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"Die Unsichtbare" ist der neue Kinofilm vom Berliner Regisseur Christian Schwochow. Wie bei seinem Erstling "Novemberkind" hat Schwochow das Drehbuch zusammen mit seiner Mutter Heide geschrieben - ein ungewöhnliches Team.
Einfach mal gemeinsam durch die Straßen schlendern, sich treiben lassen, das machen sie eigentlich nur für unsere Kamera. Wenn Christian Schwochow und seine Mutter Heide sich treffen, dann ist das Ziel meistens klar. Schreiben, redigieren, verwerfen – ein Drehbuch fertig stellen.
Heide und Christian Schwochow, Drehbuchautorenteam
"Meistens sehen wir uns beruflich, das ist eine Gefahr. Und wenn wir mit unserer Familie zusammen sind, die ist ja nicht so groß, da müssen wir schon auch mal aufpassen, dass wir über andere dinge reden als unsere Projekte, die wir gemeinsam haben.“
Drei Jahre lang haben sie am Drehbuch von "Die Unsichtbare" gearbeitet. Sie erzählen von Fine, die studiert Schauspiel und bekommt ihre erste Hauptrolle bei einem Kultregisseur - und der verlangt von ihr, alles zu geben.
Filmszene "Die Unsichtbare"
"Camille geht bis zum Äußersten, die schneidet sich die Arme auf, die vögelt sich zu Tode. Tust Du Dir manchmal weh?"
"Ich soll also alles durchmachen, was Camille durchmacht?"
Gedreht an Berliner Theatern, ist "Die Unsichtbare" der mittlerweile dritte Film von Mutter und Sohn.
Christian Schwochow
"Was ich manchmal schätze - nicht böse sein - dass sie weniger weiß. Dass ihr Filmkonventionen ziemlich egal sind, das ärgert mich oft, weil ich denke: Oh Mutter, dass muss doch jetzt klar sein, aber es kommt dadurch viel häufiger was Geniales."
Sie schreiben gemeinsam, Regie führt Christian Schwochow alleine.
Heide Schwochow
"Ich hätte das niemand anders in die Hand geben mögen, weil ich wusste, dass wir dort eine Vision haben, die wir uns erarbeitet haben und ich hab ein Urvertrauen in das, was er macht."
Schon einmal hatten sie einen großen Erfolg: "Novemberkind". In dem Film erzählen sie von einer jungen Frau, die von ihrer Mutter in der DDR zurückgelassen wird. Sie selbst haben in der DDR gelebt, und so ist der Film für sie auch eine Reise in ihre eigene Vergangenheit geworden. Die Idee zu diesem Buch entstand an einem Familienwochenende in Thüringen.
Christian Schwochow
"Ich merkte einfach, dass ich da viel mehr mit Heide über Dinge rede, die mich beim Film beschäftigen, weil wir eine ähnliche Sicht auf Dinge haben, einen ähnlichen Humor haben, ähnlichen Geschmack. Und wenn nicht, dann können wir darüber reden."
Heide Schwochow
"Wir haben in der Familie immer viel über Theater, über Filme geredet. Und ich fand das wunderbar, als er angefangen hat zu studieren, da an der Filmakademie, weil ich das Gefühl hatte, ich lerne das jetzt mit."
Heide Schwochow hat schon vieles gemacht in ihrem Leben, zuletzt hat sie Radio-Hörspiele geschrieben. Mit über 50 Jahren hat sie sich auf den Film eingelassen - mit all seinen Höhen und Tiefen.
"Die Unsichtbare" ist keine leichte Geschichte: Die schüchterne Fine will ihrer Rolle so nah wie möglich kommen und treibt sich immer weiter an die eigenen Grenzen.
Filmszene "Die Unsichtbare"
"Ganz allein? Sex ist für mich wie Kuchenessen, ich esse und esse und kann nicht genug davon bekommen."
Ein Film, der lange gebraucht hat, bis er geboren wurde. Wochenlang haben sich Mutter und Sohn im Arbeitszimmer eingeschlossen.
Christian Schwochow
"Heide sitzt am Computer, ich lauf drum herum oder sitzt auf der Erde und man redet und diktiert sich gegenseitig, dann ist aber auch mal Ruhe, wenn einer schreibt und der andere blättert in einem Buch oder denkt nach oder skizziert was."
Heide Schwochow
"Oder ich spring auf und sag, jetzt musst du mal, ich kann nicht weiter.
Christian Schwochow
"Dann geh ich einkaufen und koch was zu essen, um zwei Stunden Luft zu gewinnen, um was Neues auszudenken."
Es ist ein außerordentlich intensiver Film entstanden: Schicht um Schicht entblößt sich Fine, verausgabt sich - um endlich nicht mehr unsichtbar zu sein. Ein Film, dem man das Ringen und die Ernsthaftigkeit seiner Autoren anmerkt. Beeindruckend.
Autorin: Anna Bilger
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_19_01/christian_und_heide.html