Neues Buch -
Susanne Jung hat als Bestatterin viele Familien begleitet und gemerkt, wie wichtig es ist, sich von den Toten zu verabschieden. Sie plädiert für einen anderen Umgang mit dem Tod. Darüber hat sie jetzt ein kluges und tröstliches Buch geschrieben.
Was der Tod ist und wie wertvoll das Leben - davon kann Susanne Jung erzählen. Sie ist Mitte 40 als sie Bestatterin wird, weil sie vor dem Tod nicht mehr davon laufen will.
Susanne Jung ist gerade mal 19 Jahre alt, als ihre Mutter an Krebs stirbt. Niemand in ihrer Familie spricht über den Tod, selbst der Vater verschweigt, wie schwer krank die Mutter ist.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Wäre ich besser vorbereitet gewesen und hätte man mich darauf aufmerksam gemacht: Schau mal, es geht ihr schlecht, sie wird das nicht überleben, dann hätte ich gefühlsmäßig und auch geistig diesen Gedanken zulassen können. Das konnte ich aber nicht, und in dem Moment hat mein ganzes System zugemacht: Das will ich nicht, dass ist nicht wahr, das glaube ich nicht. Und das ist ja letztendlich Schock."
Der Tod begegnet ihr noch oft. Ihre Stiefmutter stirbt, ihre Großmutter, schließlich ihr Bruder. Sie lenkt sich ab, arbeitet als Vergolderin, reist jahrelang um die Welt - lebt so intensiv sie kann. Bis sie versteht, dass der Tod zu ihrem Leben gehört.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Ich habe das immer beschrieben als Panzerglasscheibe, und dahinter kann man leben. Das ist kein Problem, aber es ist nicht das wirkliche Leben, es stimmt was nicht mit dem Gefühl, das heißt mein Herz ist nicht in Leben gekommen. Alles, was ich getan habe, war zwar aufregend und adrenalinlastig, das heißt mein Herz hat nicht gelebt."
Mittlerweile gehört der Tod zu ihrem Alltag. Nach einem Nervenzusammenbruch fängt sie an, sich intensiv damit zu beschäftigen, wird erst Sterbegleiterin, dann Bestatterin. Eine, die sich als Begleiterin der Hinterbliebenen versteht. Sie organisiert nicht nur die Formalitäten, sie will jedem den Abschied ermöglichen, den er braucht.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Wenn ein Mensch gestorben ist, dann empfinden die Angehörigen oft eine sehr große Hilflosigkeit. Aus dieser Hilfslosigkeit komme ich in der Regel raus, in dem ich etwas tue, und zwar die sogenannten letzten Liebesdienste für den oder die Verstorbene."
Ein letztes Mal fürsorglich sein: Den toten Körper waschen, gemeinsam einkleiden, eine Totenmaske abnehmen - und so den Tod "begreifen".
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Das ist die Maske eines Kindes, die ich abgenommen habe. Gerade für die Eltern ist eine solche Maske eines still oder frühgeborenen Kindes sehr wichtig, denn die Mutter hat lange auf ihr Kind gewartet, dann kommt das Kind und sie hat eigentlich keine Zeit es in Ruhe anzuschauen. Und die Masken, weil sie dreidimensional sind, haben sie eine ganz andere Ausstrahlung als ein Foto."
Susanne Jung führt uns auf den Alten St. Matthäus-Kirchhof, zu einem Ort, den es erst seit einigen Jahren gibt. Hier bestattet sie Babys, die tot zur Welt gekommen sind oder kurz nach der Geburt sterben. Denen, die jemanden verloren haben, will sie zur Seite stehen, ihnen dabei helfen, sich mit dem Tod zu versöhnen. Darüber hat sie jetzt ein Buch geschrieben, über ihre Arbeit, die so schmerzhaft und doch so bereichernd sein kann.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Wenn man durch so einen Prozess geht, so wie ich arbeite, dann gibt es viele Momente ganz inniger Verbundenheit, das ist wirklich eine Herzensarbeit. Hört sich vielleicht altmodisch an, aber das Herz zu öffnen und zu sagen: ich begleite dich, ich nehme dich an die Hand in dieser schweren Zeit."
