Kim Sperling bespricht mit einem Mann seine Bilder (Quelle: rbb)

Neue Ausstellung - Koreaner in Deutschland

In Deutschland leben knapp 25.000 Menschen, die ursprünglich aus Südkorea stammen - viele von ihnen schon seit Jahrzehnten. Sie wurden als Arbeitskräfte gebraucht: als Bergarbeiter oder Krankenschwestern. Mit ihrer Geschichte beschäftigt sich nun eine Ausstellung in Berlin.

Eigentlich sind sie hergekommen, um eine Foto-Ausstellung aufzubauen, aber die Nachrichten aus Nordkorea lassen sie nicht los: Kim Sperling und In-Sun Kim stammen aus Südkorea. Im Moment beschäftigt sie die Frage, ob nun wirklich ein Krieg droht.

In-Sun Kim, ehemalige Krankenschwester
"Dann haben wir alle verloren – nicht nur die Südkoreaner, sondern die ganze Welt. Und das wollen wir nicht."

 
Kim Sperling hat In-Sun Kim fotografiert. Gerade werden die Fotografien für die Ausstellung entwickelt. Es sind Porträts von Männern und Frauen, die vor langer Zeit aus Südkorea nach Deutschland gekommen sind, weil sie hier gebraucht wurden: Die Männer als Bergarbeiter, die Frauen als Krankenschwestern.

Kim Sperling, Fotograf

"Was man bei allen merkt ist, dass sie es, glaube ich, nicht leicht gehabt haben. Das ist ja so eine Mischung aus ökonomischen Zwängen - weil Korea ja damals schon ein sehr armes Land war - und vielleicht so einer gewissen Abenteuerlust."


50 Jahre liegt das zurück. Deutschland braucht Krankenschwestern - und schliesst ein Anwerbeabkommen mit Südkorea. In Deutschland sehen Viele bessere Chancen als in der armen Heimat - vor allem die gut gebildeten. Die Krankenschwestern werden geschätzt von Ärzten und Patienten.

In-Sun Kim kommt aus einer Stadt ganz im Süden Koreas. Sie kommt als uneheliches Kind zur Welt. Das macht ihr Leben schwer. Als sie 15 ist, verlässt die Mutter die Familie, lässt ihre Tochter zurück. Um freier leben zu können, geht sie nach Deutschland, wird Krankenschwester.

In-Sun Kim, ehemalige Krankenschwester

"Es war schrecklich. Also erstmal, ich war allein. Ich bin ja als Einzelperson gekommen, deswegen gab es keine Koreanerinnen. Und ich musste ständig deutsch essen. Und Sprache lernen und diese Einsamkeit. Es war ein richtiger Kulturschock."

30 Jahre lang arbeitet sie als Krankenschwester, finanziert sich so ihren Traum: ein Theologiestudium. Nach dem Abschluss zieht sie nach Berlin und gründet ein interkulturelles Hospiz.

In-Sun Kim, ehemalige Krankenschwester
"Erst einmal habe ich für mich so in Frage gestellt, kannst Du Dir denn vorstellen, auch hier in Deutschland zu sterben? Und in deutscher Erde begraben zu werden? Und das konnte ich nicht beantworten. Und dann kannte ich nur meine Antwort, sondern viele Migranten, die hier leben oder sterben. Und da habe ich über meine Definition zu Leben und Tod nachgedacht. Und das ist der Grund, warum ich hier das interkulturelle Hospiz aufgebaut habe."


Kim Sperling hat In-Sun Kims Geschichte in seinem Foto festgehalten. Er will mit seinen Bildern den Moment verdichten. Dabei ist immer Korea sein Thema. Er will mehr über dieses Land herausfinden, in dem er geboren ist, aber das er kaum kennt. Denn Kim Sperling kam mit sieben Monaten nach Deutschland.

Kim Sperling, Fotograf

"Gerade aus meiner Situation, also ich bin ja adoptiert und ich kenne meine leiblichen Eltern nicht... dass es so eine Möglichkeit war, einen Einblick in diese Generation zu bekommen. Dass man erfährt, also unter welchen Bedingungen haben die Menschen in Nordkorea gelebt? Wie sind sie aufgewachsen vielleicht? Und auch im Hinterkopf zu haben: Theoretisch könnte die Biografie der eigenen Eltern sehr ähnlich sein."


Die Menschen, die Kim Sperling porträtiert hat, haben alle eine gemeinsame Erfahrung gemacht: die Fremde. Und man meint, das in ihrem Blick erkennen zu können.


Autorin: Julia Riedhammer