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Der junge Dirigent Yoel Gamzou brennt für Gustav Mahler. Mit 22 schreibt er Mahlers 10. Sinfonie zu Ende. Jetzt bringt Yoel Gamzou diese Unvollendete in seiner Fassung in die Berliner Philharmonie.
Yoel Gamzou hat ziemlich viel um die Ohren im Moment. Er ist mit seinem Orchester auf Tournee. Den ganzen Tag waren sie im Bus unterwegs, eine CD wird eingespielt, Interviews, dann stehen noch mehr Konzerte an. Ganz schön viel Stress für einen, dem das 21. Jahrhundert an sich schon anstrengend genug ist.
Yoel Gamzou, Dirigent
"Mein größter Traum ist es einfach immer gewesen, 100 Jahre oder 150 Jahre früher geboren worden zu sein. Es ist einfach immer mein größtes Problem. Ich habe mich nie richtig in meiner Generation empfunden."
Yoel Gamzou ist sieben, als er in Tel Aviv zum ersten Mal die Musik von Gustav Mahler hört. Die Begeisterung für den österreichischen Komponisten ist seitdem immer weiter gewachsen. Seine zehnte Symphonie kann Mahler nicht zu Ende komponieren. Mit 15 beginnt Gamzou, sie zu vollenden. Erst in New York, dann in London, seit 3 Jahren in Berlin. Jetzt, mit 24, hat er es geschafft.
Yoel Gamzou, Dirigent
"Es war mir einfach sofort klar, wie diese Musik einfach klingen sollte. Es ging überhaupt nicht darum, das ich meine Idee da irgendwie durchgesetzt habe. Irgendwie sind die Töne vom Papier ausgesprungen. Und ich wusste, O.K., das ist einfach klar, dass es so sein soll."
Nun präsentiert Gamzou seine Version mit seinem Orchester, das er mit 19 Jahren gegründet hat. Dem Internationalen Mahler-Orchester.
Mit vielen Musikern ist er befreundet. Und so sitzen in Gamzous Berliner Wohnzimmer gestern Abend auch einige seiner Orchestermitglieder, um für ein Kammerkonzert zu proben. Seine Musiker spielen für geringe Gage mit - dafür finden sie hier statt Orchesterroutine begeisterte Mitstreiter und flache Hierarchien.
Yoel Gamzou, Dirigent
"Bei uns im Orchester, was ganz wichtig ist, sind wir alle gleich bezahlt. Alle. Vom letzten Pult zweite Geige bis zum Dirigenten. Wir haben gleiches Stimmrecht, wir treffen alle Entscheidungen gemeinsam. Genauso ist es mit der Kammermusik auch. Wir machen, was sie haben wollen. Ich versuche einfach, dass sie einen Moment ohne Dirigent haben, das ist auch sehr wichtig."
Die Kammermusikprobe ist gerade vorbei, da steigt gestern abend in Gamzous WG-Küche die Orchesterparty. Und man fängt an zu verstehen, warum sie alle dabei sind, beim Mahler Orchester. Irgendwo zwischen Tourneestress und Tischtennis stellt sich dann die Frage, was eigentlich nach Mahlers Zehnter noch kommt.
Yoel Gamzou, Dirigent
"Jetzt ist die Partitur auch fertig, das Orchester hat's geprobt, wir nehmen es morgen auf. Ich hab keine Ahnung, wie es weitergeht. Ich hab wirklich keine Ahnung."
Seine Leidenschaft wird ihn weitertreiben. Die hat er im Übermaß. Als er das letzte Mal auf der Bühne seinen ersten Geiger umarmt hat, ist dabei ein Geigenbogen zu Bruch gegangen.
Autor: Steffen Prell
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_24_11/yoel_gamzou.html