Thadeusz und Marcel Reif; Quelle: rbb

- Marcel Reif

Für eine ganze Generation Fußballbegeisterter sind seine Kommentare wahlweise Zumutung oder Hochgenuss, nicht wenige halten ihn sogar für den Besten seines Metiers. Fest steht jedenfalls: Ob aus den Stadien der Bundesliga oder von Spielen der Weltmeisterschaft - seit Marcel Reif mittlerweile fast 20 Jahre lang von der Jagd auf das runde Leder berichtet, klingt Fußballberichterstattung modern, wortgewandt und lässig.

Seine Stimme machte historische Fußballdramen fassbar: Bayerns "Zwei Minuten-Tod" in Camp Nou, Lars Rickens Jahrhunderttor gegen Juventus Turin oder die Menschwerdung des Torwarttitans Oliver Kahn im Finale von Yokohama sind untrennbar mit Reifs "kontrollierter Verbaleskalation" verbunden. Es ist Ironie des Schicksals, dass ihn ausgerechnet ein Spiel, das nie angepfiffen wurde, endgültig zur Legende werden ließ. Für seinen meisterhaft unterhaltsamen Augenzeugenbericht des "Torfalls von Madrid" erhielt er gemeinsam mit Günter Jauch den Bayerischen Fernsehpreis.

Der in Schlesien geborene Sohn eines Holocaust-Überlebenden kickte als Jugendlicher für die Landesauswahl des 1. FC Kaiserslautern, bevor er seine Leidenschaft für den Journalismus entdeckte. Beim ZDF in Mainz startete Reif seine Karriere zunächst in der "heute" –Redaktion, doch sein Traum als politischer Korrespondent nach London zu gehen, scheiterte am fehlenden Parteibuch.

Stattdessen lockte ihn Sportchef Dieter Kürten zurück zum Fußball. Mit der Jahrtausendwende entschied sich Reif für einen Wechsel zu den Privaten. Bei RTL war er jahrelang Chefkommentator, und mittlerweile gibt es ihn nur im Abo: Beim Bezahlsender SKY wird er Ende Mai das Finale einer furiosen Champions-League-Saison kommentieren.

Bei "THADEUSZ" berichtet Marcel Reif von den Highlights und Abgründen aus zwei Jahrzehnten Stadiontournee, erzählt , in welcher Sprache Torjubel am schönsten klingt und verrät seine persönliche Liste verbotener Fußballphrasen.