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Er ist ein Grüner der ersten Stunde. Und das mit Herzblut. Gleich 1980 trat er der damals neu gegründeten Partei bei. Fünf Jahre später saß er bereits als Fraktionsvorsitzender der Grünen im niedersächsischen Landtag, traf dort auf Gerhard Schröder, der ihn 1990 zum Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten machte. Gemeinsam mit Schröder sitzt er dann auch 1998 in der ersten rot-grünen Bundesregierung als Bundesumweltminister.
War er früher noch als linker Provokateur verschrien, entwickelte er sich zum ministrablen Strategen. Er brachte das Kyoto-Protokoll auf den Weg, etablierte das Dosenpfand und setzte sich für die Förderung der erneuerbaren Energien ein. Jetzt ist Jürgen Trittin erneut Spitzenkandidat der Grünen für die Wahl 2013.
Geboren wird Jürgen Trittin 1954 in Bremen. Er wächst mit zwei jüngeren Geschwistern in einer bürgerlichen Familie auf. Vater Klaus Trittin diente während des Zweiten Weltkriegs als Freiwilliger in Fronteinsätzen in der Waffen-SS und war seit 1942 NSDAP-Mitglied.
Diese Vergangenheit ließ Jürgen Trittins Vater nicht mehr los. Er redete, anders als andere Männer seiner Generation, offen über seine Vergangenheit. Klaus Trittin besucht mit seinen Söhnen das KZ Bergen-Belsen und mahnte sie mit den Worten: "Guckt euch das an, das haben wir verbrochen. So etwas dürft ihr nie wieder zulassen". Möglicherweise hat dies zur politischen Orientierung von Jürgen Trittin beigetragen. Er positionierte sich als Heranwachsender politisch links, war während des Studiums Mitglied des Kommunistischen Bundes und gehört dem linken Flügel der Bündnisgrünen an.
Obwohl in der eigenen Partei nicht unumstritten wählten die Bündnisgrünen Jürgen Trittin 2012 erneut zu ihrem Spitzenkandidaten. Gemeinsam mit Katrin Göring-Eckhardt zieht er nun in den Wahlkampf. Im Fall einer rot-grünen Mehrheit oder auch einer schwarz-grünen Koalition dürfte Jürgen Trittin das Amt des Vize-Kanzlers und Finanzministers fest im Blick haben. Damit wäre er dann der wichtigste Grüne in der Regierung. Bemerkenswert, denn lange galt Trittin als Rüpel, als Hausbesetzer und Ex-Kommunist, der das System stürzen wolle. Und das Misstrauen war auf beiden Seiten. Über viele Jahre hinweg stand Deutschland bei Jürgen Trittin unter Generalverdacht, überall sah er die Gefahr eines neuen Faschismus heraufziehen.
Heute ist der Hobbykoch in der Rolle des politischen Profis und Fast-Staatsmanns akzeptiert. Er hat sich mit dem Land ausgesöhnt und das Land mit ihm.
Bei "THADEUSZ" erzählt Jürgen Trittin wie oft er als eingefleischter Werder Bremen Fan ins Stadion geht, warum er nie einen Führerschein gemacht hat und warum er nach seinem Herzinfarkt bereits nach acht Wochen wieder Politik gemacht hat.


