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Am Cottbuser Schlosskirchplatz steht ein Haus mit gefalteter Fassade. Auffällig sind die Fenster. Abends leuchtet es. Dieses Haus wurde 1926 als Kaufhaus gebaut, ein Nebengebäude, das mit dem Haupthaus in der Spremberger Straße 10 verbunden war. Das Gebäude gilt als weltweit eines der ersten modernen Kaufhausbauten.
Heute ist es ein Wohn- und Geschäftshaus, dessen Geschichte die wenigsten Cottbuser kennen. Schocken war ein Unternehmen aus Zwickau. Die jüdischen Kaufleute investierten vor allem in Sachsen, in kleineren und mittleren Städten wie Zwickau, Lugau, Aue. Bis 1930 wird es die viertgrößte Warenhauskette Deutschlands. 1913 – genau vor 100 Jahren – lässt es sich in Cottbus nieder, übernimmt ein pleite gegangenes Kaufhaus an der Spremberger Straße. Gegenüber ist Waldschmidt, ebenfalls ein großes Kaufhaus. Die Konkurrenz fürchtet Schocken nicht. Das Unternehmen hat eine klare Geschäftsstrategie. Es kauft in großen Mengen und verkauft preiswert. Und es setzt auf das Personal. In der Cottbuser Filiale arbeiten 200 Menschen auf der so genannten "Groschenseite“ der "Sprem“. Das bedeutete, Schocken bezahlte besser, schulte seine Leute und baute kostenlose Erholungsheime. Zum Kaufhauscredo gehört die Architektur: neue große Kaufhäuser entstehen in Nürnberg, Stuttgart und Chemnitz. Gebaut von Erich Mendelsohn. Übrig geblieben ist Chemnitz, gebaut 1930 und das kleine Kaufhaus von Cottbus von 1926. Vorzeigebauten heute. Das Unternehmen Schocken wurde 1938 von den Nationalsozialisten enteignet.
Beitrag von Dagmar Lembke





