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In der Akademie der Künste erinnert jetzt eine neue Ausstellung an Max Frisch. Das Spannende an dieser Ausstellung sind vor allem die Einblicke in die Zeit, die der Literatur-Weltstar hier in Berlin verbrachte.
Wie ein Uhrwerk schrieb er, jeden Morgen, der große Schweizer Schriftsteller, der vor zwanzig Jahren gestorben ist. In einer außergewöhnlich vielseitigen Ausstellung gibt die Akademie der Künste nun Einblick in sein Leben. Berühmt wurde Max Frisch eben nicht nur durch seine großen Romane wie den Homo Faber, sondern auch durch seine literarischen Tagebücher.
Max Frisch
"Zuerst mal zu sagen wäre, dass diese Art Tagebuch ja von vornherein geschrieben wird mit dem Bewusstsein, es zu veröffentlichen."
Umso brisanter: Dieses Tagebuch, dessen Veröffentlichung Max Frisch sogar zwanzig Jahre über seinen Tod hinaus verbot. Er schrieb es in Berlin, als er in den 70er Jahren in Friedenau wohnte. Nun kann man erstmals einige Seiten einsehen.
Jörg Fessmann, Akademie der Künste
"Man kann den Eindruck haben, dass er eigentlich vorhatte, eine Art Stimmungsbild von Berlin zu schreiben, dass er das aber dann bald bleiben ließ – und sich auf das Zwischenmenschliche, auf die Personen, auf die Gespräche ausrichtete."
Begegnungen mit Schriftstellerkollegen – vor allem in Ostberlin: die schildert Max Frisch mit genauer, einfühlsamer Feder. Neugierig besucht er immer wieder Christa Wolf oder Günter Kunert, beschreibt die herzliche, zugleich zweischneidige Atmosphäre. Doch nicht wegen solcher Szenen, auch über Wolf Biermann, verbot er die Veröffentlichung. Sondern weil er darin offenbar höchst intime Details aus seinem Privatleben preisgab. Diese Passagen bleiben auch heute unter Verschluss.
Jörg Fessmann, Akademie der Künste
"Im Lauf der Jahre spielt die Krise der Ehe eine immer größere Rolle im Tagebuch. Diese Passagen kenne ich nicht. Aber nach Äußerungen von Max Frisch selbst kann man davon ausgehen, dass er deshalb das Tagebuch sperren ließ."
Auch ohne die Intima aus der Ehe gewährt das Berliner Journal Einblicke, die diese Ausstellung zu einem Ereignis machen. Der Schriftsteller Max Frisch – auch er war ein Berliner - mit einem besonders feinsinnigen, schweizerischen Blick.
Autor: Norbert Kron
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_12_01/max_frisch_ausstellung.html