Der gezeichnete Fall -
Wie ein Lauffeuer geht es durchs Dorf: „Alfred fährt wieder Traktor!“ Singend tuckert der 76-Jährige an einem lauen Frühlingsabend über die Hauptstraße. Das öffentliche Leben kommt kurz zum Erliegen – bis Alfred mit ein paar Schlenkern schließlich doch noch seinen Hof erreicht und sogar das Eingangstor trifft.
Er hat schon seit Jahren keinen Führerschein mehr, aber Traktorrodeo ist sein Hobby und der Alkohol seit langem sein treuer Copilot. „Einmal muss Schluss sein“, sagen die Leute im Dorf „sonst kommt noch jemand unter die Räder!“ Die Beamten auf der Polizeiwache verdrehen die Augen: Schnaps, Gesang und Traktorfahren – das ist der Stoff, aus dem bei Alfred die Vorstrafen sind. „Sehen wir mal wieder nach dem Rechten!“
„Verzieht euch, sonst könnt ihr was erleben!“ ruft der unerschrockene Rentner und droht mit der Gehhilfe aus dem Küchenfenster. Da reicht es den Polzisten. „Sie kommen jetzt sofort mit zum Alkoholtest!“ Darüber kann Alfred nur lachen - er schlägt der Staatsmacht das Fenster vor der Nase zu. Eine nicht hinnehmbare Provokation! Im Zuge einer offiziellen Polizeiaktion verschafft die Streife sich Zutritt.
Alfred wertet das als Aufforderung zum Häuserkampf: Er greift sich ein paar Gläser Marmelade und schleudert sie den Angreifern entgegen. Volltreffer mit Weintraube-Ananas, bevor Alfred im Schlafzimmer überwältigt wird.
Vor Gericht wundert er sich: die drei Bockbier, die paar Kräuter und der halbe Liter Waldmeisterbowle machen ihn doch nicht fahruntüchtig! Trotzdem: Alfred ist mehrfach einschlägig vorbestraft und steht sogar unter Bewährung. Diesmal fordert die Anklage eine Freiheitsstrafe.
„Mein Mandant hat seine Fehler eingesehen. Und den Traktor hat er abgegeben“, hält sein Anwalt dagegen.
„Aber ich hole mir jetzt einen neuen,“ sagt Alfred mitten in die ergriffene Stille hinein. Keine weiteren Fragen. Diesmal gibt es ein Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Der Rechtsanwalt hat Rechtsmittel angekündigt. Auf der Dorfstraße ist erst mal Ruhe.







