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Täter - Opfer - Polizei
Täter - Opfer - Polizei

So 29.01.12 19:00

Wer ist die Mutter des toten Babys?

Die Potsdamer Polizei hat ihren genetischen Fingerabdruck

Es ist der Tag vor Heiligabend morgens gegen 08.30 Uhr.
Ein Rentner will in Potsdam sein Auto aus der Garage holen.
Da entdeckt er an der Stirnseite der Garagenzeile ein großes Handtuch.

Katrin Laurisch, Polizei Potsdam:
„Er wollte das offenbar wegräumen oder entfernen und näherte sich dem Handtuch, und dabei hat er festgestellt, dass in das Handtuch ein Kind eingeschlagen war, ein Säugling. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind bereits tot.“

Die Polizei untersucht sofort mit großem Aufwand den Fundort an der Kantstraße in Potsdam-West. Das tote Baby wird zur Obduktion in die Rechtsmedizin gefahren. Dort stellt man schwere Verletzungen fest. Das Kind wurde umgebracht.

Katrin Laurisch, Polizei Potsdam:

„Es ist in der Nacht vom 22. zum 23. Dezember geboren worden, also in der Nacht bevor es gefunden wurde, insofern ist es nur wenige Stunden alt gewesen. Es wurde wahrscheinlich unmittelbar nach der Geburt dort abgelegt. Es handelt sich um ein Mädchen und die Spuren haben gezeigt, dass es noch nicht lange auf der Welt war.“

Doch wie kam das Kind auf den Garagenhof, am Ende dieser Sackgasse in der Kantstraße?
Wer hat es dort mitten in der Nacht abgelegt?
Direkt neben dem Fundort ist ein Bahndamm, eine Regionalbahnstrecke. Lange Zeit wurde nicht ausgeschlossen, dass das neugeborene Mädchen aus einem der vorbei fahrenden Züge geworfen wurde…

Katrin Laurisch, Polizei Potsdam:
„Es gibt auch zwei Baureihen von Zügen, die dort verkehren, wo sich die Fenster soweit öffnen lassen, dass man ein Bündel aus dem Fenster werfen könnte. Aber im Laufe der Ermittlungen haben wir jetzt festgestellt, z.B. anhand des Verletzungsbildes des Kindes, dass dies nicht mehr favorisiert wird. Also wir gehen derzeit davon aus, dass das Kind nicht aus dem Zug geworfen wurde.“

Also muss das tote Kind direkt zum Garagenhof gebracht worden sein, eingewickelt in dieses Handtuch der Marke „Facotti“ mit dem auffälligen Schriftzug „Fitness“.
Für die Polizei zunächst ein wichtiger Ermittlungsansatz….

Katrin Laurisch, Polizei Potsdam

„Wir hatten anfangs die Hoffnung, dass es sich dabei um ein Produkt handelt, was beispielsweise von einer Fitnesskette an Neumitglieder ausgegeben wird. Dann hätten wir einen sehr kleinen Kreis von Tatverdächtigen oder Personen gehabt für eine Überprüfung. Leider haben sich die Ermittlungen dahingehend entwickelt, dass es sich um ein Massenprodukt handelt, seit 2004 europaweit vertrieben, u.a. über die Discounterkette Aldi Nord und Süd.“

Dennoch ist dieses Handtuch für die weiteren Ermittlungen von entscheidender Bedeutung.
Die Experten vom Landeskriminalamt Brandenburg sichern daran verschiedene biologische Spuren. Sie bilden die Grundlage für eine DNA Analyse.

Dr. Elke Ackermann, Sachverständige für Gerichtsbiologie:

„Wir haben zwei verschiedene DNA-Profile festgestellt. Ein DNA-Profil stimmt mit dem überein, was dem Vergleichsprofil des toten Säuglings zugeordnet werden kann und ein weiteres DNA-Profil kann von der möglichen Mutter stammen, da sich in diesem DNA-Profil ein Merkmal von dem Kind widerspiegelt.“

Doch lassen sich aus der DNA der Mutter nicht noch mehr Informationen herausholen? Etwa persönliche Merkmale, die den Ermittlern bei ihrer Fahndung helfen könnten?

Dr. Elke Ackermann, Sachverständige für Gerichtsbiologie:
„In dem DNA-Analyseverfahren, was wir hier in der modernen Forensik anwenden, sind solche Aussagen nicht möglich. Das heißt, wir untersuchen in einem Bereich, wo Augenfarbe, Haarfarbe oder Körperstatus nicht nachgewiesen werden können, sondern nur individuelle Merkmale, die im nicht kodierenden Bereich liegen.“

Würde man in einem anderen Bereich der DNA suchen, ließen sich also Informationen zum Aussehen einer Person finden. Doch das ist in Deutschland aus Datenschutzgründen verboten.
So bleibt nur der genetische Fingerabdruck, der die Mutter aber zweifelsfrei überführen kann,...wenn sie gefunden wird.

Katrin Laurisch, Polizei Potsdam:

„Fünf Wochen nach der Tat haben wir immer noch die Hoffnung, dass die Mutter ihr Gewissen erleichtern möchte, sich entweder selbst der Polizei anvertraut oder sich Freunden oder Bekannten anvertraut und sich diese Bekannten oder Freunde an die Polizei wenden.“

Eine wichtige Spur könnte auch ein dunkles Auto sein, das am 22. Dezember kurz vor Mitternacht hier im Garagenhof gesehen wurde. Ein Auto mit PM…. Kennzeichen. Der Fahrer und mögliche Insassen werden als Zeugen gesucht.
Und wer weiß, wo eventuell solch ein Handtuch fehlt, oder eine Frau schwanger war und nun ohne Baby lebt.
Ihre Hinweise – auf Wunsch auch anonym - bitte an die Polizei in Potsdam unter 0331 55 080 oder an jede andere Polizeidienststelle!
Sie können Ihre Hinweise – ebenfalls anonym – auch an die Internetwache Brandenburg: www.internetwache.brandenburg.de richten.

Dieser Text gibt den Sachstand vom 29.01.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/taeteropferpolizei/archiv/taeter___opfer___polizei39/wer_ist_die_mutter.html

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