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STILBRUCH
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Do 26.01.12 22:30

Neuer Film

"Zettl"

"Kir Royal" war Kult, die Fernsehserie um Klatsch-Reporter Baby Schimmerlos, der durch die Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft wandelte. Jetzt versucht Regisseur Helmut Dietl im Kinofilm "Zettl" Berlin aufs Korn zu nehmen.

Helmut Dietl ist "Mister Kir Royal", der Macher der Münchner Kultserie. Jetzt ist Berlin dran. Mit Benjamin von Stuckrad-Barre hat er den Puls der Hauptstadt abgehört. Nun erwarten alle von den beiden coolen Hunden einen Film mit hübschen Gemeinheiten.

Und so fliegt anfangs ein Zeitungsimpressario ein. Die gefakte Skyline von Berlin – das ist vielleicht die schönste Gemeinheit dieses Filmes. Das echte Berlin reicht nicht.

Filmszene "Zettl"
"Bonjour, Herr Dosier. Bonjour. Vous avez bien?“

Die Suche nach einem Chefredakteur führt - zum Chauffeur.

Filmszene "Zettl"
"Bitte Herr Dosier, geben Sie mir eine Chance. Ich kenne jede und a jeden, jedenfalls in Berlin."

Sie haben hart recherchiert, die beiden Autoren des Filmes. Sie haben keine Mühen gescheut.

Benjamin von Stuckrad-Barre, Drehbuchautor
"Wir sind hier sehr sehr oft einfach spazieren gegangen, und dann haben wir so unsere Beobachtungen gemacht. Und so bald es drohte, uns zu sehr da hinein zu verstricken, sind wir ganz schnell nach Hause gegangen und haben uns am nächsten Tag dran gesetzt und genau das Gegenteil davon aufgeschrieben."

Filmszene "Zettl"
Er: "Wer hat sich denn die linke Kiste ausgedacht... die linkesten Kisten."
Sie: "Weißt Du, was Du bist?"


Michael "Bully" Herbig ist der neue Klatschreporter. Franz Xaver Kroetz alias "Baby Schimmerlos" spielte ihn einst unschlagbar schmierig. Und kam dabei auch noch sympathisch rüber. "Baby-Schimmerlos-Kroetz" – eine zeitlose Fernseh-Ikone.

Er sollte auch jetzt, in Berlin dabei sein. Aber die Rolle von damals ist ihm wohl zu Kopf gestiegen. Kroetz hatte nun gewisse Ansprüche.

Helmut Dietl, Regisseur

"Also, er will nicht so einen alten Mann da spielen und er will auch nicht mit dem Zug ankommen, sondern mit dem Porsche und dann müssen sich alle vor ihm fürchten. Und dann hat er mir auch noch am Schluss gesagt, ich soll ihm jetzt das Drehbuch geben und der schreibt das jetzt um. Und dann habe ich gesagt, naa, das möchte ich jetzt nicht."

Also: Bühne frei für "Bully".

Filmszene "Zettl"

Sie: "Was haben Sie jetzt gesagt, zu der Dame?"
Er: "Äh, schick a Lift obi…"
Sie: "Abi?"
Er: "Äh: runter, Susi, du Schlampn, du chinesische. Sonst beiss ich Dich in deine Lotusblüte, in dein süße."
Sie: "Auf Chinesisch?"
Er: "Ja!
"

Als frischgebackener Chefredakteur hat er die Politszene im Visier.

Filmszene "Zettl"

"Das ist eine Story, verstehste?"
"Jetzt mal langsam: was ist mit dem Kanzler?
"

Wieder dabei: Dieter Hildebrandt als Sensationsfotograf. Und Götz George pfeift als Kanzler aus dem letzten Loch.

Filmszene "Zettl"

Arzt: "Hirnströme sind..."
Kanzler: "...strömen nicht, oder wie?
"

Und was hat all das mit der Wirklichkeit zu tun?

Helmut Dietl, Regisseur
"Mit Wirklichkeit hat das nix zu tun. Wirklichkeit ist was anderes. Also mit Wirklichkeit meine ich: Rausgehen und zuhören, auf der Straße. Nein – es ist die Wahrheit. Nee: das ist die Wirklichkeit. Nein, nein, da draußen auf der Straße ist die Wirklichkeit, nicht die Wahrheit."

Ganz schön gemein. Nichts ist im Berliner Machtzentrum wirklich so, wie sie es erzählen. Aber es soll die Wahrheit sein: über Machtspielchen und gewisse Charakterstärken. Ein Glanzlicht: Harald Schmidt als machthungriger Minister.

Daneben sind die Ex-Ruinen der Stadt nette Inspirationsquellen. Was der Rechercheur aus München hier so alles erlebt hat...

Helmut Dietl, Regissseur
"Und da war ich da drüben, in diesem Palast der Republik, wo schon die Seitenmauern weg waren. Das war gespenstisch. Da waren wir irgendwie im vierten, fünften oder sechsten Stock oder noch höher. Und wenn man irgendeinen falschen Schritt getan hat, ist man schon runtergefallen. Es war wunderbar.“


Im Unterschied zu Kir Royal gibt es im neuen Film nichts zu trinken. Oder es ist zu teuer.

Filmszene "Zettl"
Sie: "Du hast sie ja nicht mehr alle: eine Flasche Wein für 300 Euro!"
Er: "Wir werden uns doch ein Glas Wein gönnen dürfen. Ich bin jetzt Chefredakteur!"


Benjamin von Stuckrad-Barre, Drehbuchautor

"Das Eindrucksvolle an Berlin ist ja dieses Berauschtsein an sich selbst. Da muss man ja gar nichts mehr trinken, da kann man eigentlich Wasser trinken und trotzdem wie besoffen wirken."


Filmszene "Zettl"

"Jetzt sind wir doch endlich soweit, daß wir es mal packen könnten, gemeinsam, du und ich. Wir sind jung, wir schauen gut aus, wir sind schnell im Kopf und unschlagbar charakterlos."


Völlig charakterlos - das hätte richtig fies werden können. Leider ist der Film am Ende "a bisserl arg fad".


Autorin: Petra Dorrmann

Dieser Text gibt den Sachstand vom 26.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Infos im WWW

"Zettl"

Mit: Michael Herbig, Dagmar Manzel, Karoline Herfurth u.a.
Regie: Helmut Dietl und Benjamin von Stuckrad-Barre
Produktionsland: Deutschland
Genre: Komödie
Laufzeit: 109 Minuten. Produktionsjahr: 2012
Verleiher: Warner Bros.
Kinostart: 02.02.2012

[Zettl]

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

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