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rbbonline | Friedrich - Porträt


Sanssouci, Staatsoper Unter den Linden oder Gendarmenmarkt: Die Bauten, die Friedrich der Große in Auftrag gab, bilden bis heute die Wahrzeichen der Region. Die ersten Entwürfe dafür stammen zumeist aus der Feder des Königs selbst.
Das erste Bauprojekt des jungen Friedrich ist Schloss Rheinsberg. Nach seiner Hochzeit mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern schenkt König Friedrich Wilhelm seinem Sohn einen heruntergekommenen Herrensitz am Grienericksee im Norden Brandenburgs und lässt ihn für das junge Paar herrichten und ausbauen. Der neue Hausherr ist mit dem Ergebnis unzufrieden und erweitert den Bau zu seiner dreiflügeligen Anlage mit zwei charakteristischen Rundtürmen. In einer der Turmstuben richtet er sich sein Studierzimmer mitsamt Bibliothek ein. Die dem See zugewandte Seite des Hofs schließt eine Kolonnade ab. Das Schlösschen bietet dem munteren, kunstsinnigen Hof des Kronprinzen eine würdige Bühne. Mit der Ausarbeitung und Verwirklichung der Pläne betraut er Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, den er später mit weit ehrgeizigeren Vorhaben beauftragen wird.
Kunst und Macht
Bald nachdem Friedrich 1740 den Thron besteigt, entwirft er ein umfangreiches Projekt zur Umgestaltung Berlins. Er will die Hauptstadt mit einem neuen Herzstück versehen und am östlichen Ende der Straße Unter den Linden einen großzügigen Platz mit einem königlichen Palais, einem Opernhaus und einem für Ballspiele bestimmten Ballhaus umgeben. Unter Knobelsdorffs Leitung wird noch während des Ersten Schlesischen Krieges 1740–42 das Opernhaus in Angriff genommen.
Ab 1747 errichtet Knobelsdorff auch die katholische Hedwigskirche südlich der Oper. Zeitgleich entsteht unter Johann Boumann die Residenz, die ursprünglich für den König geplant war, dann aber seinem Bruder Heinrich als Berliner Wohnung dient. Knapp 30 Jahre später fügt der Architekt Georg Christian Unger an der westlichen Seite des Platzes neben Oper und Kirche die königliche Bibliothek hinzu. Das Ensemble rund um den heutigen Bebelplatz, dessen Bauten die Harmonie von Macht, Kunst, Religion und Wissenschaft verkörpern, erhält im 19. Jahrhundert den Namen Forum Fridericianum.
Das Schlösschen auf dem Weinberg
Seit Mitte der 1740er Jahre kümmert sich Friedrich um ein neues Heim in Potsdam, der Zweitresidenz der Preußenkönige. Vor dem Brandenburger Tor liegt der baumlose "Wüste Berg", auf dem nach des Königs Willen ein "Weinbergs-Lusthaus" entstehen soll. Wie auch schon bei vorangegangenen Bauvorhaben zeichnet er auch für sein Lieblingsprojekt eigenhändig erste Entwürfe. Zuerst entstehen sechs gemauerte, mit Nischen versehene Terrassen, an deren Wänden Weinreben und Feigenbäume wachsen. Auf der oberen Plattform thront ein kleiner Schlossbau mit einem ovalen, kuppelbekrönten Marmorsaal im Zentrum.
In diesem Saal trifft sich die berühmte Tafelrunde um Friedrich und Voltaire. Hier ist der König "sans souci", ohne Sorge, und lässt neben dem Schloss seine Grabstätte anlegen. Während seiner Jahrzehnte in Sanssouci nimmt er zudem regen Anteil am Ausbau des großzügigen Parks. Das Schloss dient ihm als Sommerresidenz und Lustschloss, von hier aus regiert er sein Land. Für große Feierlichkeiten ist sein geliebtes Sanssouci aber zu klein. Für sie ist das Potsdamer Stadtschloss vorgesehen, das Friedrich während der kalten Jahreszeit bevorzugt bewohnt und nach seinen Wünschen umgestalten lässt.
Kirchenbauten des Philosophenkönigs
Friedrich macht sich selbst zwar nichts aus Religion, lässt aber eine ganze Reihe von Kirchen errichten, da er es für nützlich und notwendig hält, das Volk zum Gottesdienst anzuhalten. Von besonderer Bedeutung ist die Hedwigskirche in Berlin. Es ist außergewöhnlich, dass ein protestantischer Fürst inmitten seiner Hauptstadt eine katholische Kirche Bauen lässt. Sie gibt der Toleranzpolitik des Preußenkönigs ihren architektonischen Ausdruck, nicht nur durch ihre bloße Existenz, sondern durch ihre am Pantheon in Rom orientierte Architektur. Alle Götter und Glaubensrichtungen gelten gleich viel, soll das heißen.
Im gleichen Geist ist auch das Invalidenhaus bei Berlin gestaltet, in dem den protestantischen wie auch den katholischen Veteranen gleich große, symmetrisch angeordnete Kapellen zur Verfügung stehen. Außerdem lässt er 1780–85 die deutsche und die französische Kirche am Gendarmenmarkt großzügig erweitern; schon 1753 schenkt er der reformierten Gemeinde in Potsdam die von Knobelsdorff entworfene Französische Kirche. Ebenfalls von Knobelsdorff sowie von Boumann stammen die Pläne für den Neubau des neben dem Schloss gelegenen Berliner Domes, dem Vorgänger des heutigen Baus an dieser Stelle.
Das Siegeszeichen
Der Siebenjährige Krieg bringt Preußen und Friedrich an den Rand des Abgrunds. Umso wichtiger ist es dem König, sich als den Sieger des Konflikts darzustellen. Seine Konkurrenten sollen sehen, dass seine Kassen auch nach einem langen Krieg noch immer gut gefüllt sind. Rund einen Kilometer westlich von Sanssouci entsteht von 1763 bis 1769 mit dem Neuen Palais eine monumentale Fürstenresidenz mit einer 220 Meter langen Fassade, 200 Räumen, vier Festsälen, diversen Nebengebäuden und einem Figurenschmuck, der über 400 überlebensgroße Statuen umfasst. Friedrich nennt den Neubau dementsprechend auf Französisch eine "fanfaronnade", eine Prahlerei.
Das Neue Palais verfügt über Wohnungen für Verwandte und Freunde des Königs, Jahr für Jahr findet hier das große Familientreffen der Hohenzollern statt. Zwar zieht Friedrich nach wie vor Sanssouci und das Stadtschloss als Wohnsitz vor, doch lauscht er bis an sein Lebensende regelmäßig den Opern, die er im Theater des Neuen Palais aufführen lässt.
Jan Martin Ogiermann
© Rundfunk Berlin-Brandenburg
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