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rbbonline | Flughafen BER | Der lange Weg zum BER


Den Chefposten im Flughafen-Aufsichtsrat hat er bereits aufgegeben und wenn es nach der Opposition ginge, dann sollte Klaus Wowereit auch seinen Job als Regierender Bürgermeister an den Nagel hängen. Am Drehbuch seines Rückzuges wird bereits gearbeitet, meint Jan Menzel, rbb Landespolitik.
The Show must go on. Das ist in der Politik nicht anders als in der Unterhaltungsindustrie. Auch bei Generaldebatten gilt: Jeder hat seine Rolle zu spielen. So gesehen hat Klaus Wowereit im Abgeordnetenhaus einen guten Job gemacht. Kämpferisch, sachkundig, aber auch nachdenklich bis zaghaft selbstkritisch parierte der Regierungschef die Attacken der Opposition und machte, was vor allem die Koalition dringend brauchte: Er zeigte, dass er noch will und nicht längst aufgegeben hat. Das war wichtig, weil zuletzt der Eindruck da war, dass der Regierende innerlich längst hingeworfen hat.
Und die Opposition? Auch sie tat was das Drehbuch vorsieht. Den Schaden für die Stadt und ihr Ansehen in der Welt in den schlimmsten Farben ausmalen. Das hohe Gut der Verantwortung, die es zu übernehmen gilt, beschwören und den Chef immer wieder daran erinnern, dass es seine Chefsache ist, die da an die Wand gefahren ist.
Hinter den Kulissen laufen die Szenarien
So weit also zur Aufführung auf der großen politischen Bühne: Das wirklich spannende findet aber hinter dem geschlossenen Vorhang statt. Spannend ist, wie die SPD ihren gefallenen Star mühsam wieder aufpäppelt und von einem Rückzug aus der Politik abhalten musste, auch wenn jetzt alle behaupten, dass das Wort Rücktritt nie gefallen sei. Spannend ist, dass sich CDU und SPD in Berlin offenbar in die Hand versprochen haben, ihre Koalition in jedem Fall bis zum Ende Legislatur durchziehen zu wollen. Egal ob nun mit Klaus Wowereit oder einem respektive einer anderen an der Spitze.
Spannend ist auch, dass jetzt hinter den Kulissen am Drehbuch für einen geordneten, möglichst ehrenvollen und für CDU und SPD vorteilhaften Abgang Wowereits geschrieben wird. Denn dieser Moment wird kommen, nicht in ein paar Tagen sondern eher in ein paar Wochen oder Monaten. Dieser Tag wird ein echter Einschnitt werden: Mit Klaus Wowereit wird es sich verhalten wie mit einem lieb gewonnen Sofa, das an der einen oder anderen Ecke etwas abgewetzt und über das man sich manchmal ärgert, weil es im Weg steht und man sich daran stößt.
Aber irgendwie gehört das Sofa auch nach all den Jahren dazu, was nicht heißen muss, dass das gute Stück auf immer und ewig in prominentester Stelle im Wohnzimmer stehen bleibt.
Jan Menzel, rbb Landespolitik.
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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