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Schon früh zeigen sich erste Symptome seiner späteren Besessenheit. Im Wahlkampfjahr 1976 ist Stauss in seinem baden-württembergischen Heimatort der wohl einzige Elfjährige mit einem SPD-Wimpel am Bonanza-Rad. Auf einer Fahrt im Wagen seiner Eltern berauscht er sich kurz vor der Bundestagswahl 1980 an der Zustimmung überholender Autofahrer, die per Lichthupe seinen selbstgebastelten Helmut-Schmidt-Button honorieren.
Den Startschuss für seine Karriere als professioneller Wahlkampfberater erlebt Frank Stauss als junger Politik-Student in Washington, DC. Hier ergattert er einen Job in der riesigen Kampagnenmaschinerie, die Bill Clinton wenig später den Weg ins Weiße Haus ebnet. Zurück in Deutschland heuert er bei einer bekannten Düsseldorfer Werbeagentur an, die auch die SPD zu ihren Kunden zählt. Gemeinsam mit seinem engagierten Team führt er in den kommenden zwei Jahrzehnten für seinen politischen Klienten auf Landes- und Bundesebene über zwanzig hart ausgefochtene, teilweise legendäre Wahlkämpfe.
In seinem Buch "Höllenritt Wahlkampf" liefert der 48-jährige Kampagnenprofi jetzt spannende Einblicke in die inneren Zirkel der Wahlkampfzentralen und schildert eindrucksvoll die ausgetüftelten Strategien zur Stimmenjagd. Auch wenn Stauss im aktuellen Wahlkampf nur Beobachter ist, weiß er genau, wie mit welchen Mitteln die politischen Strippenzieher im anstehenden Endspurt um die Wählergunst operieren. Für ihn selbst, der früher bei besonders dramatischen Wahlrennen mit Hautausschlag reagierte, ist in diesem Sommer dramaturgisch jedenfalls noch deutlich Luft nach oben: „Das Heißeste am Wahlkampf ist bislang das Wetter.“
Bei "THADEUSZ" spricht Stauss über die Relevanz von Politikerfrisuren und zur Raute geformten Fotohändchen, erzählt, warum auch in den kommenden Wochen der Wind noch rasch die Richtung wechseln kann und erläutert, warum er für Nichtwähler ähnlich starke Zuneigung empfindet wie für Gaffer an einer Unfallstelle.


