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Regisseur David Wnendt hat jahrelang in der Neonaziszene recherchiert und festgestellt, dass rechte Tendenzen weit in alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen sind. Jetzt erzählt er uns mit seinem Film "Kriegerin" die beklemmende Geschichte einer jungen rechtsradikalen Frau.
Marisa, ein Mädchen irgendwo in Ostdeutschland. Nazibraut und Kämpferin, immer im Krieg mit der Welt um sich herum. Sie und ihre Clique sind sich einig: Deutschland den Deutschen. Ausländer und alle, die ihr dumm kommen, prügelt Marisa einfach weg.
David Wnendt studiert an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg. Er hat für den Film "Kriegerin" das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Zwei Jahre hat er recherchiert und sich immer wieder mit Frauen aus der rechtsextremen Szene in Berlin und Brandenburg getroffen.
David Falco Wnendt, Regisseur
"Wenn man rechte Ideologie ernst nimmt bleibt für frau ja nur der Platz am Herd oder Mutter. Gleichzeitig sind die Frauen, die ich getroffen habe, sehr aktiv, die 'ne aktive Rolle übernommen wollen, die politisch aktiv gestalten wollen, teilweise Frauen, die aktiv selber gewalttätig sind. Und trotzdem glauben sie an 'ne Ideologie die 'nen ganz anderen Platz für sie vorsieht. Und das heißt: Die inneren Widersprüche, die es zuhauf gibt, fand ich besonders spannend bei den Frauen."
Marisa ist die "Kriegerin": Eine, die sich mit Härte polstert gegen die eigene Verletzlichkeit.
Filmausschnitt
"Glaubst du ich wäre eine gute Mutter? - "Bestimmt, es gibt ja nicht viel was Du gut machst."
Ganz bewusst hat sich David Wnendt entschieden, einen Spielfilm über junge Nazis zu drehen.
David Falco Wnendt , Regisseur
"Ich hab das Gefühl gehabt, dass ich noch näher an die Figuren rankomme, dass ich es einmal attraktiver machen kann für Jugendliche, weil es eben auch dramaturgisch verdichtet ist. Ich kann noch näher an die Figuren rankommen und ich kann Szenen aus den Familien zeigen. Die basieren auf Recherche, trotzdem verdichtet, und wir können da mit dabei sein, mit am Esstisch sitzen mit der Mutter, mit dabei sein bei den Gesprächen."
Und so zeigt der Film eindringlich und ohne Klischees wie es zugeht im rechten Milieu – und welche Verführungskraft von ihm ausgeht. Die 15jährige Svenja landet auf ihrer ersten Neonazi-Party.
Filmausschnitt
"Nichts als Worte- ich will Taten."
Es sind gerade diese Szenen, die erschreckend aktuell sind.
David Falco Wnendt, Regisseur
"Die wollen ja einen Systemwechsel und wollen das System stürzen und das bedeutet halt auch einen Sturz mit gewalt und immer wieder hört man “Taten statt Worte“ und „Es muss sich was ändern“. Natürlich ist die Hemmschwelle jetzt wirklich in den Untergrund zu gehen und Morde zu begehen sehr hoch, trotzdem fordern das viele ein."
Immer wieder hat David Wnent bei der Recherche erfahren: Nazi werden viele, weil es die anderen schon sind. Und sich daraus zu lösen, ist ein schmerzhafter Prozess.
Bei Marisa beginnt dieser Prozess, als sie immer wieder dem afghanischen Flüchtling Rasul begegnet. Während Marisas Weltbild wankt, rutscht Svenja immer weiter ab. Das Tatoo mit der 88, dem Code für Heil Hitler, prangt schon auf ihrer Leiste. Wie sie sind, die modernen Nazis – das will der Regisseur mit seinem Film zeigen. Es ist ihm beängstigend gut gelungen.
Filmausschnitt
"Das ist 'ne politische Aussage und da kann man nicht jung genug sein… du bist dumm und genau der Grund warum unser Land zu Grunde geht."
Autorin: Anna Bilger
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_24_11/die_kriegerin.html