Der gezeichnete Fall - Unter den Augen des Herrn

Für die Seelenhirten ist Nico das Musterbeispiel eines Kirchgängers: Regelmäßig taucht er in den Gotteshäusern seiner Umgebung auf, um stille Einkehr oder aber Zwiesprache mit dem Herrn zu halten.

Nico hat Gründe, die heiligen Hallen immer mal wieder zu verkehrsschwachen Zeiten zu betreten: Er ist einsam, hat jede Menge Schulden und keine Arbeit. Nicht einmal eine Wohnung hat er; Nico kampiert bei Kumpel Rolle. Und der hat ihn erleuchtet: „Die Kirche, die hat jede Menge Kohle: Die merken das gar nicht!“

Rolle ermuntert ihn, ab und zu eine kleine himmlische Anleihe aufzunehmen. Nico stellt sich ein Opferstock-Set zusammen. Neben einer kleinen Taschenlampe gehört eine Art Angel dazu, die er selbst bastelt: Nach dem Leimfliegenfänger-Prinzip kann er damit Geldscheine und Münzen aus dem Opferstocks fischen.

So angelt Nico mal zwanzig, mal fünfzig, manchmal sogar siebzig Euro, mit denen er ganz gut über die Woche kommt. Sein Eifer beim Kirchgang erregt jedoch nicht nur Wohlgefallen. In einer Gemeinde stößt die fast minutiöse Routine bald auf Argwohn: ein Glaubensbruder,  Polizist von Beruf, nimmt ihm seine Beseeltheit nicht so ganz ab.

Er montiert deshalb in der Kirche eine kleine Kamera, die nicht nur vieles sieht, sondern es auch gerichtsverwendbar macht. Nico ist gerade mal wieder gut im Bild, als er plötzlich eine Stimme vernimmt. „Und? Heute wieder fündig geworden?“

Es ist der Polizeibeamte – in Begleitung des Pfarrers, der schmerzlich erkennen muss, welch schwarzes Schaf sich da in seine Herde gemogelt hat! Verhandelt wird vor einem weltlichen Gericht: 80 Diebstähle in einem Zeitraum von zweieinhalb Jahren gibt Nico zu, man kommt auf etwa 2700 Euro.

Seine Geständnisbereitschaft kommt ihm zugute: am Ende gibt es eine Bewährungsstrafe und 500 Euro Geldbuße.

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