Neuer Film -
Wie wird man ein guter Deutscher? In dem man Müll trennt? Immer pünktlich ist? Die Regisseurin Britt Beyer hat für ihren Dokumentarfilm Teilnehmer eines Integrationskurses in einer Berliner Volkshochschule begleitet und zeigt, wie schwierig es ist, Deutscher zu werden.
Es gibt Filme, die uns das Staunen lehren. Britt Beyer zeigt unseren deutschen Alltagsdschungel aus ganz anderer, "fremder" Perspektive: plötzlich sehen wir überall Nummern, nehmen all die Verbote wahr und sehen die Normen neu. Eine Art Feldforschung hat sie mit ihrem Dokumentarfilm betrieben: an der Volkshochschule in einem Integrationskurs:
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Man darf nicht wegwerfen seine Dokumente, man muss alle offiziellen Briefe lesen, man muss sauber machen, nach seine Hund machen."
Monatelang hat Britt Beyer beobachtet, was in diesen Integrationskursen trainiert wird. "Ausländer" lernen die Sprache und wie man so richtig deutsch wird.
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Lehrsatz 3 für Integrationskurse: Ich arbeite viel und komme immer sehr spät nach Hause. Und wenn am Abend ein guter Krimi im Fernsehen kommt, bin ich glücklich."
Britt Beyer, Regisseurin
"Das Selbstbild der Deutschen, was vermittelt wird in diesen Kursen ist, glaube ich, schon ein sehr altes und eher konservatives Bild. Also, wir sind ordentlich, wir sind fleißig, wir sind pünktlich und das ist auch gut so. Zum anderen versucht Deutschland aber auch, sich als modernes und tolerantes Land darzustellen."
Ganz nebenbei erfahren wir in diesem FIlm mehr über uns, als uns lieb ist.
Britt Beyer, Regisseurin
"Also, da kann man nur mit Selbstironie reingehen, das ist einfach zu jenseitig, als dass man das ernst nehmen könnte. Also, für mich war das so."
Für die Kursteilnehmer hingegen ist es eine ernste Sache: sie wollen Deutsch lernen. Und helfen sich mit Ratschlägen.
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Man muss entschuldigen und akzeptieren deutsche Humor. Lachen."
"Was bedeutet deutsche Humor?“
Egal was kommt: Sie sind tapfere Schüler, denn mit dem Abschluss erhoffen sie sich ein besseres Leben. Sie wollen hier studieren, für manche stehen die Sozialleistungen oder der Aufenthalt auf dem Spiel. Kritik an den latenten Botschaften ihres Lehrstoffes können sie sich nicht leisten.
Britt Beyer, Regisseurin
"In den Lehrbüchern steht oft, wie wir als Deutsche sind, und da ist auch immer diese Note drin, das ist besser. Das ist sozusagen das extrem Fragwürdige."
Shipon aus Bangladesh lässt sich davon nicht abschrecken. Er ist verheiratet mit Tina, aber die Behörden glauben ihnen nicht, dass sie aus Liebe geheiratet haben. Ihm droht die Abschiebung. Der Film zeigt, wie sehr sich Shipon anpasst und auf das Leben in Deutschland einlässt.
Britt Beyer, Regisseurin
"Diese Aufforderung, so zu werden, wie die Deutschen, die existiert mit starkem Imperativ, aber sie funktioniert trotzdem nicht. Nehmen wir das Beispiel von Shipons im Film: Er hat das beste Prüfungsergebnis, hat eine Arbeit, er will sich integrieren, er will einen Realschulabschluss machen, und dann steht er vor der Ausländerbehörde und sie lassen ihn nicht rein."
Sie warten auf seine Aufenthaltsgenehmigung.
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Sie müssen noch draußen warten, ist noch keiner im Zimmer. Wir sagen dann Bescheid... Okay, dankeschön."
Erst warten sie fünf Tage, dann fünf Monate. Ohne Angabe von Gründen.
Britt Beyer, Regisseurin
"Ich glaube stark, dass die Demütigung wirklich Strategie ist: Also, dass man die Leute klein macht, sie in so eine Bittsteller-Situation bringt. Ja, es ist absolut unmöglich. Und ich glaube, dass so ein Schicksal wie Shiphon und Tina, das passiert ständig."
