Musik - Depeche Mode

Am 9. Juni präsentiert die britische Band "Depeche Mode" ihr neues Album "Delta Machine" – im Berliner Olympiastadion. Ihre glühendsten Anhänger hatten Depeche Mode einst in der DDR, wo sie vor 25 Jahren tatsächlich auftraten, für ein einziges legendäres Konzert – auf Einladung der FDJ.

Depeche Mode 2013. Perfekt inszenierter Pop für Jung und Alt. In den 80ern war das anders: Im Westen erschrecken Kids ihre Eltern mit der Mode der Briten. Im Osten passt ihr düsterer Sound zum grauen Alltag der DDR Jugend.

Dennis Burmeister aus Malchin und Sascha Lange aus Leipzig sind Depeche Mode Fans der ersten Stunde. Ende der 80er sind beide noch Schüler, als sie erfahren, dass Depeche Mode nach Ost-Berlin kommen sollen. Eine Einladung der FDJ. Am 7. März 1988 ist es soweit. Über Beziehungen ergattert Sascha Lange eine Eintrittskarte.

Sascha Lange, Depeche Mode Fan und Autor
"Es lag eine unglaubliche Spannung in der Luft. Ich erinnere, ich kam ja aus Leipzig mit dem Zug und traf irgendwo in Berlin auf dem S-Bahnsteig noch zwei Depeche Mode - Fans, die ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte, aber wir erkannten uns sofort an unseren Klamotten und den Frisuren und grüßten uns und sagten gleich: Bis heute Abend."

Ausnahmezustand vor der Werner Seelenbinderhalle. Die Polizei bildet Sicherheitskordons und Zugangsschleusen für 6000 freudentrunkene Teenies. Die FDJ hatte die Karten an Schüler in der ganzen DDR verteilt, trotzdem werden auf dem Schwarzmarkt Tickets zu Wucherpreisen - bis zum dreifachen eines Lehrlingslohns gehandelt. Manch einer gibt sein Moped für eine Karte.

Sascha Lange, Depeche Mode Fan und Autor
"Erst als dann das Intro einsetzte, dann das Licht im Saal ausginge, und das damals das bei der Tour bekannte Intro Pimp einsetzte, da war dann eigentlich den Leuten im Saal klar, hier findet ja wirklich ein Depeche Mode Konzert statt, weil 6000 Leute erst einmal verarbeiten mussten, jetzt geht nichts mehr schief, jetzt sehe ich wirklich Depeche Mode."

Noch kurz vorher galt die extravagante Band als verdächtig, die Stasi behielt die Fans im Auge. Jetzt will die FDJ mit dem gewagten Konzert ein Stück verlorengegangenes Terrain zurück holen.

Sascha Lange, Depeche Mode Fan und Autor
"Das Konzert war ja eigentlich, offiziell als FDJ - Geburtstagskonzert deklariert, aber FDJler habe ich dort kaum gesehen. Es waren wohl welche da, aber es war nicht so, dass die Halle voller Blauhemden war, sondern die Halle war voller Depeche Mode Fans, die schwarz gekleidet waren und die Frisuren hatten, wie Depeche Mode Fans eben damals rum liefen."

Die Depeche Mode Fans in der DDR leben für ihre Musik, aber Platten und Fanartikel sind kaum zu bekommen. Trotzdem sind die Wände der Kinderzimmer zugepflastert mit Postern

Sascha Lange, Depeche Mode Fan und Autor
"Depeche Mode Fan zu sein hieß, viele Sehnsüchte haben. Es war damals unglaublich wichtig Poster der Band zu haben. Das ging meistens über Bravo-Poster. Die Bravo war ja in der DDR eine verbotene Zeitschrift, das heißt die musste in die DDR geschmuggelt werden, das bedeutete man hatte seiner Großmutter gesagt, wenn Du auf Besuch kamst, bring mir doch eine Bravo mit."

Gerade mit dem ungewöhnlichen Styling demonstrieren die Fans ihr Anderssein. Lange Haare und laute Westmusik hatten die DDR-Behörden zähneknirschend hingenommen. Nun standen sie voller Unverständnis vor diesen "Gruftengängern", wie es im Polizistenamtsdeutsch hieß. 

Sascha Lange, Depeche Mode Fan und Autor
"Das wie ein Zeitpunkt in der DDR, wo eigentlich die Kontrollinstanzen, also was die Staatssicherheit anging, oder die Lehrmeister in den Betrieben oder die Schuldirektoren, de Facto vor dem Einfluss der westlichen Popmusik schon kapituliert hatten. Also es war für die DDR nicht mehr möglich, diesen unstillbaren Hunger der DDR Jugend, es ging ja nicht nur um Depeche Mode, sondern auch um andere Popbands, den irgendwie einzudämmen."

Dennis Burmeister ist Depeche Mode immer treu geblieben. Der Grafikdesigner hat mit den Jahren die weltgrößte Sammlung an Depeche Mode Devotionalien angehäuft. Gemeinsam mit Sascha Lange hat er jetzt ein Buch über das Phänomen Depeche Mode und über die Fankultur in West und Ost geschrieben. Mit hunderten Fotos, Interviews mit Weggefährten oder skurrilen Stasidokumenten erzählen sie die Geschichte der Band hintergründig und mit viel Witz.


04:14 - 04:30 OT Lange
"Wir wollten mit dem Buch schon den Zeitgeist der jeweiligen Epochen wiedergeben. Ich denke, dass Depeche Mode heute immer noch so populär und erfolgreich sind. Dass hat zum einen damit zu tun, dass sie - obwohl die Superstars sind - sie trotzdem aber nie Musik für die Massen machen."


04:30 -04:40
"Depeche Mode - Monument" ist die spannende Zeitreise zweier Ostdeutscher durch mehr als 3 Jahrzehnte Musikgeschichte.

04:38 - 04:47
Und wenn Anfang Juni ihre Helden wieder in Berlin auftreten, werden Sascha Lange und Dennis Burmeister wieder ganz vorn mit dabei sein.


Autor: Hans Sparschuh Länge: 4.47
Kamera: Wolfgang Lindig Schnitt: Detlef Keilholz