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Kleist-Jahr 2011
Rundfunk Berlin- Brandenburg
Sanierte Grabstätte Heinrich von Kleists am Kleinen Wannsee in Berlin (Quelle: Udo Bode / Bode, Williams und Partner)

Sanierung des Grabes

Eine würdevolle Ruhestätte für Heinrich von Kleist

Für manche war der Pfad verwunschen, für andere verwildert: Wer bislang das Grab des großen deutschen Dichters Heinrich von Kleist am Kleinen Wannsee besuchen wollte, der musste schon genau wissen, wohin der Weg gehen sollte. Kaum ein Reiseführer verwies auf die schlichte und versteckte letzte Ruhestätte, Besucher waren eher selten. Für die einen passte das Fleckchen Erde perfekt zu Kleist, die anderen bemängelten den schäbigen Zustand und die vollkommen verwilderte Umgebung.

Davon ist nun keine Spur mehr: Pünktlich zum 200. Todestag wurde die Grabstelle umfassend saniert. Das Grabmal selbst wurde instandgesetzt, der Grabstein restauriert und neu beschriftet, die umgebenden Gitter komplettiert, der Zugang barrierefrei angelegt und in einen Landschaftspark eingebettet. Vor allem Letzteres war dem Leiter des Berliner Amtes für Gartendenkmalpflege, Klaus Henning von Krosigk, wichtig: "Man soll sich dem Grab landschaftlich nähern können", so von Krosigk bei einer Pressekonferenz zur Neugestaltung des Grabes. Bei solchen Aufgaben gehe es eben nicht nur darum, lediglich Objekte wiederherzustellen. Man müsse sie eingebettet in die Kulturlandschaft sehen.

Blickfenster aufs Wasser

Hinweisschild zum Kleistgrab am Kleinen Wannsee (Quelle: dpa)

Hinweisschild zum Kleistgrab 

Von Krosigk ist von dem Ergebnis der Neugestaltung überzeugt. "Wenn man den neu angelegten Weg entlang geht, dann hat das etwas Biedermeierliches, eine ganz neue Erlebnisqualität", schwärmt er. Tatsächlich führen nun sowohl vom S-Bahnhof Wannsee als auch von den Schiffsanlegern zwei gut ausgeschilderte Wege zu der Anlage. Während des Spaziergangs zum Grab bieten sich dabei immer wieder Blickfenster auf den Großen und den Kleinen Wannsee – Ausblicke, die wegen des wuchernden Gestrüpps vorher nicht möglich waren. Stattdessen gebe es nun eine "offene, arkadenartige Landschaft", betont Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.

Pläne zur Sanierung der Grabstätte gab es schon lange: Bereits 1988 gab die Stadt ein Gutachten in Auftrag, das zum einen klären sollte, wo der wirkliche Sterbeort Kleists war, zum anderen aber ausloten sollte, wie sich der grüne Platz wiederherstellen lasse. „"or allem die Wende hat die Pläne aber damals in der Hintergrund rücken lassen", erinnert sich Lüscher.

Der Vergangenheit Zukunft geben

Doch auch die tatsächliche Realisierung der Neugestaltung kostete viel Überzeugungskraft – und Geld. Erst die Initiative von Ruth Cornelsen, Gründerin der Cornelsen Kulturstiftung, brachte den Stein ins Rollen. Cornelsen war über mehrere Zeitungsartikel gestolpert, die den verwilderten Zustand des Grabes beklagten. Eine Tatsache, die sie gerade angesichts des Jubiläumsjahres nicht hinnehmen wollte. Die Verlegerin und Kunstmäzenin versprach eine halbe Million Euro für die Sanierung, das Land Berlin legte noch einmal 425.000 Euro drauf. Zu ihrer Motivation erklärte Cornelsen: "Mir ist es immer ein Anliegen, der Vergangenheit Zukunft zu geben und sie optisch erfahrbar zu machen." Daher konzentriere sich ihre Stiftung auch auf Denkmalpflege in Berlin und Brandenburg.

