Geschichte -
Für zehntausend Berliner ist die Kinderluftbrücke bis heute unvergesslich. Denn mit Hilfe amerikanischer Piloten durften Berliner Flüchtlingskinder Ferien vom Kalten Krieg machen. Jetzt ist darüber ein Buch erschienen.
Für die, die an jenem Augusttag in die Rosinenbomber klettern, war es der Beginn des wohl größten Abenteuers ihres Lebens: Zum ersten Mal fliegen, zum ersten Mal Urlaub - und dann auch noch ganz alleine.
Harry Heyer jedenfalls hat bis heute nicht vergessen, wie er - gerade acht Jahre alt - zum ersten Mal ein Flugzeug bestieg, und zu einer amerikanischen Gastfamilie in die Pfalz aufbrach.
Harry Heyer
"Ich kann mich nur erinnern, dass ich sehr aufgeregt war. Wir waren ja eine ganze Gruppe, alle redeten durcheinander. Rotkreuzschwestern haben uns dann zum Flugzeug begleitet, und drinnen war es ja wie in einer Militärmaschine, es gab ein paar Bänke, da haben wir uns hingesetzt. Es war einfach alles sehr aufregend."
Fünf Sommer lang starten hunderte der eigentlich schon ausrangierten amerikanischen Rosinenbomber Richtung Westdeutschland. Es ist auch ein Schaukampf des Kalten Krieges: Man will auf die Not einer Stadt hinweisen, in die jedes Jahr hunderttausende Flüchtlinge aus der DDR kommen. Zumindest für einige bedürftige Kinder gibt es nun "Ferien vom Kalten Krieg".
Bernd von Kostka, Buchautor
"Kinder aus Krisengebieten zu verschicken - diese Idee ist ja nicht neu, das ist bei der Kinderlandverschickung passiert, das ist auch während der Blockade passiert, auch da wurden Kinder ausgeflogen. Aber hier war die Kinderluftbrücke das 'visuelle Highlight' der Verschickung. Also, man wollte jedermann zeigen, wie schlecht es Berlin ging, und das war die Grundidee dieser Kinderluftbrücke, dass man sagen wollte, wir müssen etwas Spektakuläres machen in Berlin, damit wir diese Not visualisieren."
Mit Aktionen wie der Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" wird Geld gesammelt. Familien können sich beim Rundfunk als Gasteltern bewerben. Und das Rote Kreuz wählt die Kinder aus, die fliegen dürfen. Kinder wie Harry Heyer - erst kurz zuvor war er mit seiner Familie aus Güstrow nach Westberlin geflüchtet. Nun bringt ihn ein Flugzeug nach Ramstein in die Pfalz: Er darf sogar ins Cockpit, bekommt Kaugummis von den Piloten geschenkt. Auf dem Militärflughafen von Ramstein trifft er schließlich seine Gastgeber: Den amerikanischen Seargeant Carroll und seine Familie.
Harry Heyer
"Natürlich war das erstmal ein bisschen seltsam für mich, weil die konnten kein Deutsch, nur ein paar Brocken, sie waren erst seit einem Jahr dort. Und ich konnte kein Englisch, ich war gerade erst acht, das war ja nicht möglich gewesen. Da waren schon ein paar Verständnisschwierigkeiten. Aber Sie wissen ja, Kindern macht das überhaupt nichts. Ich kann mich genau daran erinnern, dass wir uns bestens verstanden haben."
Fünf Wochen lebt er bei den Carrolls, der Seargeant hat sich extra Urlaub genommen. Harry kriegt einen Meckihaarschnitt und wird neu eingekleidet, inklusive Lederhose. Für Heimweh bleibt keine Zeit. In seinen Briefen schwärmt er von den Bergen und Ausflügen mit dem Auto. Es sind Ferien in einer heilen Welt. Der Kontakt zu den Carrolls bleibt, auch als er längst wieder in Berlin ist.
Harry Heyer
"Sie sind ja dann nach Amerika zurück und haben auch von dort immer Weihnachtskarten geschickt, und einmal haben sie mir zum Geburtstag einen ganz tollen Pistolengurt zum Cowboyspielen geschenkt, aus schwarzem Leder, mit Silberbeschlägen und roten Rubinen, silberne Colts mit Elfenbeingriff. Natürlich alles Plastik, aber ich war dann immer der King, mit diesem Pistolengurt, immer der Sheriff."
Die Kinderluftbrücke ermöglicht ein paar sorglose Wochen voller Spaß und Abenteuer. In einem der Ferienlager der US-Army stehen sogar Rhein-Fahrten mit Original-Landungsbooten auf dem Programm. Was die Außenwirkung angeht, ist die Luftbrücke ein voller Erfolg. Und trotzdem ist nach fünf Jahren Schluss.
Bernd von Kostka, Buchautor
"Es wurde dann doch sehr teuer. Man redet hinterher von doch schon 300.000 Mark, um 2.000 Kindern für fünf Wochen in den Urlaub zu fliegen. Und das war schon eine sehr große Summe, die man dann anderweitig ausgeben wollte und vielleicht auch musste."