Der Tod, schreibt Susanne Jung, ist ein schrecklicher Arbeitgeber, doch sie weiß, bei den Tränen wohnt auch das Lachen.
Autorin: Anna Bilger
Susanne Jung ist gerade mal 19 Jahre alt, als ihre Mutter an Krebs stirbt. Niemand in ihrer Familie spricht über den Tod, selbst der Vater verschweigt, wie schwer krank die Mutter ist.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Wäre ich besser vorbereitet gewesen und hätte man mich darauf aufmerksam gemacht: Schau mal, es geht ihr schlecht, sie wird das nicht überleben, dann hätte ich gefühlsmäßig und auch geistig diesen Gedanken zulassen können. Das konnte ich aber nicht, und in dem Moment hat mein ganzes System zugemacht: Das will ich nicht, dass ist nicht wahr, das glaube ich nicht. Und das ist ja letztendlich Schock."
Der Tod begegnet ihr noch oft. Ihre Stiefmutter stirbt, ihre Großmutter, schließlich ihr Bruder. Sie lenkt sich ab, arbeitet als Vergolderin, reist jahrelang um die Welt - lebt so intensiv sie kann. Bis sie versteht, dass der Tod zu ihrem Leben gehört.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Ich habe das immer beschrieben als Panzerglasscheibe, und dahinter kann man leben. Das ist kein Problem, aber es ist nicht das wirkliche Leben, es stimmt was nicht mit dem Gefühl, das heißt mein Herz ist nicht in Leben gekommen. Alles, was ich getan habe, war zwar aufregend und adrenalinlastig, das heißt mein Herz hat nicht gelebt."
Mittlerweile gehört der Tod zu ihrem Alltag. Nach einem Nervenzusammenbruch fängt sie an, sich intensiv damit zu beschäftigen, wird erst Sterbegleiterin, dann Bestatterin. Eine, die sich als Begleiterin der Hinterbliebenen versteht. Sie organisiert nicht nur die Formalitäten, sie will jedem den Abschied ermöglichen, den er braucht.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Wenn ein Mensch gestorben ist, dann empfinden die Angehörigen oft eine sehr große Hilflosigkeit. Aus dieser Hilfslosigkeit komme ich in der Regel raus, in dem ich etwas tue, und zwar die sogenannten letzten Liebesdienste für den oder die Verstorbene."
Ein letztes Mal fürsorglich sein: Den toten Körper waschen, gemeinsam einkleiden, eine Totenmaske abnehmen - und so den Tod "begreifen".
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Das ist die Maske eines Kindes, die ich abgenommen habe. Gerade für die Eltern ist eine solche Maske eines still oder frühgeborenen Kindes sehr wichtig, denn die Mutter hat lange auf ihr Kind gewartet, dann kommt das Kind und sie hat eigentlich keine Zeit es in Ruhe anzuschauen. Und die Masken, weil sie dreidimensional sind, haben sie eine ganz andere Ausstrahlung als ein Foto."
Susanne Jung führt uns auf den Alten St. Matthäus-Kirchhof, zu einem Ort, den es erst seit einigen Jahren gibt. Hier bestattet sie Babys, die tot zur Welt gekommen sind oder kurz nach der Geburt sterben. Denen, die jemanden verloren haben, will sie zur Seite stehen, ihnen dabei helfen, sich mit dem Tod zu versöhnen. Darüber hat sie jetzt ein Buch geschrieben, über ihre Arbeit, die so schmerzhaft und doch so bereichernd sein kann.
Susanne Jung, Bestatterin und Autorin
"Wenn man durch so einen Prozess geht, so wie ich arbeite, dann gibt es viele Momente ganz inniger Verbundenheit, das ist wirklich eine Herzensarbeit. Hört sich vielleicht altmodisch an, aber das Herz zu öffnen und zu sagen: ich begleite dich, ich nehme dich an die Hand in dieser schweren Zeit."
Der Tod, schreibt Susanne Jung, ist ein schrecklicher Arbeitgeber, doch sie weiß, bei den Tränen wohnt auch das Lachen.
Autorin: Anna Bilger


