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STILBRUCH
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Do 17.11.11 22:15

Porträt

Rocko Schamoni / Studio Braun

Studio Braun ist ein Hamburger Komiker-Trio, das für seinen Anarcho-Humor bekannt ist. Jetzt nehmen sich die drei am Deutschen Theater in Berlin den Charles Bronson-Film "Ein Mann sieht rot" vor.

Rocko Schamoni - nur eines von vielen Pseudonymen dieses Mannes, der mit seinen schrägen Maskeraden zur Kultfigur geworden ist. Jetzt ist er in Berlin. Zwanzig Jahre lang schlüpfte das Hamburger Multitalent in immer neue Rollen, vom Schlagerstar bis zum Schriftsteller. Nun zeigt er sich ungewohnt nachdenklich.

Rocko Schamoni, Musiker, Theatermacher, Autor
"Ich glaube, das ist meine natürliche Multischizophrenität. Ich bin mir selber nie genug gewesen. Und auch selber nie zufrieden gewesen mit dem, was ich bin. Ich bin im Gegenteil durchdrungen von Selbstzweifeln."

Selbstzweifel – einer wie er? Der als junger Spaßpunk begann und immer die Rampensau gab? Der Schalk im Nacken ist ihm geblieben – wie das alte Punker-Tattoo, das er sich einst selbst gestochen hat. Heute zweifelt er nicht nur an sich selbst, an der Bedeutung seines eigenen Tuns: Der ganze Kulturbetrieb kommt ihm aufgeblasen vor und nimmt sich viel zu wichtig.

Rocko Schamoni, Musiker, Theatermacher, Autor
"In Wahrheit ist das alles Unterhaltung. Die ganze Kunst, über die wir hier reden, und das Theater, wo ganz viele Leute sich unglaublich aufplustern, mit einer unglaublichen Eitelkeit und einem unglaublichen Ehrgeiz an Arbeiten, in den großen Häusern und bei den großen Ausstellungen in den großen Museen. Seien wir doch mal ernst: Es alles Unterhaltung. Mehr nicht."

Genau mit dieser Message ist Rocko Schamoni nach Berlin gekommen – und die inszeniert er nun mit seinen Kollegen von Studio Braun am Deutschen Theater. Als Vorlage dient der Filmklassiker "Ein Mann sieht rot". Wie kein anderer zeigt der Actionreißer mit Charles Bronson ein archaisches Verhaltensmuster: Ein Mann rächt seine Familie und wird zum Killer... Die Szene ist Teil eines ausgefuchsten Spiels im Spiel. Wir sehen auf der Bühne, wie der Charles-Bronson-Klassiker neu verfilmt wird. Hier heißt der Held "Coolhaze". Abgrundtief komisch: die Szenen von den Dreharbeiten. Der Zuschauer erlebt den Wahnsinn mit, den ein egozentrischer Regisseur am Filmset veranstaltet. Der eitle Filmdiktator macht seine Schauspieler genauso fertig wie der Actionheld seine wehrlosen Opfer.

Rocko Schamoni, Musiker, Theatermacher, Autor
"Darum geht es in diesem Stück: die Hierarchien, der Druck, der Stress, um aus Leuten etwas rauszukriegen. Der Vampyrismus von Regisseuren, um Leute ausbeuten zu können, wie die Ameise die Blattlaus, um an die Milch ranzukommen. Die Hüllen, die nach ein paar Jahren davon übrigbleiben, wenn Leute zerschrottet sind."

Freilich muss auch der Regisseur im Stück begreifen, dass er nur eine Marionette ist. Denn die Fäden halten Rocko Schamoni und seine Mitstreiter der Spaßgruppe Studio Braun in der Hand. Sie spielen selbst mit. Die dritte Ebene des Stücks. Rocko Schamoni und seinen Kollegen gelingt eine große Show. Intelligent entlarven sie das gnadenlose Film- und Theatergeschäft und schaffen damit einen Gegenentwurf. Denn tatsächlich: Rocko Schamoni glaubt, dass man mit Leuten auch anders arbeiten kann, als sie fertig zu machen.

Rocko Schamoni, Musiker, Theatermacher, Autor
"Ich glaube tatsächlich an die Idee – so banal oder gottschalkesk das kling – Menschen zu helfen, indem man sie aufbaut anstatt, dass man ihnen ihr Leben nimmt."

Ein Mann sieht die Dinge nachdenklicher. Gereift, aber genauso komisch, so ist Rocko Schamoni mit Studio Braun jetzt in Berlin zu sehen: immer noch Rampensau, aber mit Skepsis gegenüber dem ganzen Kulturgetue.

Autor: Norbert Kron

Dieser Text gibt den Sachstand vom 17.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Fahr zur Hölle, Ingo Sachs

Ein Actionmusical von Studio Braun (Rocko Schamoni, Heinz Strunk, Jacques Palminger)
Regie: Studio Braun

Deutsches Theater
Schumannstraße 13a
10117 Berlin-Mitte

Premiere :
18.11.2011, 19:30 Uhr

Weitere Aufführungen:
19.11.2011, 19:30 Uhr
26.11.2011, 20 Uhr
27.11.2011, 19 Uhr

Eintritt: 6-45 Euro

[deutschestheater.de]

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