Rainer Eppelmann und Jörg Thadeusz (Quelle: rbb)

- Rainer Eppelmann

Als die Arbeiter auf zwei Berliner Großbaustellen am 16. Juni 1953 die Arbeit niederlegen und sich auf den Weg zum Haus des Ministerrats der DDR machen, ist ihnen nicht klar, dass sie damit den ersten Aufstand im sowjetischen Machtbereich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auslösen. Doch schon am 17. Juni erfassen die Proteste das ganze Land, und die Regierung weiß sich nur noch mit einem Hilferuf nach Moskau zu helfen.


Der Aufstand wird blutig niedergeschlagen und die wankende Macht der SED wieder hergestellt.

Der damals zehnjährige Rainer Eppelmann sieht am 18. Juni vom Fenster der elterlichen Wohnung in der Pankower Maximilianstraße das Ergebnis dieser militärischen Intervention. Ein sowjetischer Panzer rollt durch die Straße, und ein älteres Ehepaar winkt den Soldaten begeistert zu. Eine Szene, die das Kind schockt, hat doch der Vater von der brutalen Niederschlagung der Proteste berichtet.

Rainer Eppelmann lässt sich von diesem Kindheitserlebnis jedoch nicht einschüchtern - im Gegenteil: In den achtziger Jahren wird er zunächst "Staatsfeind Nr. 1". Später - die DDR neigt sich ihrem Ende entgegen- sogar "Minister für Abrüstung und Verteidigung".

Der erste Bruch in seiner Biografie kommt mit dem Mauerbau 1961. Er kann sein Gymnasium in West-Berlin nicht mehr besuchen, und in der DDR bleibt dem jungen Christen der Weg zum Abitur verwehrt. Rainer Eppelmann wird Maurer und arbeitet bis zur nächsten Kollision mit der Staatsmacht in diesem Beruf.

1964 verweigert er zuerst den Wehrdienst und dann als Bausoldat das Gelöbnis, was ihm acht Monate Gefängnis einbringt. Mit 26 Jahren ergreift er die Chance zur Ausbildung an der Predigerschule Paulinum und wird anschließend Pfarrer in der Berliner Samaritergemeinde. Seine Kirche wird zu einem Zentrum der Widerstandskultur, seine "Blues-Messen" sind in der DDR legendär und der von ihm 1988 gemeinsam mit Robert Havemann verfasste "Berliner Appell" ist richtungsweisend für die Friedensbewegung.

Bei THADEUSZ erzählt Rainer Eppelmann, woher er den Mut zur Opposition nahm und wie es sich anfühlt von Erich Honecker gehasst zu werden. Der Vorsitzende des Stiftungsrates der "Stiftung zur Aufarbeitung der SED Diktatur" spricht außerdem darüber, was ihn heute an Menschen in DDR-Uniformen stört.