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Kleist-Jahr 2011
Rundfunk Berlin- Brandenburg
Büste mit dem Abbild des Dichters Heinrich von Kleist (Bild dpa)

Portrait

Heinrich von Kleist - ein Leben voller Rätsel

Als man versuchte, den Schädel der Leiche zu öffnen, zerbrach die Kopfsäge und musste für einen Taler und zwölf Groschen repariert werden. So steht es im Bericht des Hofmedicus Doctor Stememann und seines Kollegen Dr. Greiff, die die Leiche von Heinrich von Kleist am Morgen des 22. November 1811 bei Potsdam obduzierten. Am Tag zuvor hatte der Dichter zunächst Henriette Vogel, die Freundin, mit der er geistig stark verbunden war, und danach sich selbst am Kleinen Wannsee erschossen.

Liest man die Biografien beider Persönlichkeiten, so kommt man rasch zu der Erkenntnis, warum Kleist so etwas tat. Henriette Vogel hat angeblich unheilbar an Gebärmutterkrebs gelitten und aus Furcht vor langem Leiden "diesen leichten Tod gewählt". Bei Kleist hingegen fanden die Ärzte Anzeichen für einen "kranken Gemütszustand": Die Gehirnsubstanz sei fester als gewöhnlich gewesen, die Leber "widernatürlich" groß und hart. Der Verstorbene habe, so meinte man damals zu erkennen, "harte hypochondrische Anfälle" ertragen müssen.

Kleist beim Militär

Heinrich von Kleist wurde am 18. Oktober 1777 (er selber gab den 10. Oktober als sein Geburtsdatum an) in Frankfurt an der Oder geboren und entstammt einer Familie des pommerschen Uradels. Dazu gehörten zahlreiche Generäle und Feldmarschälle, viele Gutsbesitzer, aber auch etliche Gelehrte und hohe Diplomaten. Nach dem Tode seines Vaters 1788 wird Kleist von dem reformierten Predigers Samuel Heinrich Catel in Berlin aufgenommen und erzogen.

Im Juni 1792 tritt der junge Kleist getreu seiner Familientradition in das 3. Bataillon des Garderegiments zu Potsdam ein. Der 15-jährige Waisenknabe wird durch das Militär hart ins Leben gestoßen und kämpft bereits kurz darauf in Mainz gegen französische Truppen.

Sieben Jahre später bricht er den Militärdienst ab, um sich auf die Ausbildung des Geistes zu konzentrieren und ein wissenschaftliches Studium aufzunehmen. Er entdeckt die Literatur, liest Wieland, Schiller und die Philosophen seiner Zeit.

Rätsel um Kleist

"Ich will kein Amt" nehmen, schreibt er im November 1800 an seine Braut Wilhelmine von Zenge. Das findet sie wahrscheinlich genauso wenig erquickend, wie seine Idee ein zurückgezogenes Bauernleben in der Schweiz zu führen.

Es gibt viele Rätsel in der Biografie von Kleist. Eine Reise nach Würzburg gehört dazu. Niemand weiß bis heute, warum der Dichter diese Reise antrat und was er dort gemacht hat. Fest steht nur, dass sie für ihn eine immens wichtige Bedeutung hatte. Das geht zumindest aus den Briefen hervor, die er seiner Verlobten geschickt hat.

Noch rätselhafter jedoch erscheinen seine belehrenden Briefe, in denen er sie mit Denksportaufgaben schikaniert. Die Lösungen, kurze Besinnungsaufsätze, solle sie ihm zur Korrektur zurückschicken. "In einem Wettbewerb um die schrecklichsten deutschen Liebesbriefe hätte Kleist gute Aussichten den Preis davonzutragen", schreibt der Kleist-Biograf Jens Bisky. Wilhelmine blieb nicht lange Kleists Verlobte und heiratete am Schluss einen anderen.

Auf Erden war ihm nicht zu helfen

1811 scheitert sein journalistisches Projekt, die "Berliner Abendblätter". Die Tageszeitung schafft es gerade ein halbes Jahr zu bestehen, bevor sie wieder eingestellt wird. Zudem wächst Kleists Schuldenberg ins Unermessliche.

Kleist hat sich längst ein Urteil über sein Leben gebildet: Ihm sei "auf Erden nicht zu helfen". In den letzten Stunden seines Lebens soll Kleist gute Laune gezeigt haben. Kurz bevor die Schüsse fielen, hatten er und Henriette Vogel gescherzt und Kaffee getrunken. In den gemeinsamen Abschiedsbriefen heißt es: "Wir befinden uns hier in einem sehr unbeholfenen Zustande, indem wir erschossen da liegen, und nun der Güte eines wohlwollenden Freundes entgegen sehn, um unsere gebrechliche Hülle, der sicheren Burg der Erde zu übergeben."

Heinrich von Kleist gilt als größter deutscher Dramatiker und Erzähler der Romantik. Seine Werke wie "Die Marquise von O." oder "Der zerbrochene Krug" sind heute Klassiker.

Stand vom 31.05.2011

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 31.05.2011 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

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