Der gezeichnete Fall -
Total nervig die Lehre im Baumarkt: Seit Wochen hat Tobias das Gefühl, dass die anderen ihn nicht mögen: in der Teppichbodenabteilung, auf der Gartenfreifläche oder am Sanitärregal, alle lassen ihn abblitzen. Bald ist ihm klar: Er wird gemobbt.
"Ich geh da nicht mehr hin", sagt sich Tobias. Gute Idee: Er bleibt einfach zu Hause! Tags darauf wundert sich noch niemand; es passiert öfter mal, dass ein Azubi nicht zur Schicht antritt. Am zweiten Tag wählt der Meister Tobias' Handynummer. Doch the person he has called is einfach not available – und das nicht nur temporary, sondern auch an den nächsten Tagen.
Auf dem Heimweg klingelt er bei Tobias – ohne Erfolg. Der erfahrene Ausbilder macht sich Sorgen und ruft bei der Polizei an. Die schickt eine Streife vorbei. Doch auch die Polizisten klingeln vergeblich. Dann nehmen beide diesen ganz besonderen süßlichen Duft wahr, den jeder erfahrene Streifenpolizist schon einmal in der Nase hatte.
Sie klopfen energischer. Als Tobias schließlich öffnet, merken sie, dass er nicht wirklich bei ihnen ist. "Was riecht denn hier so lecker!?" In seiner Einzimmerwohnung stoßen die Beamten auf ein Folienzelt: Camping zu Hause!? Und Wärmelampen - hat er sein eigenes Dschungelcamp!?
Tobias hatte mal eine Lehre zum Garten- und Landschaftsbauer begonnen, die kommt ihm jetzt offenbar zugute. "Ist aber alles Eigenbedarf“, beruhigt er die Polizisten. Was die in der kleinen Marihuana-Plantage finden, liegt jedoch über der Untergrenze dessen, was der Bundesgerichtshof als "nicht geringe Menge" einstuft.
Also gibt es ein Strafverfahren. "Bei Eigenanbau weiß ich wenigstens, was ich habe. Kaufen kommt mit meinem Lehrlingsgeld ja nicht in Frage. Im Baumarkt wollte ich kündigen, niemand will mich da!" sagt der reuige Raucher dem Richter. Der Lehrmeister aber gibt zu Protokoll, dass Tobias immer ein verlässlicher Lehrling war. In letzter Zeit ist er nur etwas durch den Wind.
Gemobbt hat ihn jedenfalls niemand. Tobias hat Glück: Weil die Polizei mal wieder den richtigen Riecher hatte und weil man manchmal auch durch Rauchzeichen deutlich machen kann, dass man in der Klemme steckt.
Es gibt sieben Monate auf Bewährung, außerdem muss Tobias 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Und seine Sucht hat er jetzt im Griff.








