schwarz weiß Bild von J. F. Kennedy (Quelle: rbb)

Geschichte - Kennedy in Berlin - Die Deutschlandreise 1963

"Ich bin ein Berliner" - mit diesem Satz hat John F. Kennedy vor 50 Jahren Geschichte geschrieben. Der Fotograf Ulrich Mack hat Kennedys Deutschlandbesuch damals begleitet. In Berlin wird an den legendären Besuch des amerikanischen Präsidenten erinnert.

John F. Kennedy. Er war Held, Hoffnungsträger, politischer Überflieger, Womanizer - der erste Popstar unter Amerikas Politikern. Sein Berlin-Besuch 1963 grub sich tief in die Herzen der Menschen ein, ja, er machte ihn für viele Deutsche geradezu unsterblich.

John F. Kennedy (1963)
"Ich bin ein Berliner."

Ulrich Mack gehörte damals zu den priviligierten Fotografen, die losgeschickt wurden, um den Glamour des Staatsbesuchs einzufangen. Er arbeitet für die Quick, damals die meist gelesene Illustrierte in Deutschland. Er hat Kennedy drei Tage lang begleitet- seine Fotos wurden Legende.

Ulrich Mack, Fotograf
"Es waren ja Unmengen von Fotografen unterwegs. Es waren 30 Fernsehteams, die holten sich jeder ihren Standpunkt, aber ich wollte anders sein, auffallen, meine Bilder sollten anders sein, sie sollten besser als alle anderen sein. Und deswegen habe ich mir vorher überlegt, dass ich mit meinen sechs Leicas, die ich hatte, eins zwei drei übereinander und eine am linken Arm und eine am rechten Arm, hatte ich feste Brennweiten und konnte immer zwischen den einzelnen Sichtweiten wechseln."


Trotz scharfer Sicherheitskontrollen und Millionen von Menschen schafft es Ulrich Mack Kennedy ganz nahe zu kommen. Sein sensibler Blick auf die Inszenierung der Poliker. Bilder, die für sich selbst sprechen.

Ulrich Mack, Fotograf
"Ich war wie besoffen, ich mochte den, er war wie ein Heilsbringer, ein Erlöser. Endlich ist er da. Das hat mich so was von begeistert, ich habe ihn gemocht."

Das war nicht immer so. Als im August 1961 mit dem Bau der Mauer begonnen wurde, unternahm Kennedy, der mächtigste Mann der Welt, nichts. Seinen engsten Beratern hat er gesagt: "Better a wall as a war.“ In der Berliner Bevölkerung herrschte Wut und Verbitterung. Berlin fühlte sich verlassen und die Zeitungen titelten ihre Enttäuschung mit bösen Schlagzeilen.

Alan Posener, Kennedy-Biograph
"Natürlich waren die Westberliner und die deutschen Politiker unglaublich sauer auf Kennedy nach 1961  nach dem Mauerbau. Er hatte im Grunde genommen die Kommunisten in Ostberlin und Moskau eingeladen, die Mauer zu bauen, indem er gesagt hat, solange unsere Rechte in Westberlin nicht angetastet werden, könnt ihr in Ostberlin machen was ihr wollt - und das war gegen das Viermächteabkommen. Und besonders Willy Brandt, der damals Bürgermeister von Westberlin war und die Bild-Zeitung, die hinter ihm stand, die waren natürlich in Rage, sie fühlten sich verraten zusammen mit der Bevölkerung . Was war also zwischen 1961 und 1963 passiert? Meines Erachtens war es die Raketenkrise um Kuba."


Die Kuba-Krise war die große Herausforderung für Kennedy. Die Drohung Chruschtschows gegen Westberlin folgte. Kennedy aber brachte die Sowjetunion zum Einlenken - ein Wendepunkt auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges.

Dann, am 25. Juni besuchte Kennedy endlich Berlin. Nun war er da und die Berliner waren aus dem Häuschen. Zwei Millionen Menschen wollten ihm nahe sein, jubelnd, winkend, Fähnchen schwingend. Kennedy, sonst eher kühl, hatte so etwas noch nie erlebt. Man spürte: er war tief berührt, so einen Empfang hatte er nicht erwartet.

Alan Posener, Kennedy-Biograph
"Es war einfach das Gefühl, hier ist etwas anderes, was jenseits des Kalten Krieges und dieser fürchterlichen Konfrontation ist. Hier bricht irgendetwas auf in politischer und kultureller Hinsicht. Und ich glaube, es war eine Riesenerleichterung, die sich da Bahn gemacht hat. Amerika steht doch zu uns, deshalb war er da und repräsentiert etwas, was über den Kalten Krieg hinausgeht."

Kennedy und Berlin. Auch nach 50 Jahren können wir nicht genug Bilder von ihm sehen - nicht oft genug seine berühmten Satz hören.


Autorin: Yvonne von Kalinowsky