Geschichte -
Im April 1943 verstärken die Alliierten ihre Luftangriffe auf Berlin - schnell liegt die Stadt zu großen Teilen in Trümmern. Der Historiker Laurenz Demps hat die Geschichte der Luftangriffe dokumentiert und zeigt, wie die Berliner mit der Zerstörung umgegangen sind.
Der Luftschutzraum eingerichtet wie ein Partykeller. An eine wirkliche Bedrohung aus der Luft glaubt im Sommer 1939 niemand. Nur ein Jahr später ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Die ersten Bomben fallen auf Berlin. Barbara Graff erlebt 1943 als kleines Mädchen den Verlust der Wohnung und die Stadt als Hölle.
Barbara Graff
"Und dann weiß ich nur noch, wie es gerumst hat und alle haben geschrien, raus, raus. Sind wir raus in die Schillerstraße und dann diese Haufen von Trümmern und so weiter, und ich werde natürlich fallen. Und wo falle ich rauf? Auf einen toten Soldaten. Habe ich geschrien, ja. Hat eine Frau mich hoch geholt und dann gucke ich nach oben, da hängt einer an der Laterne mit runter gezogenen Hosen. Na, also, als Kind, ja... na ja, und dann sind wir durch das brennende Berlin gelaufen. Ja, wohin?"
Der NS-Staat reagiert mit penibler Bürokratie. Nach jedem Angriff wird durchgezählt und protokolliert. Wie viele Gebäude stehen noch, wie viele Menschen sind tot, verwundet oder obdachlos, wer bekommt welche Hilfe.
Die Protokolle belegen, den Alliierten geht es weniger um die Vernichtung des Industriestandorts Berlin. Sie wollen vor allem den Feind im Vorfeld schlagen.
Laurenz Demps, Historiker
"Ein Teil dieser angloamerikanischen Strategie ist ja das 'Moral Bombing', also, die Menschen moralisch zu zermürben. Und man flog ja auch Scheinangriffe auf Berlin oder ließ die Bomber so fliegen, dass man meinen konnte, sie greifen Berlin an und sie haben dann einen ganz anderen Punkt angegriffen. Aber trotzdem ist in der Stadt Alarm ausgelöst worden."
389 Luftalarme gibt es bis zum 21. April 1945 in Berlin. Der Historiker Laurenz Demps hat die Berichte der Hauptluftschutzstelle über jeden einzelnen Angriff und seine Folgen gesichtet und in seinem Buch "Bombenangriffe auf Berlin" dokumentiert.
Laurenz Demps, Historiker
"Das Thema hat mich schon gefesselt, alldieweil ich die Nazizeit für den tiefsten Zerstörungsgrad der Berliner Geschichte halte und für notwendig erachte, dass die Dinge dokumentarisch aufgearbeitet werden, dass man sie nachvollziehen kann. Denn der Zeitzeuge ist eines Tages nicht mehr da, aber diese Dinge bleiben."
Laurenz Demps präsentiert ein einzigartiges Material, eine Topografie der Zerstörung Berlins. Nüchterne Berichte erzählen vom Grauen, das an einem Tag, wie dem 23. November 1943 um 19:26 Uhr beginnt. 300 feindliche Flugzeuge werfen 30.000 Bomben ab. Um 21:19 Uhr sind 13.000 Gebäude zerstört und 400.000 Menschen obdachlos.
Laurenz Demps, Historiker
"Man hoffte, dass so etwas passiert, wie im November 1918. Die Alliierten haben wohl nicht einschätzen können, in welchen organisatorischen und terroristischen Fesseln die deutsche Bevölkerung neben den demagogischen gewesen ist. Und sie hatten ja gehofft, dass dann irgendwo die Menschen, ich sage es mal Berlinisch, die Schnauze voll haben und dann Revolution machen. Aber das ist natürlich in einem Herrschaftssystem wie dem der Naziherrschaft unmöglich."
Das Gegenteil ist der Fall. Hilfe wird organisiert, neben Leberwurstbroten, Revueveranstaltungen für die Bombenopfer. Auch wenn die Berliner Witze über Hermann Göring reißen, ist da immer noch die Hoffnung, vielleicht holt er diese Bomber ja doch vom Himmel. Das Wunder bleibt aus und die Berliner erleben, wie über ihnen ihre Stadt abbrennt.
Barbara Graff
"Na ja, ein Trauma bleibt doch, nicht. Das kann man doch nicht wegwischen und sagen, es war ja nichts. Sonst würde man das ja nicht behalten. Man hat versucht, hat versucht, das weg zu drängen, aber ich konnte ja jahrelang, kann heute noch nicht, Gewitter oder hier, so Feuerwerk, wenn das so laut ist, habe ich keinen Sinn für."
