50x Kunst - André Schmitz über die Prinzessinnengruppe

In dem Buch "Das gefällt mir!" stellen mehr als 100 Prominente ihre liebsten Orte und Kunstwerke in Berlin und Brandenburg vor. Für Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz ist das die Prinzessinnengruppe.

Fast lässig begrüßen Preußens Prinzessinnen, Luise und Friederike, die Besucher der Alten Nationalgalerie. In schwesterlicher Umarmung stehen sie da, keine herrschaftliche Pose.

Kulturstaatssekretär André Schmitz hat uns seinen freien Tag geopfert, um uns zu dem Meisterwerk zu führen, das ihm gefällt.

André Schmitz, Kulturstaatssekretär
"Für Berlin und Brandenburg ist es natürlich eine Ikone des preußischen Klassizismus, des Frühklassizismus. Der Bildhauer Johann Gottfried Schadow, der uns auch die Quadriga auf dem Brandenburger Tor geschenkt hat, ist Schöpfer dieses wirklich wunderbaren Kunstwerks. Ich finde, es besticht einfach durch seine Anmut. Diese beiden jungen Mädchen, 17 und 15 Jahre alt, in diesen Gewändern, die aussehen, als seien sie tatsächlich aus Seide, als sei es wirklich Stoff, und es ist doch weißer Marmor. Einfach bildschön.“


Seine Begeisterung ist ansteckend: Einer Kindergartengruppe bietet er sich spontan als Museumsführer an - und erklärt die Sache mit dem Halstuch. Was eigentlich nur dazu gedacht war eine hässliche Schwellung an Luises Hals zu verdecken, wurde bald Mode in Preußen. 1797 wurden die Marmorprinzessinnen das erste Mal öffentlich präsentiert.

André Schmitz, Kulturstaatssekretär
"Sie steht für ein anderes Preußen, das es genauso gab, wie das militärische. Es war auch der Staat der Aufklärung. Wir sehen hier, obwohl es sich um zwei Prinzessinnen handelt, eine Leichtigkeit, eine Bürgerlichkeit, die für die Zeit der Aufklärung steht, für die große Zeit um 1800."


Nur einem gefiel die Skulptur gar nicht: dem Mann von Luise, Friedrich Wilhelm III. Sein Vater, der Lebemann König Friedrich Wilhelm II., hatte die Skulptur in Auftrag gegeben. Doch kurz danach starb er, Sein Sohn wurde König - die Prinzessinnengruppe landete in der Versenkung.

André Schmitz, Kulturstaatssekretär
"Der Sohn übernahm ein schweres Erbe und wollte mit dem Liederleben seines Vaters aufräumen und sah diese Figur, mittlerweile war Friederike Witwe, war in der Witwenschaft schwanger, ohne einen Mann zu haben. Also, da konnte der König nur sagen 'mir fatal und mehr als 90 in einer Kammer'."


Erst nach 90 Jahren wurde sie aus Kisten und dunklen Ecken hervorgeholt: Es ist ein Glück, dass die Prinzessinnengruppe nicht ganz verschollen ist und heute so strahlend dasteht, als wäre nichts gewesen.


Autorin: Vanessa Loewel

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Buch-Cover "Das gefällt mir!" Quelle: rbb/ Edition Braus

50 x Kunst - Das gefällt mir!

Über 100 Prominente hat der rbb nach ihrem Lieblingsobjekt in Berlin und Brandenburg befragt. Das Ergebnis ist eine Top 50-Liste, die keinen Kanon darstellt, sondern den Entdeckergeist weckt und Lust macht auf die Neuerkundung von Bekanntem und die Begegnung mit Unbekanntem.