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Der Computerbesitzer schon!
Für die Berliner Modedesignerin Raya Nakova kommt es nun auf jeden Tag an: In Kürze ist Diplomabgabe an der Kunsthochschule Weißensee.
Die Kollektion ist fertig, jeder Schritt dokumentiert.
Doch kurz vor Abschluss erlebt die junge Frau eine unangenehme Überraschung...
Raya Nakeva, Modedesignerin:
„Ich bearbeite verschiedene Fotos, ich arbeite auch an meiner Theoriearbeit. Ich war gerade damit beschäftigt, als auf meinem Bildschirm eine seltsame Anzeige zu sehen war, dass ich irgendwelche illegalen Aktivitäten betrieben hätte, deswegen mein Computer gesperrt wird, und ich den Computer erst wieder benutzen kann, nachdem ich eine gewisse Geldstrafe bezahlt habe.“
Auf dem Bildschirm - angeblich eine Nachricht des Bundeskriminalamts.
Die Bilder auf dem Fotoapparat - längst gelöscht.
Alle dringend benötigten Daten sind jetzt auf dem PC – der auf nichts mehr reagiert!
Raya Nakeva, Modedesignerin:
„Diese Fotos sind sehr wichtig, weil man damit so etwas wie eine Dokumentation der Arbeitsprozesse erstellen kann – das ist genauso wichtig, wie das Endprodukt der Arbeit, wie das fertige Kleidungsstück. Und genau solche Fotos kann man nicht wieder herstellen. Das sind Momente der Kreativität, die vorbei sind, und man kann es nicht einfach eins zu eins wiederholen.“
Erpressung durch Verschlüsselung des Computers! Längst kein Einzelfall mehr, sondern eine ernste Bedrohung für private wie für berufliche Nutzer, warnt das.
Landeskriminalamt Brandenburg. Das neu geschaffenen Dezernat Cybercrime analysiert jeden neuen Trojaner und stellt fest: es kann jeden treffen.
Jürgen Kreßmann, LKA Brandenburg:
„Der Programmierer sucht sich Webseiten aus, die ganz seriös sind, nutzt die entsprechenden Schwachstellen aus, platziert dort diesen Trojaner, und beim Besuch dieser Webseite infiziert sich mein Rechner über diesen Download. Schäden, die angerichtet werden können, sind unter anderem das Ausspähen von Kontodaten oder aber das Blockieren des Rechners und die Erpressung des entsprechenden Rechners.“
Der BKA-Trojaner, der auch Embleme der Bundespolizei benutzt, arbeitet mit Einschüchterung, um den Nutzer zur Zahlung zu bewegen.
Jürgen Kreßmann, LKA Brandenburg:
„Wir sehen hier eine Variante des Bundespolizeitrojaners: Mir wird suggeriert, dass man meinen Rechner gescannt hat, dass ich Kinderpornografie drauf habe bzw. Emails versendet wurden mit Spaminhalt, mein Rechner aufgrund dessen gesperrt wurde. Man fordert mich auf zur Zahlung von 100 Euro per Ukash oder per Paysafecard. Ukash und Paysafecard sind zwei anonyme Bezahlsysteme, bei denen ich in Tankstellen, ähnlich wie eine Prepaidcard, den Code kaufen kann und den dann hier eingeben muss und abzusenden.“
Zehn Prozent der Erpressungsopfer zahlen - und sehen ihr Geld nie wieder; ebenso wenig erfolgt eine Entsperrung.
Das LKA verfolgt die Spuren der vielfältigen Trojaner bis zum Absender.
Jürgen Kreßmann, LKA Brandenburg:
„Wir sehen in diesem Netzwerkprogramm, dass hier eine Anfrage gestartet wurde, von diesem Trojaner. Die Adresse selber können wir ebenfalls zurück verfolgen und wir können feststellen, der Server steht in der Nähe von Moskau.
Wir hatten im letzten Jahr von diesem BKA-Trojaner über 400 Fälle hier gehabt - in der zweiten Jahreshälfte extrem steigend.“
Die Berliner Modedesignerin konnte ihren Trojaner nur noch durch Neuinstallation des Rechners loswerden. Für die geschriebene Diplom-Arbeit heißt das: Zurück auf Null!
Raya Nakeva, Modedesignerin:
„Ich habe alle Dateien verloren, die ich gespeichert hatte, alle Fotos von Probeteilen, verschiedene Muster, Vorlagen für Digitaldruck und so weiter und so fort und alles, was meine Theoriearbeit betrifft, verloren.“
Um Computernutzern den Totalverlust zu ersparen, empfiehlt das LKA, Daten immer auch auf externen Festplatten zu sichern. Für den Fall, dass ein Trojaner bereits den Rechner befallen hat, haben die Experten Hilfsprogramme entwickelt.
Die Anleitung zur Rettung Ihrer Daten finden Sie unter
www.bka-trojaner.de
Zudem empfiehlt die Polizei, jeden Trojaner-Angriff zur Anzeige bringen - bei jeder Polizeidienststelle in Ihrer Nähe. Bildschirmfoto genügt!
© Rundfunk Berlin-Brandenburg