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rbbonline | Archiv

Mit seinen 29 Jahren spielt er schon alle großen Rollen, von Shakespeare über Schiller bis Kleist. Nach der Ernst-Busch-Schauspiel-Schule kommt Ole Lagerpusch sofort an die großen Theater. Jetzt spielt er in Sartres "Die schmutzigen Hände" am Deutschen Theater.
Er ist ein Senkrechtstarter, einer der spannendsten jungen Schauspieler der Stadt - aber keiner erkennt ihn. Noch nicht. Ole Lagerpusch wohnt in Charlottenburg, bewusst jenseits der Szeneviertel. Denn er arbeitet in Mitte, am Deutschen Theater. Sein Lieblingsort, das ist dort, wo ihn normalerweise kein Zuschauer sieht, im Keller. Spätestens hier erreicht sie ihn: die Angst, die ihn vor jedem Auftritt packt.
Ole Lagerpusch, Schauspieler
"Wir sind jetzt hier in den Katakomben des Deutschen Theaters, wir sind direkt unter der Bühne, ist alles sehr geduckt hier. Ich mag diesen Ort, weil er absolut still ist. Da oben kann Radau sein, so viel es will, und hier unten hört man keinen Ton. Und das ist immer so ein schöner Gang. Man kommt so ein bisschen an."
Der richtige Ort für eine Kostprobe: "Hugo" aus Sartres Stück "Die Schmutzigen Hände" ist seine nächste Rolle: Er spielt einen Idealisten, der für seine politische Überzeugung den opportunistischen Parteichef töten soll.
Ole Lagerpusch
"Vielleicht wird man eines Tages merken, dass ich keine Angst vor Blut habe."
Politischer Mord - oder: Wie konsequent lebt man seine Ideale? Darum geht es in diesem Stück von 1946.
Seine Texte lernt Ole Lagerpusch am liebsten im Schwarzen Café in der Kantstrasse, Zeit sich mit seinen Zielen - als Schauspieler - zu befassen.
Ole Lagerpusch
"Ich würde aber nie irgendwas ausschließen. Wenn ich jetzt sage, ich würde im Leben keine Serie drehen - das könnte ich jetzt für mich nicht ausschließen, aber ich mag im Theater: man muss bar zahlen. Man hat nur diese eine Möglichkeit."
Ole Lagerpusch ist ein Tänzer auf der Bühne. Und wie er "zahlt" - mit vollem Körpereinsatz. Aus dem Intellektuellen Hugo macht er einen Getriebenen, ein Bürgersöhnchen, das partout seiner Vergangenheit entfliehen will. Geplagt von nervösen Ticks...
Ole Lagerpusch
"...und ein bisschen verklemmt. Ich hab am Anfang auch gedacht: Ist das nicht zu verklemmt? Weil der ist ja auch verheiratet und hat auch eine Affäre - also ich mein, die Frauen müssen das ja auch irgendwie gut finden. Ich dachte dann teilweise: ist das nicht ein bisschen zu… Die Kolleginnen haben dann aber gesagt, das gibt es auch, dass man dann sich da in so vermeintlich kleine Jungs verguckt – im Sinne von: die haben so was Kindliches."
Im richtigen Moment kann Hugo nicht töten. Später tut er es doch, aber es bleibt unklar, ob aus politischer Überzeugung oder Eifersucht.
Sein Leben gehört der Bühne, sagt Ole Lagerpusch. Für Hobbies, Sport oder Natur bleibt wenig Zeit. Seit fünfeinhalb Jahre ist das jetzt so. Abends, nach der Probe sitzt ihm die Arbeit in den Knochen und doch beflügelt ihn das Adrenalin.
Ole Lagerpusch
"Ich will nicht, daß es mir leicht von der Hand geht. Das ist sicher in Momenten mal schön, wenn man denkt, jetzt flirrts, jetzt fliegt's. Aber irgendwie möchte ich nicht, dass mir was leicht von der Hand geht."
Man muss ihm zuhören, zusehen. Ole Lagerpusch: ein großes Talent.
Autorin: Petra Dorrmann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_19_01/ole_lagerpusch_am.html