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Berlinale
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Goldener Bär (dpa-Februar 2010)

60. Berliner Filmfestspiele

Die Party kann beginnen

Die Filmfestspiele machen in ihrem 60. Jahr der ganzen Stadt ein Geschenk: Wichtige Filme laufen diesmal nicht nur in den großen Festivaltheatern, sondern auch in den kleinen Kiezkinos. rbb-Filmexperte Knut Elstermann über Filme, Stars und Erwartungen vor der Jubiläums-Berlinale.

Wie könnte es anders sein: Das Berlinale-Programm wird im 60. Jahr der Filmfestspiele von der Aura der Filmgeschichte umgeben sein. In der Reihe "Play-it-again" werden filmische Höhepunkte der vergangenen sechs Jahrzehnte noch einmal zu sehen sein. Die nach der aufwändigen Restaurierung nun fast vollständige Fassung des Stummfilm-Klassikers "Metropolis" erlebt ihre Uraufführung und auch ein Dokumentarfilm über die Festival-Geschichte wird seine Premiere in Berlin feiern: "Die Spur der Bären".

Große Persönlichkeiten, die bleibende Spuren hinterlassen haben, werden mit Ehrenbären belohnt, sorgsam paritätisch verteilt. Der gefeierten Fassbinder-Schauspielerin Hanna Schygulla aus der alten Bundesrepublik ist eine Hommage gewidmet, ebenso wie dem glänzenden Drehbuchautor aus der DDR, Wolfgang Kohlhaase. Ein besonderes Bonbon bieten die Festivalmacher den Besuchern des Wettbewerbs. Vor jedem Film gibt es kleine, liebevoll geschnittene Einspieler mit Raritäten aus der Festivalgeschichte und der Berichterstattung darüber: bewegende, glanzvolle, aber auch komische Momente.

Roman Polanski (dpa-Archivbild)

Roman Polanski  

Es spricht für die Publikumsfreundlichkeit der Berlinale, dass nicht einfach eine festliche Gala die andere jagt. Stattdessen haben die Filmfestspiele der ganzen Stadt ein Geschenk gemacht: Wichtige Filme laufen diesmal nicht nur in den großen, gewohnten Festival-Filmtheatern, sondern auch in den kleinen Kiezkinos, die sich täglich mit vielen Schwierigkeiten und der harten Konkurrenz durch die Multiplexe herumzuschlagen haben.

Doch bei allen Festlichkeiten, Ehrungen und Retrospektiven wird dies auch ein ganz normales Filmfestival sein, dass seinem Anspruch, zu den wichtigsten der Welt zu gehören, gewissermaßen im Alltag des Wettbewerbs und der Nebenreihen gerecht werden muss. Mit einigen großen Namen kann der Wettbewerb, das Kernstück des Berlinale-Programms, aufwarten. Und viele von ihnen sind eng mit der Festivalgeschichte verbunden: Roman Polanskis Polit-Thriller "Der Ghostwriter" mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor läuft in der Konkurrenz. Polanski erhielt 1966 einen Goldenen Bären für "Wenn Katelbach kommt".

Berlinale-Jury 2010 (dpa)

Berlinale-Jury 2010 

Der internationale Aufstieg von Zhang Yimou, heute der berühmteste Regisseur Chinas, begann in Berlin, als er 1988 den Goldenen Bären für "Das rote Kornfeld" gewann. In diesem Jahr kommt er mit seinem neuen Film "A Women, A Gun and A Noodlesoup" zur Berlinale. Auch in der Jury sitzt übrigens ein Künstler, der schon Berlinale-Ruhm erlangte. Präsident Werner Herzog erhielt gleich für sein Debüt "Lebenszeichen" den Silbernen Bären für den besten Nachwuchsfilm 1968.

Neben diesen Regie-Stars vermochte es die Berlinale aber auch, junge Talente an sich zu binden und damit zu einer Bühne des Nachwuchses zu werden. Der chinesische Regisseur Wang Quan’an, einer der bedeutendsten chinesischen Autorenfilmer der jüngeren Generation, wurde 2007 für seinen Film "Tuyas Hochzeit" mit dem Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet. In diesem Jahr eröffnet er sogar die Filmfestspiele. "Apart together" erzählt die Geschichte einer großen Liebe und schildert zugleich die Tragödie eines geteilten Landes.

