Sie sind hier:
rbbonline | Übersicht


Seite 1 von 5
Wer sind die Wähler der Parteien gewesen und was waren ihre Motive? Welche Wähler haben die Seiten gewechselt und für wen haben sie gestimmt? Wie hat der Ost- und der Westteil der Stadt abgestimmt? Und welche Themen haben die Wahl bestimmt? Eine Analyse des Wahlverhaltens.
Wählerwanderung – wer hat wohin gewechselt?
Neu nach Berlin gezogene Wähler haben sich vielfach für SPD, Grüne oder Piraten entschieden. Die CDU konnte viele ehemalige FDP-Wähler für sich gewinnen. Die Linke hat unter anderem nennenswerte Einbußen in Richtung Piraten zu verbuchen. Die FDP hat in alle Lager verloren.
Die SPD hat bei der Abgeordnetenhauswahl in fast alle politischen Richtungen verloren, am stärksten an die Grünen (-18.000), die Piraten (-14.000) und an die CDU (-12.000). Positiv macht sich für die Sozialdemokraten die Wahlentscheidung neu zugezogener Wähler bemerkbar (+31.000).
Die CDU gewinnt 30.000 Stimmen von der FDP hinzu und kann darüber hinaus im Umfang von 19.000 Stimmen von Zuzügen nach Berlin und einem Zustrom ehemaliger SPD-Wähler (+12.000) profitieren. Die Abwanderung an die Piratenpartei fällt mit minus 4.000 Stimmen gering aus.
Die Linkspartei verliert Stimmen an die Konkurrenz im linken Parteienspektrum und durch Generationenwechsel: Rund 13.000 frühere Linke-Wähler haben sich diesmal für die Piratenpartei entschieden. Fast genauso viele Stimmen büßt die Partei wegen ihrer überalterten Wählerschaft ein. Dem stehen nur geringe Zuwächse von Neu-Berlinern und aus dem Nichtwählerlager gegenüber.
Die Grünen finden großen Zuspruch bei neuen Hauptstadtbewohnern (+49.000) und erst in zweiter Linie durch den Zustrom ehemaliger SPD-Wähler (+18.000) und von kleineren Parteien (+6.000). Auch die Mobilisierung ehemaliger Nichtwähler (+9.000) und von Erstwählern (+5.000) kam den Grünen zugute. In der Summe sind die Grünen die Partei mit dem zweitgrößten absoluten Stimmenzuwachs – nach den erstmals angetretenen Piraten.
Die FDP verliert Wähler in alle politischen Richtungen, am stärksten in Richtung CDU (-30.000), an das Nichtwählerlager (-14.000), an die SPD (-7.000) und die Piraten (-6.000).
Der Einzug der Piraten hat seine Ursache vor allem in der Mobilisierung ehemaliger Nichtwähler (+23.000). Auch die Zugewinne von anderen kleinen Parteien (+22.000) und durch Zugezogene (+20.000) schlagen deutlich zu Buche. Sie profitieren aber auch nennenswert von ehemaligen Grünen-Wählern (+17.000), früheren SPD- (+14.000) und Linken-Anhängern (+13.000) sowie Erstwählern (+12.000).
Parteientreue
Von den Wählern, die auch 2006 ihre Stimme abgegeben hatten, blieben 65 Prozent der damals gewählten Partei treu, rund ein Drittel (35 Prozent) wählte eine andere Partei.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
http://www.rbb-online.de/themen/dossiers/berlin_wahl_2011/wahl/aktuell/deutliche_unterschiede.html