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Es ist dieser Moment, den man sich nie vorstellen möchte. Wenn man durch eine Krankheit völlig unvorbereitet mitten aus dem Leben gerissen wird. So geht es Frank, einem jungen Familienvater. Diagnose: Gehirntumor. "Halt auf freier Strecke", der neue Film von Andreas Dresen, erzählt ungeheuer berührend von Franks Abschiednehmen und von der Alltäglichkeit des Sterbens.
Nur noch wenige Monate bleiben Frank Lange. Dabei war doch eigentlich gerade alles auf dem richtigen Weg. Ein neues Haus, Arbeit, Familienglück. Wie spricht man über das Unfassbare, das man selbst nicht begreift?
Andreas Dresen, Regisseur
"Jetzt ging es uns darum, zu erzählen, wie diese vier Menschen sich dieser Situation stellen und so genau wie möglich zu sein, was das dann für Zerreißproben auch bedeutet für die Beteiligten. Und da geht’s dann eben nicht immer nur nett zu. Der Sterbende ist nicht immer nur ein pflegeleichter, leidender, bemitleidenswerter Mensch. Er ist eben auch ein Tyrann, der mit seiner Situation hadert, mit der Welt hadert und unter Umständen auch ne Nervensäge."
Der schonungslose Realismus wird in Andreas Dresens Film gebrochen durch absurde Momente. Der Hirntumor als Talkshowgast. Inspiriert durch ein Konzept aus der Krebstherapie: Der Kranke soll in seiner Fantasie dem Tumor ein sichtbare Gestalt geben.
Andreas Dresen, Regisseur
"Manchmal sind das Bilder wie aus dem Märchenbuch und manche stellen sich vielleicht auch konkrete Menschen vor. Bei uns tritt der Tumor dann halt in der Harald-Schmidt-Show auf und sagt Dinge, die Frank sehr wohl weiß, die er aber sonst gegenüber Dritten nie äußern würde."
Mit dem Handy filmt Frank Lange sich und die Welt, die er bald verlassen muss. Eine Welt, in der er sich immer weniger zurecht findet. "Halt auf freier Strecke“ setzt dem Sterben den Zusammenhalt der Familie entgegen – bei allem Ernst, allem Leid - ein Film, der das Leben feiert.
Andreas Dresen, Regisseur
"Man kann auch die schwersten Prüfungen des Schicksals überstehen an der Seite der Menschen, die einen lieben und die man selber liebt. Und dann kann auch der Moment des Todes ein friedvoller, weicher, erträglicher sein. Und gnädiger. Insofern wird der Film zum Ende hin eigentlich immer barmherziger, immer offener, und ich glaube, dass er einen nicht in desolatem Zustand entlässt sondern mit einem Gefühl ins Leben zurückführt."
Halt auf freier Strecke ist ein harter und poetischer Film, der das Sterben genauso ernst nimmt, wie das Leben.
Autoren: Steffen Prell & Dorothee Hackenberg
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_10_11/halt_auf_freier_strecke.html