Doch das finanzielle Engagement Cornelsens kam nicht überall gut an: "Ich bekam viele negative Briefe", sagt sie – mancher Schreiber habe ihr vorgeschlagen, für das Geld jedem Berliner Schüler ein Kleist-Buch zu schenken, andere fanden die Summe zur Instandsetzung eines Grabmals einfach viel zu hoch. Dazu kam der Widerstand der Anrainer, vor allem der Sportvereine, und der Naturschützer: Beide Gruppen wehrten sich vor allem gegen die landschaftliche Einbettung der Grabstätte. Vor allem Kulturstaatssekretär André Schmitz musste viel Überzeugungsarbeit vor Ort leisten, bis die Wege neu angelegt werden konnten. Hundertprozentig ist ihm das nicht gelungen: Der Schülerruderverband Wannsee weigert sich bis heute, ein Wegerecht einzuräumen, so dass der Pfad südlich des Kleinen Wannsees nun einen weiten Bogen beschreibt. Wie Ruth Cornelsen bekamen auch André Schmitz und die anderen Projektbeteiligten bitterböse Post. "Wir haben sogar den Chat auf unserer Kleist-Seite schließen müssen", erklärt Günter Blamberger, Präsident der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft.

Ein gedrehter Grabstein

Grabstein von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel (Quelle: Udo Bode / Bode, Williams und Partner

Grabstein auf dem Kleist-Grab 

Mit dem Ergebnis ist Blamberger nun allerdings vollends zufrieden: "Heinrich von Kleist ging heiter in den Freitod. Diese Heiterkeit wird mit dieser würdigen Gedenkstätte nun auch abgebildet." Vor allem füge sich diese harmonisch in die Reihe der anderen Denkmäler vor Ort ein, ergänzt Senatsbaudirektorin Lüscher.
Nicht nur um die Wegführung, auch um den Grabstein selbst gab es im Vorfeld Diskussionen. Die ursprüngliche Inschrift war 1941 von den Nationalsozialisten verändert worden, enthielt sie doch einige Verse des jüdischen Heimatdichters Max Ring: "Er lebte, sang und litt / in trüber schwerer Zeit, / er suchte hier den Tod, / und fand Unsterblichkeit."

Die Nazis ersetzten diese Zeilen durch „Nun, O Unsterblichkeit, Bist Du Ganz Mein“ aus dem „Prinz von Homburg“.

Bei der Neugestaltung des Steines wurde nun eine, so Lüscher, "salomonische Lösung" gefunden: Der Grabstein wurde um 180 Grad gedreht, die neue Rückseite enthält die Inschrift von 1941, die neue Vorderseite dagegen die Lebensdaten Heinrichs von Kleists, die Verse von Max Ring und nun auch die Lebensdaten von Henriette Vogel, der Lebens- und Todesgefährtin von Kleists.

Ein Echo wie kaum ein Zweiter

Am 21. November wird nun ein Kranz am neugestalteten Grabmal niedergelegt – direkt am 200. Todestag Heinrichs von Kleist. Die Ehrung ist einer der Höhepunkte zum Abschluss des Kleistjahres, das nicht nur in den Augen von Kulturstaatssekretär Schmitz ein voller Erfolg war. "Kleist war in diesem Jahr in aller Munde und wurde sicher auch neu beleuchtet", so Schmitz. Der große Zerrissene habe ein Echo nach seinem Tod erhalten wie kaum ein zweiter. Günter Blamberger ist sich sicher, dass Kleist das gefallen hätte: "Als Mann von Ehre und Aristokrat hat ihm Ruhm etwas bedeutet." Für ihn hat das Kleist-Jahr nicht nur durch die Zahl der Veranstaltungen, sondern auch durch deren Qualität überzeugt: "Es war ein überwältigender Erfolg."

Alice Lanzke

Stand vom 17.11.2011

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 17.11.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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