Wettbewerb: Shahada

Wettbewerb: Shahada  

Auch Jasmila Zbanic aus Bosnien gewann schon einen Goldenen Bären, 2006 für "Esmas Geheimnis". Jetzt kehrt sie mit "On the Path" nach Berlin zurück. Sie erzählt von einem muslimischen Paar. Während der Mann durch seine Arbeitslosigkeit sich immer mehr radikalisiert, versucht die Frau, die Normalität ihrer Ehe zu wahren. Damit schlägt die Regisseurin ein wichtiges Thema dieser traditionsgemäß sehr politischen Filmfestspiele an: die zunehmende Islamisierung. Davon berichtet auch der deutsche Beitrag "Shahada", das Debüt von Burhan Qurbani, der als Kind afghanischer Eltern in Deutschland aufwuchs. Der Episodenfilm spielt während des Fastenmonats Ramadan und erzählt von drei jungen Muslimen in Deutschland, die in schwere Krisen geraten.

Das Nachdenken über die Lebens- und Gedankenwelt von Moslems zieht sich auch durch andere, überaus vielfältige Sektionen wie Forum (hier herausragend: "Leben in Gaza") und Panorama, das mit "Budrus" einen bemerkenswerten Film über die Grenzziehungen und ihre Auswirkungen im Nahen Osten zeigt.

Besonders eindrucksvoll präsentieren sich in diesem Jahr die Sektionen Generationen und Kplus, also das Programm für Kinder und Jugendliche, in dem es so viele problembewusste, formal spannende und sehr berührende Filme gibt, dass man Erwachsenen nur raten kann, möglichst viel dort zu sehen. Der Eröffnungsfilm der Generationen "Road Movie" aus Indien beschreibt ein rollendes Filmtheater, das Träume in entlegene Winkel bringt. Es ist somit eine schöne Hommage an das Kino überhaupt – wie passend zum großen Fest in Berlin.

Knut Elstermann

Stand vom 10.02.2010

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 10.02.2010 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Logo der 60. Internationalen Filmfestspiele Berlin (Quelle: Berlinale)

Filme der Berlinale

Filmszenen aus den Wettbewerbsfilmen 'Shutter Island', 'My name is Khan', 'The Killer inside me' (Quelle: Pressfotos/berlinale.de)

Berlinale 2010

Die Wettbewerbsfilme der 60. Berlinale

Im Wettbewerb werden auch im Jubiläumsjahr der Berlinale 26 internationale Filme gezeigt. Neben vielversprechenden Newcomern sind unter den Regisseuren auch große Namen dabei. _mehr

Filmszenen aus 'Schwerkraft' und 'Cindy liebt mich nicht', Sektion 'Perspektive Deutsches Kino' (Quelle: berlinale.de)

Berlinale 2010

Perspektive Deutsches Kino

In der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" präsentieren deutsche Filmemacher ihre Werke. Die jungen Regisseure thematisieren sowohl Sozialkritisches als auch Politisches. 2010 laufen 14 Filme in dieser Reihe. _mehr

Wieland Speck, Sektionsleiter von Panorama (Quelle: dpa)

Panorama

Lebendige Einblicke

Nach Auswahlreisen durch Asien, Nord- und Südamerika sowie Europa steht inzwischen die Hälfte der insgesamt 50 Filme fest. Sie bieten einen lebendigen Einblick in das Weltkino-Schaffen zur Zeit der Krise. _mehr

Staunende Kinder (Quelle: rbb)

Kinder- und Jugendfilm

Programm und Eröffnungsfilme von Generation

Vom Melodram über Science-Fiction bis zum Musical – Generation steht auf einem breiten filmischen Fundament. Insgesamt 56 Kurz- und Langfilme sind im Programm.
_mehr

Filmstill Kings of Pastry, Kulinarisches Kino 2010 (Quelle: berlinale.de)

Gaumenfreuden für Cineasten

Food for Love: Kulinarisches Kino beginnt

Am Sonntag eröffnete das 4. Kulinarische Kino der Berlinale. "In The Food For Love" lautet das diesjährige Motto. _mehr

© Rundfunk Berlin-Brandenburg

http://www.rbb-online.de/themen/dossiers/berlinale/berlinale/teaser/die_party_kann_beginnen.html

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