Porträt -
Die Schauspielerin und Sängerin Anna Fischer ist eher eine zarte, zierliche Frau – dafür ist ihre Klappe umso größer. Und sie kann rotzfrech Berlinern, dass es sich gewaschen hat.
Du wirst immer in die "Ecke Berliner Göre" gedrängt, willst du da nicht mal raus kommen?
Anna Fischer, Schauspielerin
"Ja, stinkt mir sehr hier, aber ick meine: Ist ja dit, was die Leute draus machen, wa?!"
Also lassen wir das jetzt mal gut sein - mit Göre, Wildfang und so.
Aber sie bleibt sich treu. Anna Fischer ist gerade sehr gefragt – zehn Jahre Filmbusiness und sie hat sich kaum verändert, nur ihre Haltung ist heute etwas schärfer konturiert.
Anna Fischer, Schauspielerin
"Ich hab lieber Leute, die mir sagen: ich find dich Scheiße, als Leute, die sagen: Ich find dich so toll, aber eigentlich haben sie gar keinen Bock drauf. Also, nee – ich mag einfach Leute mit einer Haltung. Ich mag halt einfach Leute, die sagen, ich sag dir jetzt dies und dies. Ich kann es nicht leiden, wenn ich warte auf irgend ne Antwort oder so und die Leute einfach nix sagen."
Vor acht Jahren ließ sie tatsächlich viele sprachlos zurück: "Liebeskind" – dieser Film war für sie als 17-jährige der Durchbruch. Hier spielte Anna einen Teenager, der sich in den eigenen – lange abwesenden Vater – verliebte. Ein großartiges und kontroverses Inzestdrama.
Später gab es "Goldene Kameras" und sie wirkte noch so ungeschützt bei all den Preisen.
(und jeder fragte sich sich: Wer ist das Mädchen mit der Mireille-Mathieu-Frisur?)
Gottschalk: "... die sie für ihre lauten und leisen Rollen gekonnt einsetzt"
Anna Fischer, Schauspielerin
"Da es mich ja nach vorne katapultiert hat und ne relativ große Öffentlichkeit das gesehen hat und von daher ist es schon wichtig, ähm, aber ja – bringt aber auch einen Druck mit sich."
In ihrem aktuellen Film "Die Lebenden" spielt sie eine Studentin, die tief in die eigene Familiengeschichte eindringt und unerwartete Geheimnisse zu Tage fördert. Sita besucht eigentlich nur ihren Großvater zu seinem 95. Geburtstag.
Szene im Film: "Wie alt war ich da?" / "Wie, das weißt du nicht mehr? Zum Sechsten hab ich dir das Schachbrett geschenkt!"
Schließlich findet Sita heraus, dass ihr geliebter Opa bei der Waffen-SS war, sie will mehr erfahren und wird zunehmend aus der Bahn geworfen.
Anna Fischer, Schauspielerin
"Ich glaube nicht, dass jede Familie eine Happy Family ist, das geht einfach nicht. Man hat halt nur eine, du kannst dir nicht aussuchen, welche du hast, sondern du hast halt nur diese eine Familie."
Anna Fischer kommt aus keiner Schauspieler-Dynastie, sondern aus einfachen Verhältnissen. Sie wuchs in der Platte in Hohenschönhausen auf.
Anna Fischer, Schauspielerin
"Ich bin sehr stolz darauf Berlinerin zu sein, nur man findet nicht mehr so viele Ur-Berliner, die hier aufgewachsen sind und hier geboren worden sind, also man muss ein bisschen suchen, bis man einen richtigen Berliner findet."
Musikvideo "Panda"
"Panda" heißt ihre Band. Anna Fischer singt hier konsequent auf berlinerisch. Mit Musik ging bei ihr auch alles los, eine Kinder-Girlgroup, ein Musical... - vor allem zog es sie schon immer auf die Bühne, jetzt fährt sie zweigleisig.
Anna Fischer, Schauspielerin, Sängerin
"Ich kann halt nicht, ich kann nicht die ganze Zeit Musik machen und ich kann auch nicht die ganze Zeit schauspielern, bei Beidem krieg ich irgendwann die Macke, deswegen finde ich den Ausgleich ganz gut."
Die Figur der Sita, die, die Nazi-Verstrickung ihrer eigenen Familie recherchiert und aufarbeitet ist eine ungewöhnlich ernste Rolle, jenseits alter Schnoddrigkeit. Anna hat das sehr bewegt. Es ist die autobiographische Familiengeschichte der Regisseurin Barbara Albert.
Szene im Film: "Du bist da geboren. Du bist in Auschwitz geboren, das musst du doch wissen." / "Nein, Nein, das stimmt nicht. Ich bin auf der Flucht geboren, auf der Flucht, was bohrst du in meinem Leben herum, willst du über uns richten. Du hast ja keine Ahnung."
Der Film "Die Lebenden" ist voller Abgründe, schwierig und nicht immer gelungen, aber Anna Fischer begibt sich voll rein. Sie hat eine Präsenz und Lebendigkeit, die sie hoffentlich nie ablegt.
Autor: Sascha Hilpert


