Eine Leiter lehnt an einer weißen Wand mit Galerie-Bildern (Quelle: rbb)

Gallery Weekend Berlin - Neues Kunstareal in Berlin-Lichtenberg

Die Haubrok-Kunststiftung hat im Berliner Stadtteil Lichtenberg einen 18.000 Quadratmeter großen Gewerbehof erworben und will ihn zu einem neuen Ort für Gegenwartskunst verwandeln - und nimmt am Gallery Weekend 2013 teil.

Barbara und Axel Haubrok sind Menschen, die gerne etwas bewegen. Als sie das Industriegelände in Lichtenberg zum ersten Mal sehen, wissen sie sofort: das ist der Ort, nach dem sie gesucht haben.  

Axel Haubrok, Kunstsammler
"Sie konnten sich schon vorstellen, dass ist ein guter Platz, wo Sie ihre Kunst zeigen können. Es geht nicht nur um die Kunst. Wir wollen hier keinen reinen Ausstellungsbetrieb machen. Sondern wir wollen Projekte machen, versuchen, dass hier ein paar Künstler hinkommen. Die Gewerke, die Handwerker, die im Augenblick hier sind, sollen nach Möglichkeit hier bleiben. Das soll eine vernünftige Mischung sein."


Sie haben viel vor, auf diesem Gelände, das noch ein bisschen verschlafen wirkt. Um die 50 Handwerksbetriebe, Schreiner, Lackierer oder KFZ-Mechaniker arbeiten hier heute. In den 30er Jahren wurde Schnaps gebrannt, zu DDR-Zeiten war es ein Hochsicherheitstrakt.
 
Axel und Barbara Haubrok, Kunstsammler
"Das ist der Bereich Verkehr des ZK der SED gewesen und der war hauptsächlich dazu da, um Westlern, die in die DDR kommen, die DDR zu zeigen. Also gab es hier jede Menge Autos, Westautos, keine Ladas oder Trabis, mit denen wurden die Westler standesgemäß durch die DDR kutschiert."

Die Fahrbereitschaft war von der Außenwelt abgeschirmt. Wer hier arbeitete, durfte nichts darüber erzählen. Spuren von damals sind noch sichtbar, ob im ehemaligen Speisesaal oder der Küche.

Axel Haubrok, Kunstsammler
"Weiß man, wie viele Leute hier gearbeitet haben?"
"Das müssen viele gewesen sein. Wußten die wahrscheinlich auch selbst nicht. Weil keiner voneinander wusste, hat man auch keinen Überblick."


Manche Räume sehen noch so aus, als ob die Genossen gerade erst ausgezogen wären. Eine Bar für das Bierchen am Feierabend gab es genauso wie eine Kegelbahn.

In einer alten Lagerhalle zeigen Axel und Barbara Haubrok Kunst aus ihrer eigenen Sammlung. 

Axel und Barbara Haubrok, Kunstsammler
"Normalerweise ist es mehr Konzeptkunst, jetzt ist es mehr Malerei. Aber das sind Arbeiten, die wir sehr lieben seit langer Zeit auch. Eigentlich die Anfänge der Sammlung. Wir finden es gut, dass diese benutzten, abgeschrabbelten Bilder mit den Wänden eine Symbiose eingehen, dass man gar nicht mehr weiß: Ist das Kunst oder kann das weg?"


Selbstbewusst ist der Anspruch der beiden Sammler: Den Charme des Unfertigen wollen sie erhalten, nur nach Bedarf modernisieren. Und auf keinen Fall ein schickes Kunst-Ghetto daraus machen.

In den ehemaligen Busdepots und Werkstätten wollen die Haubroks bezahlbare Ateliers schaffen. Eine der größten Hallen ist schon seit längerem an Handwerker vermietet, die Möbel bauen oder für Künstler arbeiten. Diese Mischung aus Kunst und Handwerk soll die Atmosphäre prägen.

Barbara Haubrok, Kunstsammlerin

"Wir wollen den Raum schaffen und wollen kreativ sein und bleiben. Aber wir wollen nichts Chices machen. Wir wollen keinen Trend setzen. Wir wollen nicht hip sein, das ist uns alles zutiefst zuwider."


Zum Gallery Weekend ist das Gelände erstmals geöffnet. Die ehemalige Fahrbereitschaft - ein ungewöhnlicher Ort für die Kunst.  


Autorin: Birgit Wolske