Der gezeichnete Fall - Ein Post-traumatisches Erlebnis

Irgendwie hat Roy den Dorfbriefträger seiner Kindheit vor Augen, als er den befristeten Job als Postzusteller annimmt: gemächlich hatte der alte Mann die Post in seiner Posttasche mit dem Dienstrad durchs Dorf bewegt, hier ein Briefchen, da ein Schwätzchen.

Und heute? Das Dienstrad ächzt unter dem, was die Leute so alles zugeschickt bekommen. Wenn Roy seine Tour startet, weiß er, dass zwei Drittel von dem, was er hier befördert, ungelesen in den Papiertonnen der Adressaten landet: so genannte Infopost, Kataloge aller möglichen Branchen - natürlich in dickem Glanzpapier, weil das so schön schwer ist.

„Das macht Frust“, sagt Roy seinem Kumpel Daniel. Um sich dagegen zu wappnen und die Kunden vor der Papierflut zu bewahren, trennt Roy ab jetzt vor Dienstantritt, was er zustellt, und was er gar nicht erst mitnimmt. Für diese Umsicht belohnt er sich: immer öfter behält er das eine oder andere Päckchen – mal ein Handy, mal ein Laptop.

Bald kommt es bei ihm zu Hause zu dramatischen Papierstaus. Roy weiht seinen Kumpel Daniel ein: „Du kannst dir was verdienen!“ sagt er und fährt morgens bei Daniel vorbei, um die Papiermassen bei ihm abzuwerfen. Der freut sich und fährt alles zu einem Altpapierhändler, der es zum Kilopreis von fünf Cent abnimmt.

Auch Daniel kommt in den Genuss abgezweigter Pakete - für seine Kinder drei Laptops: „Kriege ich alles verbilligt über die Post!“ erklärt Roy. Irgendwie stimmt’s ja. Im Laufe von drei Monaten führt Daniel dem Wertstoffhandel zwischen fünf und sechs Tonnen Papier zu – das lässt sich zurück rechnen anhand seiner Einnahmen.

Und es hätte noch länger so gehen können, hätte nicht ein neugieriger Nachbar mal einen Blick in Daniels offen stehende Garage riskiert, sein „Zwischenlager“. Jetzt geht bei Daniel die Post ab: bei der Wohnungsdurchsuchung stoßen die Ermittler auf tausende Briefsendungen der letzten Wochen – nur ist keine davon an Daniel adressiert!

Die Spur führt zu Roy. Die Ermittler merken: hier hat jemand seine Anstellung beim „Briefverteilungszentrum“  gründlich missverstanden!
Roy und Daniel haben Glück: Die Post vom Gericht erreicht sie ohne Umwege!  Daniel wurde zu Bewährung verurteilt. Roy sieht seinem Prozess noch entgegen.

 

weitere Themen der Sendung

Spielcasino beraubt – mit stiller Präzision

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Schmuckladen überfallen

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Fahndung - Wer erkennt den Handyräuber?

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Wer in einem älteren Duden blättert, wird das Wort Einbrecherin vergeblich suchen: bislang gab es nur die männliche Form, und Frauen, die in fremde Wohnungen einstiegen waren lange die Ausnahme. Das ändert sich nun, vor allem in Berlin.