Der gezeichnete Fall -
Altenpflege ist, wenn besonders viel gearbeitet und dabei besonders wenig verdient wird. Doch wenn Altenpflegerin Marion frühmorgens die erste Seniorenwohnung aufschließt, geht für die 92-jährige Ilse die Sonne auf.
Sie wartet auf die aufregenden Nachrichten aus dem flirrenden Leben des 250-Seelen-Dorfes. „Ilse, was soll denn von gestern bis heute passiert sein?“ Dabei ist in Marions Leben ordentlich was los: seit Jahren Kataloge, Schulden und ein Offenbarungseid. „Kindchen, leg mal die geblümte Tischdecke auf“, meint Ilse.
Manchmal bringen schon kleine Dinge Freude ins Leben. Marion hat dafür aber heute keinen Blick, sondern nur für Ilses Handtasche im Wäscheschrank – mit einem Kuvert voller Geld! Probehalber steckt Marion davon zwei Fünfzigeuroscheine ein. Als Tage vergangen sind, ohne dass die Seniorin das Geld vermisst, greift Marion erneut zu.
Als Marions kleiner Nebenverdienst sich im Laufe eines Monats auf etwa 700 Euro summiert, kommt es bei Ilses Kindern, Enkeln, Urenkeln und Ururenkeln zu Irritationen, wer von dem plötzlich gestiegenen Bargeldbedarf der 92-Jährigen profitiert. Nach dem Ausschlussverfahren fokussieren sich die familiären Ermittlungen bald auf Marion.
Da niemand Erfahrung in taktischer Vernehmung hat, bauen Ilses Verwandte auf die kriminalistische Falle: zwei Fünfzigeuroscheine werden wie zufällig in Ilses Zimmer abgelegt. Als Marion das Geld sieht, kann sie nicht widerstehen. Was Marion nicht ahnt: der Vorgang wird videoüberwacht. Man lebt auf dem Dorf, aber doch nicht hinter dem Mond!
Bei der Polizei gibt Marion zuerst nur den einen Diebstahl zu, am Ende aber ist man bei fast 6500 Euro - über einen Zeitraum von sieben Monaten. Hier wäre eine Freiheitsstrafe angesagt, doch dann sähe Ilse ihr Geld nie wieder. Marion kann ihr Raten von 100 Euro im Monat anbieten. Ilse wäre 97, wenn man quitt ist und möchte sich das keinesfalls entgehen lassen!
Für Marion gab es zwei Jahre Haft auf Bewährung, die allerdings für vier Jahre zur Bewährung ausgesetzt sind.









