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Im Kühlhaus öffnet das neue Kulturhaus am Gleisdreieck heute seine Türen - auch wenn es auf vielen Etagen in diesem alten Industriebau noch ziemlich nach Baustelle aussieht. Und überhaupt gibt es an diesem Wochenende viel junge Kunst in alten Gemäuern.
Schon lange wird im ehemaligen Kühlhaus am Gleisdreieck kein Champagner mehr gelagert, wie noch vor 30 Jahren. Seit einigen Monaten herrscht wieder Hochbetrieb. Die Kulturszene erobert das Gebäude und verwandelt es in einen Ort der Kunst. Wir dürfen einen Blick hineinwerfen - noch vor der offiziellen Eröffnung - und geraten mitten in die heiße Phase der Vorbereitungen. Überall bohren und klopfen Handwerker. Es herrscht kreatives Chaos. Das Herzstück des neuen Kühlhauses ist eine Art Atrium. Über drei Etagen wurden die Decken entfernt, so dass ein großzügiger Raum für Tanz, Theater und Musik geschaffen wurde. Cornelia Albrecht, die die Idee zum Kühlhaus hatte, führt uns durch den Rohbau.
Birgit Wolske, Reporterin
"Was hat Sie an diesem Gebäude, an diesem Kühlhausfasziniert ?"
Cornelia Albrecht, Kuratorin
"Dieses Gebäude hat eine tolle Geschichte, eine enorme Historie. Es ist gebaut 1899 als erstes Kühlhaus, erstes Berliner Industriekühlhaus. Hier lagerte von Champagner über Kaviar bis hin zur Schweinehälfte alles, was der Mensch so gerne isst. Jetzt endlich nach 30 Jahren soll es in ein Kunsthaus umgewandelt werden. Und das ist eine tolle Sache, aus so einem Rohdiamanten etwas zu machen, wo die Künste blühen können."
Offiziell wird das Kühlhaus erst im nächsten Jahr eröffnet. Aber einen ersten Vorgeschmack auf das, was kommt, gibt es schon jetzt. Eine Ausstellung mit Kunst aus Polen. Aber wird die Idee eines neuen Kulturzentrums aufgehen?
Cornelia Albrecht, Kuratorin
"Weshalb braucht Berlin jetzt noch ein Kühlhaus? Kunst und Kultur kann Berlin gar nicht genug haben. Jeder, der hier etwas anfängt, alle Kreativen, machen das auf ihre Weise und wir werden unseren Weg finden. Wir werden es anders machen und komplementär zu dem, was schon existiert."
Während in den unteren Etagen aufgebaut wird, sehen wir uns weiter um. Denn insgesamt hat das Haus sieben Etagen.
Cornelia Albrecht, Kuratorin
"Hier oben im Dachgeschoss gibt es dann die große Eventlounge und einen 360 Grad- Blick über Berlin. Hier müssen natürlich noch die Mauern weg und hier geht es dann zum Gleisdreieck. Das wird eine ganz schöne Aussicht."
Wir verlassen das Kühlhaus. Per Luftlinie ist es nicht weit zum nächsten Ausstellungsort, der Alten Münze am Molkenmarkt. Hinter der barocken Außenfassade versteckt sich ein schlichtes Industriegebäude, in dem die VEB Münze Berlin Geld herstellte. Inzwischen sind die alten Hallen beliebte Eventlocation für die Club- und Kulturszene. An diesem Wochenende zieht die JungArt ein, eine Ausstellung, die vor allem unbekannten Künstlern aus Deutschland ein Forum bieten will.
Birgit Wolske, Reporterin
"Ist das jetzt Ihre erste Ausstellung?"
Carolin Weinkopf, Fotografin
"Das ist nicht die erste Ausstellung, aber die erste in einer richtig großen Galerie und kommerziell. Alles andere war nur in ganz kleinem Rahmen."
Birgit Wolske, Reporterin
"Und wie ist das für Sie, ihre Arbeit hier präsentieren zu dürfen?"
Carolin Weinkopf, Fotografin
"Toll. Ich bin auch ganz froh über diesen Platz hier und hoffe, dass es viele Leute sehen werden."
Aus 800 Bewerbern wählte eine Jury 66 Nachwuchstalente aus. Die Idee dazu hatte der Künstler Markus Schaller.
Markus Schaller, JungArt Berlin
"Wir wollten eine ganz lebendige Ausstellung machen, keine White Cube-Ausstellung, wo die Kunstwerke wie im Museum präsentiert werden, sondern wir wollen versuchen, die Leute zum Austausch anzuregen."
Bis Samstag gibt es neben der Ausstellung auch Vorträge und Filme. Abends verwandelt sich dann die Alte Münze in einen Club.
Autorin: Birgit Wolske
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_24_11/junge_kunst.html