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Die schwarzen Schafe der Zunft starten gern zu unverlangten „Stadtrundfahrten“
Flughafen Tegel: Der Bereich zwischen Gate 10 und 15. Er heißt unter Insidern die „Schwarzladezone“.
Doch das wissen Peter Meffert und seine Freundin nicht.
Als sie Ende Dezember frühmorgens von einer Reise zurückkommen, spricht sie genau dort ein Taxifahrer an – kein Einzelfall:
Boto Töpfer, Taxi-Service Tegel:
„Wir sehen hier einen Bereich, wo eigentlich nur das Ausladen erlaubt ist, bzw. das Einladen von Fahrgästen, die eine Vorbestellung beim Fahrer, beim Unternehmer haben. Aber in diesem Bereich haben wir leider auch das Phänomen, dass einige Hartnäckige, ich rede jetzt mal von 20 bis 25 Fahrzeugen, hier auch Fahrgäste ansprechen, was nicht erlaubt ist.“
Die Fahrt soll erst in den Wedding gehen, dort muss der 48-jährige Journalist zur Arbeit, dann weiter nach Kreuzberg.
Der Taxifahrer schlägt vor, die Route andersrum zu fahren. Von Tegel über Kreuzberg in den Wedding, ein riesiger Umweg: Offenbar will der Mann die Ortskenntnis seiner beiden Kunden testen. Und das bleibt nicht die einzige Irritation.
Peter Meffert, betrogener Taxikunde:
„Und dann ist mir relativ schnell aufgefallen, dass da keine Taxiuhr lief. Ich konnte im Rückspiegel nur so eine digitale Anzeige „F“ sehen und habe den Taxifahrer darauf angesprochen. Der sagte ganz selbstbewusst, das sei in Ordnung, das sei ein neues System. Er hat mir erklärt, dass das ein neues System sei, auf das das Finanzamt direkten Zugriff habe. Verstanden habe ich es nicht, aber es klang irgendwie überzeugend, und ich habe mich dann mit dieser Erklärung zufrieden gegeben.“
Vom Flughafen bis zur Brunnenstraße: Das ist eine Strecke von zehn Kilometern, die nach zulässigem Tarif 19,10 Euro kosten sollte.
Peter Meffert, betrogener Taxikunde:
„Als ich da ausstieg, hat er dann etwas gedrückt, einen Knopf unter dem Rückspiegel gedrückt, und plötzlich tauchte da eine digitale Anzeige auf: 33,60 Euro! Und ich war keine zwei Schritte gegangen, da war mir plötzlich klar, du wirst hier übers Ohr gehauen.“
Auch seine Freundin wundert sich über den hohen Fahrpreis. Doch sie ist müde von dem frühen Flug und will einfach nur schnell nach Hause. Am Ziel in Kreuzberg verlangt der Fahrer dann 46,00 Euro und hilft der Frau noch freundlich mit dem Gepäck.
Erst zuhause wird ihr klar, dass sie betrogen worden sind.
Auf der Quittung finden sich kein Name, keine Konzessionsnummer des Taxis und keine lesbare Unterschrift. Die zuständige Aufsichtsbehörde hat so ein Problem:
Christoph Krause, Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten:
„Ich sehe jetzt keinen Anhaltspunkt, um festzustellen welches Unternehmen, welcher Fahrer aus dem Unternehmen diese Quittung hätte ausstellen können.“
Neben den Flughäfen wird auch der Hauptbahnhof von Abzocker-Fahrern gezielt angesteuert.
Besonders beliebt sind die Zeiten zwischen 07.00 und 11.00 Uhr morgens, wenn sehr viele Reisende ankommen.
Von Ortsunkundigen werden schon mal Phantasiepreise bis zu 200 Euro für eine Fahrt in die Innenstadt genommen.
Detlev Freutel, Taxiverband Berlin-Brandenburg:
„Das schadet unserem Ruf, wir geben uns ja alle furchtbar viel Mühe! Besonders tragisch ist es natürlich, wenn so was an Flughäfen und am Hauptbahnhof passiert, da kommen die Leute ja in die Stadt rein, und das ist ja kein schönes Erlebnis. Ja, natürlich sind wir da alle sehr, sehr sauer.“
In Tegel und Schönefeld haben die Taxiunternehmen Kontrollstreifen eingerichtet: Sie sollen den schwarzen Schafen der Branche das Leben schwer machen und dafür sorgen, dass die Reisenden nur am legalen Halteplatz einsteigen.
Für Taxis ist übrigens eine Konzessionsnummer in der Heckscheibe und eine Gebührenübersicht Pflicht. Genauso wie ein laufendes Taxameter. In Berlin sind 1,65 Euro pro gefahrenem Kilometer gesetzlich festgelegt, ist die Strecke länger als sieben Kilometer sinkt der Preis.
Wer das Gefühl hat, zu viel gezahlt zu haben, sollte handeln.
Christoph Krause, Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten:
„Dann wäre es ganz wichtig, die Quittung aufzubewahren, sich das Kennzeichen des Wagens zu merken, sich möglichst die Person genau anschauen, um dann eine Personenbeschreibung zu erhalten, und das Ganze zur Anzeige zu bringen.“
Leider ist diese Wachsamkeit kaum verbreitet: der Polizei liegen nur wenige Anzeigen vor.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/taeteropferpolizei/archiv/taeter___opfer___polizei39/hallo_taxi_.html