Das traumatische Erlebnis endete in einem todesähnlichen Schlaf…
Und sie wird bei lebendigem Leibe gerupft…?
Michael Schweuneke, Filmtiertrainer
"Nee, sie hat nen Kleid angehabt. Ihr originales Federkleid drunter gehabt und hat dann doch noch ihr Kleidchen übergezogen. Das war dann noch ein bißchen kompliziert das anzuziehen, dass man wirklich denkt, sie ist gerupft. Aber es war nen Kleid."
Eine Gans überlebt den sicheren Tod zu Christi Geburt – das ist ein subversives Märchen. Auguste geht bis heute souverän mit neugierigen Blicken um. Ihr größtes Geheimnis hat sie Jahrzehnte mit sich rumgetragen: - Auguste heißt August und lebt mit einem Ganter zusammen. Eine Bilderbuch-Karriere mit falscher Identität… - und keiner hat‘s gewusst.
Autorin: Marina Farschid
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_08_12/weihnachtsgans_auguste.html