Film "Vierzehn" (Quelle: Farbfilm Verleih)

Neuer Film - 'Vierzehn'

Vier Mädchen im Alter von 14 Jahren - und sie alle sind ungewollt schwanger geworden. Die Regisseurin Cornelia Grünberg begleitet in ihrem neuen Film die jungen Mütter auf ihrem Weg von der Schwangerschaft bis zum Muttersein.

Wir treffen Cornelia Grünberg im Schneideraum - und sind sofort angetan von dieser Frau: Ruhig arbeitet sie, konzentriert. Und ist doch immer wieder selbst berührt von dem Schicksal ihrer Heldinnen. Die Regisseurin hat für einen Dokumentarfilm vier Mädchen über Jahre begleitet.

Diese vier Mädchen haben mit 14 ein Kind bekommen. Da sind sie selbst noch Kinder. Sie alle haben sich gegen eine Abtreibung entschieden. Wie sie das meistern, erzählt uns der Film.

Cornelia Grünberg, Regisseurin
"Ich war natürlich erstaunt darüber, wie schnell sie wirklich erwachsen werden, das wir quasi zusehen konnten, wie sie erwachsen werden. Das war sehr faszinierend, auch dann im Schneideraum hatte ich auch dann immer das Gefühl, wir müssten eigentlich so ein Band unten laufen lassen: Die sind erst 14. Weil sie Sachen sagen und sich auch verhalten, das war so nicht alterstypisch. So wie wir denken mit 14 pubertierend und so. Das haben die quasi übersprungen."


Filmszene aus "Vierzehn"

Fabienne: "Ich habe verhütet, aber das Kondom ist gerissen. Und dann habe ich meinem Freund gesagt: Wegen ein Mal und so, ich werde bestimmt nicht schwanger. Das eine Mal."
Freundin von Lisa: "Ist immer besser mit Kondom. Oder die Pille nehmen."
Steffi: "Für mich erster Moment: Abtreiben."
Lisa: "Und der hat gar nix gesagt. Der hat so gesagt: Soll ich dir in den Bauch treten? Und dann hat er mich in den Bauch getreten. Und dann hat der mich immer geboxt."


Und dann kommen die Babies auf die Welt. Abruptes Ende einer Kindheit.

Die Kamera ist auch dabei, als Fabienne von einem besonders harten Schicksalsschlag getroffen wird: Drei Monate wird sie um das Leben ihres Kindes bangen.

Cornelia Grünberg, Regisseurin
"Dieser Schock und dieses, dass das Kind eine offene Bauchdecke hat und dass sie sich entscheiden muss, das zu bekommen oder eben nicht zu bekommen, das war schlimm einfach: Für sie und auch für uns. Dieses Gespräch dann auch mit ihr zu führen."


Schulalltag mit Baby. Die Regisseurin begleitet Lisa mit der Kamera.

Filmszene aus "Vierzehn"
Lisa: "Es war so anders, so ungewöhnlich. Und dann muss man sich da so rein finden, weil die Kinder auch alle so doof geworden sind. Die haben sich so verändert. Die unterhalten sich halt nicht mehr mit einem, die sind noch kindisch."


Die vier Mädchen sind inzwischen 18 - und junge Frauen. Als der Dokumentarfilm "Vierzehn" letztes Jahr erstmalig auf der Berlinale gezeigt wird, bekommen sie alle viel Applaus: Die Regisseurin für ihren Film, aber auch diese vier Frauen, für ihren Mut und ihre Kraft.

Cornelia Grünberg, Regisseurin
"Wir sind sehr eng zusammen gewachsen, weil es ja eine enge, intime Arbeit gewesen ist. Die haben ihre Seele quasi hingelegt und ich habe sie von Anfang an ernst genommen."


Sehr ergreifend zeigt der Film auch, wie die Beziehungen der jungen Frauen zu den Vätern ihrer Kinder allesamt zerbrechen. Die Jungs sind hoffnungslos überfordert mit der Situation. Die jungen Mütter leben nach wie vor - bei ihren Familien.

Filmszene aus "Vierzehn"
Lisa: "Ich fühle mich ein bisschen erwachsener. Aber noch nicht ganz. Ich weiß nicht, was noch fehlt, ich bin ja auch noch nicht erwachsen."


Cornelia Grünberg macht weiter. Zur Zeit schneidet sie "18": Ihre vier Heldinnen sind volljährig, kämpfen mit fehlenden Kita-Plätzen, Vorurteilen - all das. Cornelia Grünberg hat eine unglaubliche Nähe geschaffen. Und das ist die Kunst. Die ist ihr mehr als gelungen.


Autorin: Grit Lederer