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Zwischen Buchmesse und Weihnachtsgeschäft erscheinen jede Menge neuer Bücher. Was wird gelesen, welches sind die interessantesten Neuerscheinungen? Wir sehen uns um in Buchläden, sprechen mit Autoren und geben Empfehlungen.
Buchliste Peter Geyer/O.A. Krimmel: Kinski-Vermächtnis
Alles an ihm war maßlos – und in allem ging es nur um ihn. Er verstand sich nicht als Schauspieler. Klaus Kinski zu sein – das war die einzige Inszenierung, die er akzeptierte – und über die wollte er selbst Regie führen. Ein monumentaler Bildband zeigt nun, wie systematisch Kinski dabei vorgegangen ist: Kinski ein Pionier der Selbstvermarktung, der seine Aufführungen selbst rezensiert und sich geradezu hymnisch gelobt hat. Die Hinterlassenschaft eines Besessenen. Wer wissen will, wie man sein Leben inszeniert - und darüber hinaus ein bisschen Unsterblichkeit - der findet in Kinskis "Vermächtnis" einen perfekten Leitfaden.
[Erschienen im Edel Verlag]
Ulrich Beck, Elisabeth Beck-Gernsheim: Fernliebe
Wie macht man das, wenn die Eine in Norwegen arbeitet und der Andere einen Job in England hat? Ulrich Beck und Elisabeth Beck-Gernsheim haben in ihrem neuen Buch das Phänomen der Fernliebe untersucht. Sie selbst wissen, wie das ist, unterrichtet Ulrich Beck doch in Harvard und München und seine Frau ist an einer Universität in Norwegen Dozentin. Wie viel Nähe, wie viel Ferne verträgt eine Liebe? Ulrich Beck und Elisabeth Beck – Gernsheim haben kein Erfolgsrezept, aber vielleicht einen Hinweis: Streit tut einer Beziehung gut, wenn beide danach über sich selbst lachen können. Das zumindest haben sie uns in einem Gespräch verraten.
[Erschienen im Suhrkamp Verlag]
Robert Harris: Angst
Einen neuen Bestseller hat Robert Harris vorgelegt. In seinem Roman "Angst" geht es um die Finanzmärkte. Er schreibt über einen Hedge Fond, der außer Kontrolle gerät. Eine Fiktion wohlgemerkt, aber, wie so oft bei ihm, nah an der Realität. Denn Harris selbst hat genau beobachtet, wie die Finanzmärkte weiterwuchern, wie sie eine Eigendynamik entwickeln. Ein grandioser Thriller.
[Erschienen bei Heyne Verlag]
Julia Franck: Rücken an Rücken
In ihrem neuesten Roman führt uns Julia Franck wieder zurück in die DDR. Sie erzählt die Geschichte von zwei Geschwistern, die ohne Vater bei ihrer Mutter Käthe – einer Bildhauerin – aufwachsen. Eine Jugend ohne Wärme, ohne Nähe. In Julia Francks neuem Roman wird viel gelitten, aneinander genauso wie miteinander.
[Erschienen im S. Fischer Verlag]
Charles Lewinsky: Gerron
Kurt Gerron war ein begnadeter Schauspieler. Er spielte Theater für Max Reinhardt und Bertolf Brecht. Als der Tonfilm aufkam, wurde er gleich angefragt für eine Rolle in dem Film "Der Blaue Engel“. Gemeinsam mit Marlene Dietrich stand er vor der Kamera. 1933 musste er emigrieren. In Holland – in scheinbarer Sicherheit - wurde er 1944 doch gefasst und mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert. Dort sollte er einen Film drehen, in dem das Konzentrationslager als Vorzeigeghetto inszeniert werden sollte. Dieses Angebot wurde für Kurt Geron zur Gewissensfrage: den Auftrag erfüllen und vielleicht überleben oder sich verweigern? Mit dieser Frage fängt die Biografie von Charles Lewinsky an. Er hat die Fakten penibel genau recherchiert, und die Geschichte aus der Perspektive Kurt Gerrons erzählt.
[Erschienen im Nagel & Kimche Verlag]
Jeffrey Eugenides: Die Liebeshandlung
Manchmal sind ja die ersten Sätze eines Buches so überraschend-poetisch, dass man das Buch unbedingt weiterlesen will. Ein solcher Satz ist Jeffrey Eugenides gelungen, sein Roman beginnt mit der Zeile: "Zunächst einmal schauen Sie sich all die Bücher an." Was dann folgt, ist eine Liebesgeschichte, genauer gesagt, eine Dreiecksgeschichte, die an einem amerikanischen College spielt und die von einer Madelleine Hana erzählt, die sich gleich zwei Männern gegenübersieht. Das ist alles fein beobachtet. Wirklich große Literatur.
[Erschienen im Rowohlt Verlag]
Stefanie Zweig: Neubeginn in der Rothschildallee
Manchmal können erste Sätze den Leser auch irritieren, und dennoch will man unbedingt das Buch weiterlesen. So ist es mit dem Werk von Stefanie Zweig. "Neubeginn in der Rothschildallee" heißt er. Am Anfang ihres Romans stehen ein Ausrufesatz und ein Fragesatz: "Unser erster Sonntag daheim“, sagte Betsy Sternberg. "Gibt’s dafür ein Gebet, Fritz?". Was dann erzählt wird, ist die Geschichte der Familie Sternberg, vielmehr von Betsy, ihrer Enkeltochter Fanny und Fritz, ihrem Schwiegersohn. Sie haben den Holocaust überlebt und wagen einen Neuanfang in Frankfurt am Main, dort, wo einmal ihre große Familie zuhause war. Stefanie Zweig schafft es, einen hineinzuziehen in die Trauer, den tiefen Schmerz und die Freude über diesen Neubeginn, der auch eine neue Liebe begründet.
[Erschienen im Langen Müller Verlag]
Walter Isaacson: Steve Jobs
Und dann gibt es noch diese Biografie über Steve Jobs. Er hat sie selbst in Auftrag gegeben, doch dieses Buch ist keine Lobeshymne auf den Mann, der Apple erfand und mit Mitte zwanzig bereits Multimillionär war. Sie zeigt vielmehr die Widersprüche seines Charakters auf. Sie erzählt aber auch davon, dass es sich lohnt, ein Leben zu leben, in dem man sich ein wenig innere Freiheit gönnt. Eine beeindruckende Biografie.
[Erschienen im C. Bertelsmann Verlag]
Buchvorstellungen von und mit Christine Thalmann
Erstausstrahlung vom 27.11.11/rbb
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/stilbruch/dossiers/Was_lesen_Sie.html