- Gerd Ruge

Es gibt immer weniger Menschen, die die bedeutenden Ereignisse der Nachkriegsgeschichte in Ost und West persönlich erlebt und von diesen auch noch berichtet haben. Es gibt noch weniger, die dies auf eine so präzise und fesselnde Art und Weise getan haben und tun, wie er: der Journalist Gerd Ruge. Im August feiert er seinen 85. Geburtstag und hat mit "Unterwegs" gerade seine politischen Erinnerungen veröffentlicht.

1928 in Hamburg-Hamm geboren, zeichnet sich Gerd Ruge schon früh dadurch aus, dass er seinen Horizont stets erweitern will. Die Nationalsozialisten sind ihm verdächtig, den Krieg übersteht er, ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Seine Neugier und sein Streben nach Erkenntnis bringen ihn zum Rundfunk beim damaligen NWDR.

Mit 21 wird er der erste deutsche Journalist, der aus Titos Jugoslawien berichten darf. Schon in den Fünfziger Jahren ist er in Korea und Vietnam und wird 1956 erster Korrespondent der ARD in Moskau. Zurück in Deutschland hebt er den „Weltspiegel“ mit aus der Taufe und wird zum Mitbegründer von "amnesty international" in Deutschland.

Ab 1962 ist er White-House Korrespondent und hat die traurige Pflicht, von den Morden an den Kennedys und an Martin Luther King zu berichten. Unter Bundeskanzler Willy Brandt ist Gerd Ruge Chef des Bonner ARD-Studios und informiert direkter denn je aus dem Bundestag. Danach zieht es ihn erneut hinter den "eisernen Vorhang". Für die "Welt" berichtet er aus Peking und geht 1977 für die ARD wieder nach Moskau. Zurück in Deutschland leitet Gerd Ruge in den Achtziger Jahren den WDR und Fernsehmagazine wie "Monitor" und den "Weltspiegel". Doch er wäre nicht "Gerd Ruge aus Moskau" geworden, wenn er nicht von 1987 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1993 abermals von dort berichtet hätte.

Der Ruheständler Gerd Ruge ist nun freier Journalist, in Fernseh-Dokumentationen berichtet er von Orten und Menschen, die zwar abseits der tagesaktuellen Berichterstattung liegen, jedoch häufig tiefere Einsichten versprechen.

Bei "THADEUSZ" versucht Gerd Ruge zu erklären, warum er bei so vielen historischen Ereignissen anwesend war und ihm fast nie die Worte fehlten, wie Wodka das Arbeitsleben verändert und warum seine Arbeit als Journalist nie endet.