Die unerbittliche Macht der Amtsstuben: Am Ende des Films scheinen all die Mühen der Kursteilnehmer, "deutscher" zu werden, sinnlos. Die meisten haben hier keine Zukunft gefunden, erzählt Britt Beyer. Bleibt die Frage: Wozu sollten sie sich anpassen, wenn sie doch nie richtig dazu gehören? Und überhaupt: Wieso sollte alles deutscher sein? Wie langweilig wäre das denn?
Autorin: Petra Dorrmann
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Man darf nicht wegwerfen seine Dokumente, man muss alle offiziellen Briefe lesen, man muss sauber machen, nach seine Hund machen."
Monatelang hat Britt Beyer beobachtet, was in diesen Integrationskursen trainiert wird. "Ausländer" lernen die Sprache und wie man so richtig deutsch wird.
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Lehrsatz 3 für Integrationskurse: Ich arbeite viel und komme immer sehr spät nach Hause. Und wenn am Abend ein guter Krimi im Fernsehen kommt, bin ich glücklich."
Britt Beyer, Regisseurin
"Das Selbstbild der Deutschen, was vermittelt wird in diesen Kursen ist, glaube ich, schon ein sehr altes und eher konservatives Bild. Also, wir sind ordentlich, wir sind fleißig, wir sind pünktlich und das ist auch gut so. Zum anderen versucht Deutschland aber auch, sich als modernes und tolerantes Land darzustellen."
Ganz nebenbei erfahren wir in diesem FIlm mehr über uns, als uns lieb ist.
Britt Beyer, Regisseurin
"Also, da kann man nur mit Selbstironie reingehen, das ist einfach zu jenseitig, als dass man das ernst nehmen könnte. Also, für mich war das so."
Für die Kursteilnehmer hingegen ist es eine ernste Sache: sie wollen Deutsch lernen. Und helfen sich mit Ratschlägen.
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Man muss entschuldigen und akzeptieren deutsche Humor. Lachen."
"Was bedeutet deutsche Humor?“
Egal was kommt: Sie sind tapfere Schüler, denn mit dem Abschluss erhoffen sie sich ein besseres Leben. Sie wollen hier studieren, für manche stehen die Sozialleistungen oder der Aufenthalt auf dem Spiel. Kritik an den latenten Botschaften ihres Lehrstoffes können sie sich nicht leisten.
Britt Beyer, Regisseurin
"In den Lehrbüchern steht oft, wie wir als Deutsche sind, und da ist auch immer diese Note drin, das ist besser. Das ist sozusagen das extrem Fragwürdige."
Shipon aus Bangladesh lässt sich davon nicht abschrecken. Er ist verheiratet mit Tina, aber die Behörden glauben ihnen nicht, dass sie aus Liebe geheiratet haben. Ihm droht die Abschiebung. Der Film zeigt, wie sehr sich Shipon anpasst und auf das Leben in Deutschland einlässt.
Britt Beyer, Regisseurin
"Diese Aufforderung, so zu werden, wie die Deutschen, die existiert mit starkem Imperativ, aber sie funktioniert trotzdem nicht. Nehmen wir das Beispiel von Shipons im Film: Er hat das beste Prüfungsergebnis, hat eine Arbeit, er will sich integrieren, er will einen Realschulabschluss machen, und dann steht er vor der Ausländerbehörde und sie lassen ihn nicht rein."
Sie warten auf seine Aufenthaltsgenehmigung.
Filmszene aus "Werden Sie Deutscher"
"Sie müssen noch draußen warten, ist noch keiner im Zimmer. Wir sagen dann Bescheid... Okay, dankeschön."
Erst warten sie fünf Tage, dann fünf Monate. Ohne Angabe von Gründen.
Britt Beyer, Regisseurin
"Ich glaube stark, dass die Demütigung wirklich Strategie ist: Also, dass man die Leute klein macht, sie in so eine Bittsteller-Situation bringt. Ja, es ist absolut unmöglich. Und ich glaube, dass so ein Schicksal wie Shiphon und Tina, das passiert ständig."
Die unerbittliche Macht der Amtsstuben: Am Ende des Films scheinen all die Mühen der Kursteilnehmer, "deutscher" zu werden, sinnlos. Die meisten haben hier keine Zukunft gefunden, erzählt Britt Beyer. Bleibt die Frage: Wozu sollten sie sich anpassen, wenn sie doch nie richtig dazu gehören? Und überhaupt: Wieso sollte alles deutscher sein? Wie langweilig wäre das denn?
Autorin: Petra Dorrmann