Auch wenn es im Buch von Laurenz Demps nicht um einzelne Schicksale geht, hinter den Fakten und Zahlen verbergen sich private Geschichten. Die von Eltern und Großeltern. Aus den Berichten auf der beigelegten CD erfährt man vom Schicksal des Hauses, in dem sie lebten, um wieviel Uhr die Sirene zu heulen begann, wie lange sie im Keller saßen und was sie sahen, als sie wieder hochkamen - eine Trümmerlandschaft, 29,5 Quadratkilometer groß.
Autorin: Gabriele Denecke
Barbara Graff
"Und dann weiß ich nur noch, wie es gerumst hat und alle haben geschrien, raus, raus. Sind wir raus in die Schillerstraße und dann diese Haufen von Trümmern und so weiter, und ich werde natürlich fallen. Und wo falle ich rauf? Auf einen toten Soldaten. Habe ich geschrien, ja. Hat eine Frau mich hoch geholt und dann gucke ich nach oben, da hängt einer an der Laterne mit runter gezogenen Hosen. Na, also, als Kind, ja... na ja, und dann sind wir durch das brennende Berlin gelaufen. Ja, wohin?"
Der NS-Staat reagiert mit penibler Bürokratie. Nach jedem Angriff wird durchgezählt und protokolliert. Wie viele Gebäude stehen noch, wie viele Menschen sind tot, verwundet oder obdachlos, wer bekommt welche Hilfe.
Die Protokolle belegen, den Alliierten geht es weniger um die Vernichtung des Industriestandorts Berlin. Sie wollen vor allem den Feind im Vorfeld schlagen.
Laurenz Demps, Historiker
"Ein Teil dieser angloamerikanischen Strategie ist ja das 'Moral Bombing', also, die Menschen moralisch zu zermürben. Und man flog ja auch Scheinangriffe auf Berlin oder ließ die Bomber so fliegen, dass man meinen konnte, sie greifen Berlin an und sie haben dann einen ganz anderen Punkt angegriffen. Aber trotzdem ist in der Stadt Alarm ausgelöst worden."
389 Luftalarme gibt es bis zum 21. April 1945 in Berlin. Der Historiker Laurenz Demps hat die Berichte der Hauptluftschutzstelle über jeden einzelnen Angriff und seine Folgen gesichtet und in seinem Buch "Bombenangriffe auf Berlin" dokumentiert.
Laurenz Demps, Historiker
"Das Thema hat mich schon gefesselt, alldieweil ich die Nazizeit für den tiefsten Zerstörungsgrad der Berliner Geschichte halte und für notwendig erachte, dass die Dinge dokumentarisch aufgearbeitet werden, dass man sie nachvollziehen kann. Denn der Zeitzeuge ist eines Tages nicht mehr da, aber diese Dinge bleiben."
Laurenz Demps präsentiert ein einzigartiges Material, eine Topografie der Zerstörung Berlins. Nüchterne Berichte erzählen vom Grauen, das an einem Tag, wie dem 23. November 1943 um 19:26 Uhr beginnt. 300 feindliche Flugzeuge werfen 30.000 Bomben ab. Um 21:19 Uhr sind 13.000 Gebäude zerstört und 400.000 Menschen obdachlos.
Laurenz Demps, Historiker
"Man hoffte, dass so etwas passiert, wie im November 1918. Die Alliierten haben wohl nicht einschätzen können, in welchen organisatorischen und terroristischen Fesseln die deutsche Bevölkerung neben den demagogischen gewesen ist. Und sie hatten ja gehofft, dass dann irgendwo die Menschen, ich sage es mal Berlinisch, die Schnauze voll haben und dann Revolution machen. Aber das ist natürlich in einem Herrschaftssystem wie dem der Naziherrschaft unmöglich."
Das Gegenteil ist der Fall. Hilfe wird organisiert, neben Leberwurstbroten, Revueveranstaltungen für die Bombenopfer. Auch wenn die Berliner Witze über Hermann Göring reißen, ist da immer noch die Hoffnung, vielleicht holt er diese Bomber ja doch vom Himmel. Das Wunder bleibt aus und die Berliner erleben, wie über ihnen ihre Stadt abbrennt.
Barbara Graff
"Na ja, ein Trauma bleibt doch, nicht. Das kann man doch nicht wegwischen und sagen, es war ja nichts. Sonst würde man das ja nicht behalten. Man hat versucht, hat versucht, das weg zu drängen, aber ich konnte ja jahrelang, kann heute noch nicht, Gewitter oder hier, so Feuerwerk, wenn das so laut ist, habe ich keinen Sinn für."
Auch wenn es im Buch von Laurenz Demps nicht um einzelne Schicksale geht, hinter den Fakten und Zahlen verbergen sich private Geschichten. Die von Eltern und Großeltern. Aus den Berichten auf der beigelegten CD erfährt man vom Schicksal des Hauses, in dem sie lebten, um wieviel Uhr die Sirene zu heulen begann, wie lange sie im Keller saßen und was sie sahen, als sie wieder hochkamen - eine Trümmerlandschaft, 29,5 Quadratkilometer groß.
Autorin: Gabriele Denecke


