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rbbonline | Archiv

Seine Bilder sind ungefähr so teuer wie eine Eigentumswohnung in Berlin Mitte und ähnlich heiß begehrt. Der Maler Daniel Richter gehört derzeit zu den Stars unter den deutschen Malern Dabei kommt er ursprünglich aus der linksautonomen Hausbesetzer-Szene und produzierte Punk-Musik. Daniel Richter malt und denkt weiterhin politisch. Zu erleben jetzt in seiner neuen Berliner Ausstellung.
Es geht Schlag auf Schlag, bei Daniel Richter im Atelier. Es ist noch nicht ganz trocken, das Bild - und schon geht es auf den Markt.
Daniel Richter, Maler
"Ich hab das noch nicht signiert! Das geht erst zum Fotografen, dann geht’s in den Container. Und dann geht´s nach Miami in die Sonne."
Weg isses, vielleicht auf Nimmerwiedersehen!
Daniel Richter, Maler
"Es gibt so zwei, drei Bilder, die ich gerne behalten hätte. Andererseits ist das Bedürfnis danach, sich Geltung zu verschaffen, dadurch dasss man Feedback kriegt, dadurch dass man Geld kriegt auch eine nicht zu unterschätzende …wie soll man sagen? Nicht Motivation … aber ist ja auch ein Ausdruck von Achtung oder so."
Daniel Richter steht gerade sehr hoch im Kurs. Er ist leidenschaftlicher Musikfan; im Atelier hört er pausenlos Musik; ohne dass das jedoch seine Kunst beeinflusst. Er weiß, dass es jederzeit vorbei sein kann, mit den Spitzenpreisen. Deswegen leistet er es sich auch mal, eine Ausstellung zu verschieben, wenn er nicht genügend gute Werke anbieten kann.
Daniel Richter, Maler
"Ich bin sicher, daß es sehr viel Leute gibt, die finden, daß ich extrem unselbstkritisch bin, geradezu eitel. Die haben vielleicht auch recht. Ich glaub jeder der etwas ernsthaft macht, sollte versuchen, sein bester kritiker zu sein oder zumindest versuchen zu sein. Daß natürlich bestimmte Form von Kritik nicht anwendbar sind, weil man sonst nicht malen könnte, ist auch logisch."
Aber darüber redet er nicht gern – dann würde ihn die lähmende Selbstkritik verfolgen. Lieber steigt er auf´s Rad; davon hat er einen ganzen Fuhrpark. Ab in seine Galerie. Noch vor der Eröffnung sind schon alle Bilder verkauft. Daniel Richter hat sich an Heldenmythen abgearbeitet. Der Pashtune und der Cowboy als Blutsbrüder. Ein ungleicheres Paar kann man sich gerade kaum vorstellen.
Daniel Richter, Maler
"Es ist ein Bild, das den Weltfrieden heraufbeschwören soll und die Schönheit von Männern begegnen und eine rauchen. Kulturen die untergegangen sind:: der schöne Raucher, der edle Mann… Da glaubt kein Mensch mehr dran: Ja, der edle Wilde, der einsame Brecher, die gute Zigarette, die Einsamkeit der Berge… das glaubt kein Mensch mehr. Nur in der Malerei findet das ansatzweise noch statt."
Daneben diese Geister, glühende Schatten wie aus einem Computerspiel. Scharfschützen mit Nachtsichtgeräten. Sind es die Kämpfer im Hindukusch, auf der Jagd nach Osama Bin Laden? Es sind beunruhigende, irgendwie auch sehr schöne Bilder. Bilder, als wären sie Daniel Richter einfach so aus dem Kopf geflossen.
Im Stilmix: die Panik einer Verfolgungsjagd!
Daniel Richter, Maler
"Ego-Shooter-Games, moderne Kriegsführung – alles drin! Es ist alles drin, was moderne Malerei braucht!"
Sind das in den Medien nicht die "Guten“, die Amerikaner im Kampf gegen das Böse? Und das: der Böse? Vielleicht Osama Bin Laden? Daniel Richter lässt sich nicht festlegen: Malerei ist keine moralische Anstalt, sagt er. Daneben entdeckt man in diesem Bild vielleicht ein Caspar-David-Friedrich-Zitat … oder psychodelische Popart im Nahbereich zum Kitsch.
Daniel Richter, Maler
"Wissen sie: einer muss dahin gehen, wo´s wehtut … alle anderen können ja da sein, wo man sich wohlfühlt… ich will da noch mehr von malen, ich finde, man kann das noch kitschiger, man kann das noch ein bisschen schöner malen."
Und manchmal…schlagen sie dann ein wie ein Hammer: die schönsten der Richter-Gemälde… einfach großartig!
Autorin: Petra Dorrmann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_10_11/daniel_richter___10001.html