Am 15. August 1957 landen die letzten Luftbrücken-Ferienflieger in Berlin. Auch sie hatten vermutlich viel zu erzählen - vielleicht sogar bis heute.
Autor: Tim Evers
Harry Heyer jedenfalls hat bis heute nicht vergessen, wie er - gerade acht Jahre alt - zum ersten Mal ein Flugzeug bestieg, und zu einer amerikanischen Gastfamilie in die Pfalz aufbrach.
Harry Heyer
"Ich kann mich nur erinnern, dass ich sehr aufgeregt war. Wir waren ja eine ganze Gruppe, alle redeten durcheinander. Rotkreuzschwestern haben uns dann zum Flugzeug begleitet, und drinnen war es ja wie in einer Militärmaschine, es gab ein paar Bänke, da haben wir uns hingesetzt. Es war einfach alles sehr aufregend."
Fünf Sommer lang starten hunderte der eigentlich schon ausrangierten amerikanischen Rosinenbomber Richtung Westdeutschland. Es ist auch ein Schaukampf des Kalten Krieges: Man will auf die Not einer Stadt hinweisen, in die jedes Jahr hunderttausende Flüchtlinge aus der DDR kommen. Zumindest für einige bedürftige Kinder gibt es nun "Ferien vom Kalten Krieg".
Bernd von Kostka, Buchautor
"Kinder aus Krisengebieten zu verschicken - diese Idee ist ja nicht neu, das ist bei der Kinderlandverschickung passiert, das ist auch während der Blockade passiert, auch da wurden Kinder ausgeflogen. Aber hier war die Kinderluftbrücke das 'visuelle Highlight' der Verschickung. Also, man wollte jedermann zeigen, wie schlecht es Berlin ging, und das war die Grundidee dieser Kinderluftbrücke, dass man sagen wollte, wir müssen etwas Spektakuläres machen in Berlin, damit wir diese Not visualisieren."
Mit Aktionen wie der Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" wird Geld gesammelt. Familien können sich beim Rundfunk als Gasteltern bewerben. Und das Rote Kreuz wählt die Kinder aus, die fliegen dürfen. Kinder wie Harry Heyer - erst kurz zuvor war er mit seiner Familie aus Güstrow nach Westberlin geflüchtet. Nun bringt ihn ein Flugzeug nach Ramstein in die Pfalz: Er darf sogar ins Cockpit, bekommt Kaugummis von den Piloten geschenkt. Auf dem Militärflughafen von Ramstein trifft er schließlich seine Gastgeber: Den amerikanischen Seargeant Carroll und seine Familie.
Harry Heyer
"Natürlich war das erstmal ein bisschen seltsam für mich, weil die konnten kein Deutsch, nur ein paar Brocken, sie waren erst seit einem Jahr dort. Und ich konnte kein Englisch, ich war gerade erst acht, das war ja nicht möglich gewesen. Da waren schon ein paar Verständnisschwierigkeiten. Aber Sie wissen ja, Kindern macht das überhaupt nichts. Ich kann mich genau daran erinnern, dass wir uns bestens verstanden haben."
Fünf Wochen lebt er bei den Carrolls, der Seargeant hat sich extra Urlaub genommen. Harry kriegt einen Meckihaarschnitt und wird neu eingekleidet, inklusive Lederhose. Für Heimweh bleibt keine Zeit. In seinen Briefen schwärmt er von den Bergen und Ausflügen mit dem Auto. Es sind Ferien in einer heilen Welt. Der Kontakt zu den Carrolls bleibt, auch als er längst wieder in Berlin ist.
Harry Heyer
"Sie sind ja dann nach Amerika zurück und haben auch von dort immer Weihnachtskarten geschickt, und einmal haben sie mir zum Geburtstag einen ganz tollen Pistolengurt zum Cowboyspielen geschenkt, aus schwarzem Leder, mit Silberbeschlägen und roten Rubinen, silberne Colts mit Elfenbeingriff. Natürlich alles Plastik, aber ich war dann immer der King, mit diesem Pistolengurt, immer der Sheriff."
Die Kinderluftbrücke ermöglicht ein paar sorglose Wochen voller Spaß und Abenteuer. In einem der Ferienlager der US-Army stehen sogar Rhein-Fahrten mit Original-Landungsbooten auf dem Programm. Was die Außenwirkung angeht, ist die Luftbrücke ein voller Erfolg. Und trotzdem ist nach fünf Jahren Schluss.
Bernd von Kostka, Buchautor
"Es wurde dann doch sehr teuer. Man redet hinterher von doch schon 300.000 Mark, um 2.000 Kindern für fünf Wochen in den Urlaub zu fliegen. Und das war schon eine sehr große Summe, die man dann anderweitig ausgeben wollte und vielleicht auch musste."
Am 15. August 1957 landen die letzten Luftbrücken-Ferienflieger in Berlin. Auch sie hatten vermutlich viel zu erzählen - vielleicht sogar bis heute.
Autor: Tim Evers


