Ausstellung -
Er arbeitet mit Stein, Stahl, Glas und Wachs. In seinen Objekten, Skulpturen und Installationen verwischen die Grenzen zwischen Malerei und Bildhauerei. Der Martin-Gropius-Bau zeigt Werke von Anish Kapoor, von denen viele extra für die Berliner Ausstellung entstanden sind.
Mit scharfen, kritischen Blicken kontrolliert Anish Kapoor seine Arbeiten. Nur absolut Perfektes duldet er - das, was am Ende Herzen tanzen lässt, Millionen begeistert. Komplizierte Rechenkünste verbergen sich hinter den Zerrspiegeln, für die er weltweit bekannt ist. Reine Physik, doch ihre Verführungskraft ist nahezu magisch. Alles was wir sehen, sagt Anish Kapoor, betrachten wir mit Begehren, mit Liebe oder Hass. Und deshalb stellt er unsere Perspektive in Frage.
Anish Kapoor, Künstler
"Diese Rundung hier wölbt sich und diese weicht zurück, also kommen hier konvexe und konkave Kurven zusammen. Das macht die Spiegelung so verrückt. Und außerdem verdreht sie links und rechts. Am Ende erblickt man eine andere 'Realität', ein bisschen wie bei Alice im Wunderland."
Skulpturen mit perfekter Oberfläche kreiert der Turner-Preisträger. Objekte, zart und so zurückhaltend, dass sie fast verschwinden. Ist da wirklich was? "Wenn ich schwanger bin" heißt diese vollkommene Rundung.
Nebenan: Zementarbeiten, roh, verdreht, wie Hefeteig zu klobigen Haufen getürmt. Mit diesen neuen Arbeiten sucht Anish Kapoor nach neuen, anderen Welten.
Anish Kapoor, Künstler
"Ich habe diese beiden Seiten in mir: die eine, die solche Mantschereien liebt. Ich genieße das. Das entspricht ja auch der Welt, wie sie sich wandelt oder zerfällt. Auf der anderen Seite suche ich nach dem perfekten Objekt. Das, das nur in der reinen Perfektion zu etwas anderem wird. Zu etwas Ungreifbarem."
Er wollte mit toter "Haut" arbeiten, erzählt Anish Kapoor. Ein traurig braunes Ding hat sich über drei Räume im Martin-Gropius-Bau ausgebreitet. Das war Leviathan - das Monster, das Anish Kapoor für Paris entworfen hat. Anish Kapoor erinnert es an den übermächtigen Staat - der, der das Individuum unterdrückt. Gewidmet ist diese Arbeit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Hier in Berlin ist dieser Leviathan nur noch ein elender, schlaffer Haufen.
Anish Kapoor, Künstler
"Der Staat zerfällt ja irgendwie, oder stirbt ab. Das ist doch die heutige Situation, die wir nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt beobachten können, dass die Idee der Nation zerbricht. Das hat mich interessiert: über den Tod von Leviathan als Staat nachzudenken, den Tod des Biestes."
Beunruhigend sind die Welten, die Anish Kapoor hier entfaltet: "Gethsemane" nennt er diese Wucherungen, in Erinnerung an den Garten, in dem Jesus Blut schwitzte, aus Angst vor seiner Kreuzigung. Solche Mythen inspirieren ihn, den Sohn eines indischen Vaters und einer irakisch-jüdischen Mutter. Kosmopolitisch und privilegiert ist er in Indien aufgewachsen, später hat er in einem Kibbuz gearbeitet, in London hat er später Kunst studiert.
Plötzlich jedoch schleicht sich ein aggressiver Ton ein. Blutrote Wachsbomben werden in die Ecke geschossen, Action-Painting in 3-D-Format. Gewaltig, bizarr, schön. Und irgendwie verrückt.
Anish Kapoor, Künstler
"Künstler sind Narren, nur mit diesen verrückten Spielchen, diesen dummen Dingen - das ist doch dumm, solch riesige Objekte zu machen, echt dumm - aber nur so entsteht manchmal etwas, nicht immer, aber vielleicht etwas Magisches."
Anish Kapoor: er verführt, er betört. Neuerdings jedoch verstört er auch.
Autorin: Petra Dorrmann
Anish Kapoor, Künstler
"Diese Rundung hier wölbt sich und diese weicht zurück, also kommen hier konvexe und konkave Kurven zusammen. Das macht die Spiegelung so verrückt. Und außerdem verdreht sie links und rechts. Am Ende erblickt man eine andere 'Realität', ein bisschen wie bei Alice im Wunderland."
Skulpturen mit perfekter Oberfläche kreiert der Turner-Preisträger. Objekte, zart und so zurückhaltend, dass sie fast verschwinden. Ist da wirklich was? "Wenn ich schwanger bin" heißt diese vollkommene Rundung.
Nebenan: Zementarbeiten, roh, verdreht, wie Hefeteig zu klobigen Haufen getürmt. Mit diesen neuen Arbeiten sucht Anish Kapoor nach neuen, anderen Welten.
Anish Kapoor, Künstler
"Ich habe diese beiden Seiten in mir: die eine, die solche Mantschereien liebt. Ich genieße das. Das entspricht ja auch der Welt, wie sie sich wandelt oder zerfällt. Auf der anderen Seite suche ich nach dem perfekten Objekt. Das, das nur in der reinen Perfektion zu etwas anderem wird. Zu etwas Ungreifbarem."
Er wollte mit toter "Haut" arbeiten, erzählt Anish Kapoor. Ein traurig braunes Ding hat sich über drei Räume im Martin-Gropius-Bau ausgebreitet. Das war Leviathan - das Monster, das Anish Kapoor für Paris entworfen hat. Anish Kapoor erinnert es an den übermächtigen Staat - der, der das Individuum unterdrückt. Gewidmet ist diese Arbeit dem chinesischen Künstler Ai Weiwei. Hier in Berlin ist dieser Leviathan nur noch ein elender, schlaffer Haufen.
Anish Kapoor, Künstler
"Der Staat zerfällt ja irgendwie, oder stirbt ab. Das ist doch die heutige Situation, die wir nicht nur in Europa, sondern überall auf der Welt beobachten können, dass die Idee der Nation zerbricht. Das hat mich interessiert: über den Tod von Leviathan als Staat nachzudenken, den Tod des Biestes."
Beunruhigend sind die Welten, die Anish Kapoor hier entfaltet: "Gethsemane" nennt er diese Wucherungen, in Erinnerung an den Garten, in dem Jesus Blut schwitzte, aus Angst vor seiner Kreuzigung. Solche Mythen inspirieren ihn, den Sohn eines indischen Vaters und einer irakisch-jüdischen Mutter. Kosmopolitisch und privilegiert ist er in Indien aufgewachsen, später hat er in einem Kibbuz gearbeitet, in London hat er später Kunst studiert.
Plötzlich jedoch schleicht sich ein aggressiver Ton ein. Blutrote Wachsbomben werden in die Ecke geschossen, Action-Painting in 3-D-Format. Gewaltig, bizarr, schön. Und irgendwie verrückt.
Anish Kapoor, Künstler
"Künstler sind Narren, nur mit diesen verrückten Spielchen, diesen dummen Dingen - das ist doch dumm, solch riesige Objekte zu machen, echt dumm - aber nur so entsteht manchmal etwas, nicht immer, aber vielleicht etwas Magisches."
Anish Kapoor: er verführt, er betört. Neuerdings jedoch verstört er auch.
Autorin: Petra Dorrmann


