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STILBRUCH
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Hildegard Knef (Quelle: rbb)

Do 26.01.12 22:30

10. Todestag

Hildegard Knef - Erinnerungen an eine Diva

Sie war eine der wenigen Stars, die es von Berlin nach Hollywood geschafft hatte. Hildegard Knefs Todestag jährt sich zum zehnten Mal. Und nicht nur in Berlin ist die Schauspielerin und Sängerin unvergessen.

Dieser Beitrag liegt aus lizenzrechtlichen Gründen nicht als Video vor.

Vom Glück hat sie gesungen, doch gefunden hat sie es wohl nicht. Dafür war Hildegard Knef zu rastlos, zu unruhig, zu selten zufrieden. Ich lebe nicht, ich überlebe, hat sie einmal gesagt – mit solchen Bonmots stilisierte sie sich zu "der Knef": Eine Frau ohne Vornamen, eine Kunstfigur, stets witzig und weise, kess und charmant.

Nur in schwachen Momenten gestattet sie einen Blick dahinter, wie sich der Sänger Klaus Hoffmann erinnert. Die beiden waren über 20 Jahre befreundet, das letzte Mal sahen sie sich kurz vor ihrem Tod.

Klaus Hoffmann, Sänger

"Da saß sie bei uns in Kladow auf der Terrasse und ich sang ihr ihre eigenen Lieder vor. Und sie hat dann immer mehr geschwiegen. Da war sie überhaupt nicht rastlos. Da kam sie an, da saß sie so, und war auch schon am abbauen, krank, und es war zu heiß."

Hildegard Knef. Jahrgang 1925. Ihren Vater lernt sie nie kennen, er stirbt, als sie sechs Monate ist. Ihre Mutter muss das Geld verdienen. Familie kannte ich nicht, erzählt sie später. In diesem Haus in Berlin-Friedenau wächst sie auf.

Hildgard Knef (1980)

"Ich erinnere mich an ganz wenig Freundinnen, die ich hatte, als Kind. Ich war eigentlich immer die, die alleine ihre Stulle auf dem Schulhof aß. Ich hatte große Kontaktschwierigkeiten."


Sie ist 19, als um sie herum alles zusammenbricht. Hilde kämpft – ums Überleben und ihren Traum: Schauspielerin. Schon während des Krieges hatte sie erste kleine Rollen gespielt, nun wird sie als KZ-Heimkehrerin im Film "Die Mörder sind unter uns" zum Gesicht des deutschen Neuanfangs: In ihrer verschlossen-stolzen Miene erkennt sich ein ganzes Land.

Die Schauspielerei wird ihr Sprungbrett. Der Komponist Cole Porter sieht sie in einem Film und besetzt sie in seinem Musical: "Silk Stockings". Amerika, Broadway! Die "Neff" wie man sie hier nennt, ist eine Sensation.

Als sie 1957 nach Berlin zurückkehrt, feiert man sie als internationalen Star, empfängt sie mit Tamtam und Berliner Bären am Grenzübergang Dreilinden.

Hildegard Knef (1951)

"Ich freue mich so, dass ich es kaum ausdrücken kann. Das ist ein sehr schöner Tag für mich."


Doch die Rollen, von denen sie träumt, bleiben aus. Dass sie zur gefeierten Sängerin wird, liegt auch daran, dass gute Filmangebote ausbleiben. Ihre Karriere ist ein ewiges Auf und Ab. Alles geschieht bei der Knef öffentlich. Ob Hochzeit oder Scheidung, Niederlage oder Comeback. Ihre Kämpfe führt sie vor aller Augen. Selbst den gegen den Krebs.

Hildegard Knef ist nicht Schauspielerin oder Sängerin, sie ist einfach "die Knef", die Rolle ihres Lebens. Mit 42 bekommt sie eine Tochter, sie nennt es ihr größtes Glück. Doch auch jetzt sind die Kameras immer dabei.

Christina Knef, Tochter
"Die Reporter und die Fotografen und so weiter - als Kind war das ja nicht unbedingt etwas, was man wollte. Und nur rausgehen und spielen und nicht gestört werden, war manchmal total unmöglich, aber naja."

Die Knef will immer alles, das treibt sie an. Aber es lässt sie auch nie ankommen. Sie braucht die Bestätigung, noch da zu sein, obenauf. Jeder Tag, an dem ihr das gelingt, ist ein Sieg. Bis ins Alter geht sie auf die Bühne, obwohl sie vor jedem Auftritt in Panik ist, ihre Angst nie los wird.

Klaus Hoffmann, Sänger

"Ich glaube, dass sie nicht unbedingt freiwillig auf eine Bühne gehen wollte. Aber dieser narzisstische Anteil, gesehen zu werden, ist so stark, dass du das machen musst. Diese Sehnsucht, bei jemandem erlöst zu sein. Und das kriegst du in einem Auftritt hin, wenn du Glück hast."


Dieses Glück hatte sie oft, doch glücklich zu sein, war ihre Sache nicht. Auch ihr letzter Wunsch blieb unerfüllt: Als sie in einem Interview gefragt wurde, wie sie sich ihren Tod wünsche, antwortete sie: Gar nicht. Vor zehn Jahren starb sie an einer Lungenentzündung.


Autor: Tim Evers

Dieser Text gibt den Sachstand vom 26.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

Klaus Hoffmann

Homepage des Sängers und Wegbegleiters "der Knef"

[Klaus Hoffmann]

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