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Der Fassade des wiederaufgebauten Potsdamer Stadtschlosses sieht man an, dass sie nicht nur aus neuen Steinen rekonstruiert wurde. Viele alte Originalteile konnten eingebaut werden. Sie waren 1959/60 geborgen worden während Sprengungen und Abriss schon liefen.
Es war ein Wettlauf mit der Zeit oder besser gesagt gegen die Abrisspläne. Das SED-Politbüro hatte im Frühjahr 1959 den Abriss endgültig beschlossen. Die Denkmalpfleger hatten einen Wiederaufbau und eine Nutzung für kulturelle Einrichtungen oder für den Rat der Stadt bzw. des Bezirkes Potsdam vorgeschlagen. Auf sie wurde nicht gehört. Sie konnten aber durchsetzen, dass Fassadenteile und insbesondere Attikafiguren oder deren Fragmente geborgen werden konnten. An einer Ecke des Schlosses wurde gesprengt, an der anderen Skulpturenteile aus dem Schutt gezogen. Gleichzeitig wurde eine Dokumentation angefertigt, die in den 60er Jahren als Grundlage für den Bau eines originalgetreuen Modells diente. Beides war wichtig für den Bau als Brandenburger Landtag mit der Fassade des Stadtschlosses. Gelagert wurden die Teile unter freiem Himmel in der Gärtnerlehranstalt von Park Sanssouci. Anfang der 90er Jahre wurden sie freigelegt bei Arbeitseinsätzen des Potsdamer Vereins „Argus“ und mit finanzieller Hilfe von Berliner Kunsthändlern abtransportiert. Die langwierige Analyse fand in eine glückliches Ende in der Wiederverwendung vieler Teile in der Stadtschlossfassade.
Autor: Bernd Herrmann





