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STILBRUCH
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Portrait

Kraftklub

Ihr bisher größter Hit heißt "Ich will nicht nach Berlin". Trotzdem kommen die Jungs von Kraftklub oft in die Hauptstadt und bringen ihre Musik mitsamt wunderbar ironischen Texten mit. Jetzt erscheint ihr Debütalbum "Mit K".

Dem Song zum Trotz – die Band Kraftklub ist wieder einmal in Berlin. Die Fünf verbinden mit Berlin eine Hassliebe. Zwar leben die meisten ihrer Freunde mittlerweile in der Hauptstadt, aber der Berlin-Hype, dieses Größer, Besser, Schneller geht den Chemnitzern auf die Nerven.

Felix Brummer, Sänger

"Wenn man in so einer kleinen Stadt lebt wie Chemnitz, dann ist viel schneller so, wenn du so ein Aufschneider bist oder so jemand, der gern viel erzählt von Sachen, die noch nicht so richtig stehen, dann fliegst du damit irgendwann auf die Schnauze, dass du halt einfach ausgelacht wirst. Und hier schien es plötzlich so total normal zu sein, dass jeder von irgendwelchen ungelegten Eiern spricht, das war für uns ganz ungewohnt.“


Stattdessen spielen Kraftklub in ihren Songs mit den Klischees, die einem so einfallen, wenn man Chemnitz hört. Liebevoll ironisch demonstrieren sie Heimatverbundenheit.

Till Brummer, Bassist

"Wenn wir früher im Urlaub waren, haben die Wessikinder uns immer abgestempelt, weil wir die Ossis waren. Dadurch entwickelt sich eine Trotzhaltung, dass man eben gerade nicht nach Berlin zieht, sondern sagt, wir bleiben da, wo wir sind, wir fühlen uns da wohl. Drauf geschissen."

Die Anfang-Zwanzigjährigen gehen selbstbewusst mit ihren Ansichten um. Auch das erklären sie mit ihrer Herkunft: Während Jugendliche im Westen überlegen, welchen Pulli sie sich kaufen, entscheiden Gleichaltrige aus Chemnitz, ob sie rechts oder links sein wollen.

Felix Brummer
"Es ist relativ früh klar in der Kindheit, für was man sich entscheidet und da muss man sich auch entscheiden in Ostdeutschland, bewusst, dass man halt rechts oder links ist. Und wir haben diese Entscheidung getroffen, da waren wir acht, neun, zehn, elf Jahre alt, da waren wir halt links, halt kein Nazi."


Sie singen vom Gefühl der Haltlosigkeit, der Suche nach Orientierung – ohne erhobenen Zeigefinger, einfach weil sie selbst erleben, wovon ihre Songs handeln.

Ihre Musik nehmen sie ernst – sich selbst zum Glück noch nicht. Die Fünf spielen mit ihrem Image, erfinden sich schon mal eine Geschichte, wie zum Beispiel die über ihre Gründung: Sie wollen sich im Fitnessstudio kennen gelernt haben. Oder bei der Bundeswehr.

Felix Brummer
"Trotz aller Banalität, dass wir nur Popmusik machen, sind wir ja auch Künstler. Ich weiß gar nicht, wer das gesagt hat, aber das fand ich sehr schön: 'Der beste Ort zum Lügen ist in der Presse und in den Medien.' Und unsere wahre Entstehungsgeschichte ist einfach so langweilig, dass wir die einfach nicht erzählen wollen."


Egal, woher sie sich nun kennen – Kraftklub wissen, wie man von sich Reden macht. Bei ihnen ist Vieles noch wahre Haltung, manches nur bloße Pose - aber vor allem spielen sie gute Musik.


Autorin: Katharina Wenzel

Dieser Text gibt den Sachstand vom 19.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Kraftklub

Debütalbum: "Mit K"
Label: Vertigo Berlin
VÖ: 20.01.2012

[Kraftklub]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_19_01/kraftklub.html

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